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Briefe / Mitteilungen

Jeder Mensch steht auf seinem weltanschaulichen Boden

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2018.06969
Veröffentlichung: 25.07.2018
Schweiz Ärzteztg. 2018;99(3031):978

Annegret Schläppi, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, St. Gallen

Jeder Mensch steht auf seinem weltanschaulichen Boden

Brief zu: van Spijk P. Replik auf die Leserbriefe zum Artikel: van Spijk P. Die Medizin: Auf der Suche nach einem neuen Menschenbild. Schweiz Ärzteztg. 2018;99(25):827.

Noch einmal möchte ich Dr. van Spijk für die Lancierung des Ringens um ein neues Menschenbild danken, die eingegangen Beiträge haben bereits die Vielfalt der Standpunkte dargestellt.

In seiner Replik bestreitet Dr. van Spijk, dass «Weltanschauliches» mit seinem Denken zu tun habe, lässt aber subtil einfliessen, dass [die] Unterscheidung von «Körper» und «Seele» – eingefahrene Denkmuster seien.

Darum möchte ich präzisieren, dass jeder Mensch auf (s)einem weltanschaulichen ­Boden steht. Man kann nicht keine Welt­anschauung haben – genauso, wie man nicht nicht kommunizieren kann, ist auch kein Mensch ohne Weltanschauung.

Wenn Dr. van Spijk «Die Ablehnung dieser ­Reduktion (wie auch die Zweifel an der Existenz einer res cogitans) wissenschaftlich und (philosophisch-)argumentativ überzeugend begründen» möchte, dann bewegt sich diese Begründung im Rahmen (s)einer Weltsicht und innerhalb dieser möchte er mit den dazu gehörenden Methoden seine Überzeugung ­begründen. So stehen wir alle auf dem Standpunkt unseres Weltbildes und erzeugen daraus unser Menschenbild. Soll aus echtem Dialog etwas Neues entstehen, muss es darum gehen, einander mit Fragen und Interesse zu begegnen. Dies, ganz nach H. G. Gadamer, «ein Gespräch setzt voraus, dass der andere Recht haben könnte»; dies gilt immer für beide ­Gesprächspartner und oft sind es nur Missverständnisse in der Begriffsnutzung, die trennen.

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