Briefe / Mitteilungen

Wer soll denn heute noch Chefarzt werden oder bleiben?

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2017.05363
Veröffentlichung: 01.02.2017
Schweiz Ärzteztg. 2017;98(05):151

Prof. Dr. med. André Gächter, Mörschwil

Wer soll denn heute noch Chefarzt werden oder bleiben?

Brief zu: Unger-Köppel J. Chefarzt entlassen. 
Schweiz Ärztezeitung. 2017;98(3):53.

Diese prägnante Stellungnahme war schon überfällig. Das Hausärztesterben ist in aller Munde, aber das Chefärztesterben war bisher kaum Thema. Spitäler sind keine Heilinstitute mehr, sondern Unternehmen. Offenbar braucht es dazu einen vielköpfigen, teuren Verwaltungsrat, häufig bunt zusammengewürfelt, meist mit marginaler (Sozial)kompetenz versehen, aber zumindest Teil von lukrativen Seilschaften. Die zusätzlichen Mandate eines solchen Verwaltungsrates werden optimal verwedelt. Wenn ein solcher eine Beraterfirma besitzt, so wird er sehr gerne einen ­Auftrag dem Kollegen übergeben, der sich bestimmt revanchieren wird. Da werden zum Beispiel Strategiefindungsstudien inszeniert, am Chefarzt vorbei, und männiglich wundert sich, dass nur ein riesiger Papiertiger von Schreibtischtätern geboren wird, teuer und aus praxisfernen Galaxien. Damit werden die (Chef)ärzte entmachtet, und die Spitäler bewegen sich in eine rein profitorientierte Richtung, sehr zum Gaudi der Prämienzahler. ­Politiker haben immer noch nicht begriffen, dass es sehr gute, qualitativ und menschlich hochstehende Ärzte und Chefärzte braucht, ansonsten kann man das Spital defizitär schliessen. Vergessen wird die ganze Ausbildung, die sich schlussendlich auch bei den Hausärzten und den Haftpflichtprozessen massiv auswirkt. Wer soll denn heute noch Chefarzt werden oder bleiben? Gibt es noch 
so viele bestausgebildete Ärzte, die sich auf mehr furcht- als fruchtbare administrative Sitzungen freuen, riesige Verantwortung übernehmen möchten, ohne auf Coronarien schonende Kollegen in der Privatklinik zu schielen, die nur noch für ihre eigenen Patienten verantwortlich sind?

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie zum Beispiel den Spitalverbund Appenzell Ausserrhoden.

Verpassen Sie keinen Artikel!

close