Briefe / Mitteilungen

Credo Quia Absurdum [1] – oder: Sparmöglichkeiten im Gesundheits­wesen

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2017.05813
Veröffentlichung: 12.07.2017
Schweiz Ärzteztg. 2017;98(2829):902

Prof. em. Dr. med. Rolf Adler, Kehrsatz

Credo Quia Absurdum [1] – oder: Sparmöglichkeiten im Gesundheits­wesen

Ist es nicht Pflicht, die Grundlagen der Medizin wissenschaftlich zu halten!

Edzard Ernst [2], vorurteilsloser Professor für Alternativmedizin in Exeter (GB), hält fest: Ein eher exotisches, aber reales Beispiel aus der Homöopathie ist das Heilmittel «Berlin Wall». Die Berliner Mauer hemmte die Kommunikation zwischen Menschen. Für die Homöopathie leitet sich daraus die Indikation ab, aus Mauerresten der ursprünglichen Mauer durch Verdünnung und Potenzierung ein Medikament zu entwickeln, das beim Patienten Kommunikationsprobleme zu beseitigen vermag.

Mit Carl Spitteler [3] dürfen wir hier aus der «Jodelnden Schildwache» zitieren: «Komm her, beim Styx! Stoss an, beim Eid! Wer da nicht mitmöggt, tut mir leid.»

Wie Ärzte und Ärztinnen so unwissenschaftlich denken können, lässt sich oberflächlich aus ihrem Studium ableiten, das Fakten vermittelt, aber kaum wissensschaftliches Denken. Tiefer betrachtet erkennen wir Einflüsse das Unbewussten, die wir noch als Erwachsene aus unserer frühen Kindheit in uns tragen: Wirkungszunahme durch enorme Verdünnen ist das Gegenteil von Wirksamkeitszuwachs durch Konzentration, aus der Chemie ein Gesetz. Wir stellen die unbewusste Fähigkeit fest, etwas ins Gegenteil zu verkehren, wie es der Clown tut, der Trauer und Kummer ins ­Euphorische dreht. Das Schlagen beim Potenzieren ist eine magische Handlung, uns aus den Mechanismen des Unbewussten bestens vertraut, beispielsweise Daumendrücken um Erfolg zu erzwingen, Bekreuzigen bei Angst usw. Auch alte Sprachen kennen das Zusammengehen der Extreme, beispielsweise bedeutet das Lateinische «altus» hoch und tief, «sacer» heilig und teuflisch.

Ich erwarte einen Shitstorm aus der Alternativmedizin gegen meinen Leserbrief. Vielleicht können die Befürworter der Homöopathie aus dem Shitstorm Material gewinnen, das den Gestank des Shits, wenn potenziert, in Rosenduft verwandelt.

1 Tertullian: De Carne Cristi (ca. 203–206 p.c.).

2 Ernst E. Homeopathy, Undiluted Facts. Springer, 2016. p. 9.3)

3 Carl Spitteler (1845–1924). Die jodelnde Schildwache. Gedicht.

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