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Briefe / Mitteilungen

Rund um das ISG

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2017.05776
Veröffentlichung: 21.06.2017
Schweiz Ärzteztg. 2017;98(25):813

Dr. med. Cyrill Jeger, Olten

Rund um das ISG

Nach über 30 Jahren Tätigkeit als Grundversorger, mit über all die Jahre verschiedenen erworbenen Schwerpunkten, so sei in diesem Zusammenhang die manuelle Medizin erwähnt, fühle ich mich doch gedrängt, auch wieder mal einen Leserbrief zu verfassen.

In den letzten Monaten sind bei mir wirklich neu, und vermehrt, Patienten/-innen aufgetaucht mit einer in sich ähnlichen Geschichte.

Diese Menschen (mit Schmerzen im unteren Rücken/Becken) haben eine Notfallstation oder eine Privat-Klinik aufgesucht – und nach Schilderung ihrer Beschwerden sind sie zum MRI geschickt worden. Soweit so gut – wirklich? Natürlich lasse auch ich mal ein MRI ­anfertigen – jedoch habe ich noch nie die an sich nicht sehr seltene Diagnose «blockiertes ISG» auf einem Radiologiebericht lesen können. Ist ja auch nicht der Job der Radiologen.

Um zu dieser Diagnose zu kommen, müssen wir den Patienten untersuchen. Dieses «Handwerk» scheint verloren zu gehen.

Bei verpasster Diagnose gibt es natürlich auch «Heilung» – aber eben nicht immer, bzw. ein blockiertes ISG kann auch mit einer guten Physiotherapie und evtl. auch mit Medikamenten behandelt werden.

Früher schrieben die lieben Kollegen aus der Klinik im Bericht an den Hausarzt – sofern wir überhaupt mit einem Schreiben bedient wurden – «Ihr Einverständnis vorausgesetzt, haben wir den Patienten dem Spezialisten (im Hause) weiter überwiesen.» Dann beginnt oft die mühsame Pilgerreise der Patienten durch all die Spezial-Sprechstunden. Der Erste schreibt vielleicht noch einen Bericht an den Hausarzt, der Nächste dann nur noch dem ­intern zuweisenden Kollegen. Irgendeinmal taucht der/die Patient/-in wieder bei seinem/seiner Hausarzt/-ärztin auf.

Intern habe ich begonnen, dieses Syndrom mit dem Namen einer Privatklinik zu bezeichnen, aber das ist natürlich nicht zu­treffend, da sich alle Institutionen einer gewissen Grösse aus verwaltungsimmanenten Gründen ähnlich verhalten.

Um die Länge dieses Leserbriefes nicht zu strapazieren, verzichte ich hier auf die Berichterstattung mehrerer eindrücklicher Fallbeispiele.

Warum schreibe ich diesen Leserbrief? Weil wir verpflichtet sind, den Patienten zu helfen (das klingt natürlich nach Hippokrates und etwas altmodisch), weil wir verpflichtet sind, Kosten zu minimieren bzw. effizient einzusetzen (ist auch altmodisch – und die Krankenkassen sind immer noch nicht in der Lage, die Qualität zu beurteilen), weil ich doch noch hoffe, dass die nicht immer nur jungen Kollegen (wieder) lernen, die Patienten zu unter­suchen.

Natürlich geht es nicht nur um das ISG – Iliosakralgelenk.

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