Horizonte

60. UMEM-Kongress (Union Mondiale des Ecrivains Médecins) in Garlate/Lecco

«Im Laufe der Jahre kennt man sich wirklich gut»

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2016.05106
Veröffentlichung: 23.11.2016
Schweiz Ärzteztg. 2016;97(47):0

Françoise Verrey Bass

Dr. med., pensionierte Fachärztin für Neurologie, Mitglied FMH, Präsidentin ASEM

Es ist fast überheblich, von einem Weltkongress zu schrei­ben; international wäre zutreffender. Auch der Ausdruck «Schriftsteller» ist übertrieben; denn die meisten von uns, die gerne schreiben und oft publizieren, werden selten bekannt. Kurz: internationale Vereinigung von Ärzten, die gerne schreiben, wäre zutreffender. Doch der Name wurde vor 60 Jahren gegeben, als die Vereinigung in Ascona gegründet wurde, also 1956.

Unser diesjähriges Treffen fand vom 14. bis 18. September in Garlate/Lecco statt. Dank Sergio Marengo, der sich dafür eingesetzt hat, wurde der Kontakt mit den italienischen Kollegen wieder aufgenommen und der Jubiläumskongress konnte in einem der Gründungsstaaten abgehalten werden, wie damals 1956 nahe der Schweizer Grenze. In den letzten Jahren waren die Ita­liener leider nicht mehr zu den internationalen Anlässen gekommen.

Internationale Begegnungen

Wir empfingen den neuen bulgarischen Präsidenten, sowie den rumänischen, den wir ebenfalls noch nicht kannten. Unser langjähriger Freund aus Polen ist wieder gekommen, wie immer mit seinem Wagen. Er durchquert ganz Europa, wenn es sein muss, um an den Kongress zu kommen. In den letzten Jahren kommt auch ein pensionierter Kollege aus Ecuador, der den Kongress in seine Europa-, dieses Mal sogar Weltreise einbaut! Die meisten Kollegen kommen aus Frankreich, Deutschland und Portugal. Wir Schweizer sind meistens gut vertreten. Wir freuen uns jedes Jahr auf die neuen, jüngeren Kollegen, die der Vereinigung beitreten. Dieses Jahr vor allem Kolleginnen und Kollegen aus Italien.

Die gelesenen Texte sind in der Regel gut bis sehr gut. Die Texte werden in der Muttersprache der Schreibenden gelesen, damit wir die Musikalität der verschiedenen Sprachen erfahren. Dies kommt besonders in den Gedichten an den «Soirées de poésie» zur Geltung. Mit den Texten und einer vollständigen Übersetzung wird ein Manuskript zusammengestellt und gedruckt, jedem Teilnehmer mitgegeben. Das Thema dieses Jahres war: Medizin und Kunst. Es ist völlig frei, wie man was schreiben will, eine Fiktion, ein Essay, ein philosophischer Text, aus seinen ärztlichen Erfahrungen etc., ­sogar nicht zum Thema.

Wir sind in der Regel zwischen 40 und 50 Personen, die Partner/-innen mitgezählt. Im Laufe der Jahre kennt man sich wirklich gut. Wir sind Freunde geworden.

Die Kongresse sind gemütlicher und einfacher geworden als vor noch 15 Jahren.

Ein gemütlicher Kongress mit Ausflügen

Meistens wird morgens gelesen, nachmittags ein Ausflug unternommen. So haben wir ein Museum über Seide in einer alten Seidenfabrik in Lecco besucht. Die Fabrik gehörte der Schweizer Familie Abegg! An einem anderen Tag waren wir auf dem Comersee unterwegs und fuhren anschliessend zu einer kleinen Kirche an einem Berghang, die Madonna del Ghisallo, Wahlfahrtsort der Radrennfahrer des Giro d’Italia. In dieser Kirche werden auch wichtige Gegenstände berühmter Fahrer gesammelt (Fahrräder u.a.).

Der dritte Ausflug führte uns nach Bergamo. Der Spaziergang durch die auf dem Bergplateau gelegene wunderschöne Altstadt war sehr eindrücklich. Die Stadt zeigt spannende Merkmale von ineinander übergehenden Kulturen. Anschliessend hatten wir eine interessante Führung durch die berühmte Pinakothek von Bergamo, die Academia Carrara.

Der Kongress beginnt jeweils am Mittwochabend mit dem Empfangscocktail und hört am Samstagabend auf mit einem Festessen. Auch dieses Essen ist viel einfacher geworden. Früher in Frankreich z.B. in einem Château de la Loire war es ein Fünfgänger, im Abendkleid. Heute ist das Essen weniger wichtig geworden, es gab hingegen eine Darbietung von einem Gospelchor. Zum Glück sind auch die Abschiedsreden kürzer und weniger schwerfällig geworden.

Wir freuen uns auf nächstes Jahr, Plovdiv im südlichen Zentrum von Bulgarien, eine der ältesten Städte von Europa, auf den Spuren der thrakischen Kultur. Aber auch mit einem ausgezeichnet erhaltenen römischen Amphitheater. Der Kongress wird wieder in der zweiten Septemberhälfte stattfinden. Thema: Medizin und Frieden.

Korrespondenzadresse

Françoise Verrey Bass
Rue de la Plänke 12
CH-2502 Bienne
fraverrey[at]gmx.ch

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