Briefe / Mitteilungen

Amblant vs stationär - Politischer Salat

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2017.05533
Veröffentlichung: 29.03.2017
Schweiz Ärzteztg. 2017;98(13):402

Dr. med. Xavier Jordan, Grimisuat

Ambulant vs. stationär – politischer Salat

Brief zu: Holzmann D. Ambulant vor stationär. 
Schweiz Ärztezeitung. 2017;98(11):337.

Ich fand die weiterführende Analyse von Herrn Prof. Holzmann spannend und danke ihm ­dafür, auch dass er nebenbei unsere FMH ­ermuntert, deutlichere Positionen zu be­ziehen. Manchmal ist es nötig, klar Ärzte-­unfreundliche Akteure auf der grossen Politbühne als solche zu bezeichnen.

Ich habe also seinen Brief mit Freude gelesen, allerdings nur bis zum ersten Drittel der zweiten Spalte. Dass die Beurteilung der Position der grössten politischen Kräfte in je zwei Zeilen etwas waghalsig sein dürfte, ist jedem klar und motiviert ob des Schwierigkeitsgrades der Aufgabe zu grösster Nachsicht. Dass ein Leserbrief kurz sein muss, ebenfalls. Dennoch ist es schlicht falsch, die CVP zu den Links­parteien zu zählen, wie etliche Polit­baro­meter und Wahlanalytiker in ihren Partei­spektrum-Darstellungen ohne geringsten Zweifel aufzeigen [1]. Mir ist dabei aber vor ­allem klar ­geworden, wie mächtig die Pro­pagandamaschine der Rechtspopulisten doch ist, wenn wir uns von der hartnäckig wie­derholten (dank eigener Presse), konstru­ierten (Paul Watzlawick [2] würde daran ge­fallen ­finden) angepassten (auch bekannt als Trump’­sche Alternativfakten) «Wahrheit» täuschen lassen, die Mitteparteien (unter ­anderem genannte CVP also) würden nach links rutschen, wo doch das Gegenteil der Fall ist. Dabei ist diejenige Partei, die sich in den letzten 30 Jahren in ihren Positionen am meisten verschoben hat, sehr einfach zu identifizieren.

Dass ausgerechnet ein Walliser Kollege darauf reagiert, wird einige zum Schmunzeln bringen. Meine heutige Bemerkung, welche mit dem nötigen Respekt vor unseren Vordenkern versehen ist, wird uns in der Gestaltung des Gesundheitswesens des nächsten Jahrzehntes nicht weiter bringen, gebe ich zu. Dar­um danke ich ganz besonders dem Autor 
des zitierten Briefes und allen Lesern der SÄZ für dasjenige Gut, das heutzutage besonders wertvoll ist, das von den Versicherern im ­TARMED immer weniger vergütet wird, und das Sie mir aber soeben geschenkt haben: Ihre Zeit.

Literatur

1 http://blog.tagesanzeiger.ch/datenblog/index.php/1791/wie-sich-die-svp-aus-dem-buergerblock-verabschiedet-hat/positionierung-partei-kantonalsektionen-einst-und-heute

2 «Une idée, pour peu qu’on s’y accroche avec une conviction suffisante, qu’on la caresse et la berce avec soin, finira par produire sa propre réalité», Faites vous-mêmes votre malheur, Seuil (2009), p. 54.

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