Briefe / Mitteilungen

Die harte Realität hinter den Kulissen

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2017.05812
Veröffentlichung: 12.07.2017
Schweiz Ärzteztg. 2017;98(2829):901

Dr. med. Felix Schürch, Zürich

Die harte Realität hinter den Kulissen

Brief zu: Brühlmeier-Rosenthal D. Soziales Elend nach Stopp oder Verweigerung von IV-Renten. Schweiz Ärztezeitung. 2017;98(24):785-7.

Die Berentungen durch die IV sinken von Jahr zu Jahr, das zeigen uns die Zahlen aus dem BSV in schöner Regelmässigkeit. Die Zahlen sind so beruhigend und erbaulich wie die potem­kinschen Dörfer im alten Russland. Hinter den Kulissen herrscht die harte Realität. Psychiater und Hausärzte sehen sie von Tag zu Tag: Unzählige zusätzlichen Notfallkonsultationen und medizinischen Abklärungen der abgewiesenen oder zurückgestuften Patienten, eine teure Gutachtermaschinerie, langwierige juristische Querelen vor den Ver­sicherungsgerichten, dann die Ausgaben der Sozialämter und der Familienangehörigen, die schlussendlich zur Kasse gebeten werden. In verdankenswerter Weise hat Kollegin Brühlmeier-Rosenthal in ihrem Beitrag die aktuelle Situation beleuchtet. Offenbar ist die IV selber von der Durchhalteparole «Arbeit vor Rente» nicht mehr ganz überzeugt. «IV-Stellen beklagen viel Aufwand für wenig Ertrag» titelte der Tages-Anzeiger letztes Jahr [1]. Andererseits wies schon vor zehn Jahren Professor Hell in der Schweizerischen Ärztezeitung darauf hin, das gerade eine Rente posi­tive Auswirkungen auf die Integration kranker Menschen haben kann [2].

1 Brotschi M. IV-Stellen beklagen viel Aufwand für wenig Ertrag. Tages-Anzeiger vom 10. Februar 2016.

2 Hell D. Die Bedeutung der IV für psychisch Kranke. Schweiz Ärztezeitung. 2007;88 (24):1053–4.

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