FMH

Die FMH setzt sich für eine nutzenbringende Digitalisierung ein

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2021.19835
Veröffentlichung: 05.05.2021
Schweiz Ärzteztg. 2021;102(18):596

Alexander Zimmer

Dr. med., Mitglied des Zentralvorstandes und Departementsverantwortlicher Digitalisierung / eHealth

Erinnern Sie sich an die Strategie eHealth Schweiz 1.0 von 2007?

«Die Menschen in der Schweiz können im Gesundheitswesen den Fachleuten ihrer Wahl unabhängig von Ort und Zeit relevante Informationen über ihre Person zugänglich machen und Leistungen beziehen. Sie sind aktiv an den Entscheidungen in Bezug auf ihr Gesundheitsverhalten und ihre Gesundheitsprobleme beteiligt und stärken damit ihre Gesundheitskompetenz. Die Informations- und Kommunikationstechnologien werden so eingesetzt, dass die Vernetzung der Akteure im Gesundheitswesen sichergestellt ist und dass die Prozesse qualitativ besser, sicherer und effi­zienter sind.»

Die FMH unterstützt dieses Ziel. Sie hat sich in den ­vergangenen Jahren für eine allseits nutzenbringende Umsetzung der Digitalisierung im medizinischen Bereich stark engagiert.

In einer digitalen Welt sind datenschutzrechtliche Fragestellungen von zentraler Bedeutung. Vor mehr als 20 Jahren wurde deshalb auf Initiative der FMH und der Ärztekasse die Health Info Net AG gegründet, um sensible Patientendaten im Austausch zu schützen und das Zeitalter des elektronischen Datenaustausches in der Schweiz einzuläuten. Heute ist es selbstverständlich, dass Spitäler, Arztpraxen, Apotheken und zunehmend auch Behörden Gesundheitsdaten verschlüsselt mit der HIN-Technologie austauschen.

Um die Entwicklung auch bezüglich elektronischen ­Patientendossiers zu unterstützen, hat sich die FMH an der AD Swiss Net AG beteiligt. Dadurch ermöglichen wir unseren Mitgliedern einen niederschwelligen und funktionalen Zugang zum EPD.

Von besonders hoher Bedeutung waren in den vergangenen Jahren die von der FMH ins Leben gerufenen themenspezifischen und auch interprofessionellen Arbeits­gruppen. In diesen Arbeitsgruppen haben die praktischen Anwender, also die Gesundheitsfachpersonen selbst, Digitalisierungsthemen aufgenommen und diskutiert. Daraus abgeleitet konnten wir Um­setzungsvorschläge festgelegen – stets unter der Prämisse, dass eine digitale Transformation nur dann gelin­gen kann, wenn sie allen Beteiligten, also den Patientinnen und Patienten sowie auch den Gesundheitsfachpersonen, Vorteile bringt. Die intensive Einbindung der praktischen Anwender in die Gestaltung einer neuen Technik entspricht einer tief verankerten helvetischen Tradition. Sie ist aus unserer Sicht zudem erfolgsversprechender als behördlich verordnete Top-down-Prozesse.

Das starke Engagement der FMH für eine nutzenbringende Ausgestaltung des EPD ist umso mehr von Bedeutung, als das Parlament inzwischen der Aufhebung der doppelten Freiwilligkeit bei der Mitwirkung am EPD zugestimmt hat. Dadurch sind auch die ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzte künftig verpflichtet, am EPD teilzunehmen. Diese Entwicklung war vorher­sehbar, zumal der Bund bereits mit der KVG-Revision zur Zulassungssteuerung die Pflicht zur Teilnahme am EPD vorgesehen hat. Der Zeitpunkt und die allfälligen Übergangsfristen stehen noch nicht fest.

So kommt das vorliegende Positionspapier der FMH zum EPD zum genau richtigen Zeitpunkt. Die Erarbeitung haben wir, wie oben ausgeführt, breit abgestützt, und das Positionspapier ist sowohl vom Zentralvorstand als auch von der Delegiertenversammlung der FMH im ersten Quartal 2021 verabschiedet worden. Es soll Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen, Empfehlungen, Hilfestellungen und Entscheidungshilfen im Kontext des Umganges mit dem EPD bieten. Dieses Positions­papier ist in eine Vielzahl von weiteren Hilfestellungen eingebettet, die Sie von Ihrer FMH in Sachen digitaler Transformation bereits erhalten haben oder in nächster Zeit noch erhalten werden.

Es soll weiter dazu beitragen, dass sich die Ärzteschaft – auch im Interesse ihrer Patientinnen und Pa­tienten – für eine allseits nutzenbringende Digitalisierung engagiert und auch aktiv mitgestaltet [1].

Literatur

1 Gilli Y, Schult L. Von den Getriebenen zur treibenden Kraft. Schweiz Ärzteztg. 2020;101(43):1388–90. saez.ch/article/doi/saez.2020.19314

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