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FMH

Innovation Qualité – 
Die FMH setzt auf Motivation

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2017.05918
Veröffentlichung: 16.08.2017
Schweiz Ärzteztg. 2017;98(33):1021

Christoph Bosshard

Dr. med., Vizepräsident der FMH, Departementsverantwortlicher Daten, Demographie und Qualität / SAQM

Es ist eigentlich logisch: Je perfekter etwas funktioniert, desto weniger nehmen wir es wahr. Oder sind uns all die Strukturen und Prozesse bewusst, welche hinter einem reibungslos funktionierenden ÖV-Fahrplan stecken? So geht es uns auch mit unserer Gesundheit: Erst wenn wir krank sind, beginnen wir sie zu schätzen.

Und wie steht es um unser Gesundheitswesen? Diverse internationale Erhebungen attestieren uns Spitzenplätze in Sachen Qualität. Gleichzeitig befinden wir uns bei den Gesundheitskosten im Verhältnis zum Bruttoinlandprodukt in bester Gesellschaft mit diversen europäischen Staaten, welche wir punkto Qualität übertroffen haben. Also alles bestens? Hier kitzelt uns dann doch unser Stolz. Denn wir wissen: Wir hören ­genau dann auf gut zu sein, wenn wir aufhören, stetig besser zu werden.

Diese Einsicht darf jedoch nicht dazu führen, Pro­bleme zu suchen, wo es keine gibt. Das ausgezeichnete Funktionieren unseres Gesundheitswesens ist der gros­sen intrinsischen Motivation aller daran Mitwirkenden zu verdanken. Und wo intrinsische Motivation so zentral ist, versagen einfache Zielsetzungs- und Kontrollmechanismen, welche ihren Ursprung in der Fliessband-Industrie haben. Anreize, welche der Komplexität des Gesundheitswesens gerecht werden, sind eben auch etwas komplexerer Natur. Dass dies bisher zu ­wenig beachtet wurde, zeigt unser Gesundheitssystem, das von Fehlanreizen stark geprägt ist.

Sanktionen als primäres Steuerungsinstrument im Gesundheitswesen machen keinen Sinn. Würden solche umgesetzt, wären die Nebenwirkungen beträchtlich: Qualitätsarbeit würde zum Spiessrutenlauf, mit Offenheit und Ehrlichkeit wäre es vorbei, die Chancen auf Verbesserung wären vertan. Und vor allem: Polymorbide Patientinnen und Patienten mit einem erhöhten Komplikationsrisiko und entsprechend schlechterem Outcome würden wie heisse Kartoffeln herumgereicht statt behandelt.

Der intrinsische Anreiz lautet: gemeinsam besser werden und aus Fehlern oder auch einfach suboptimalen Outcomes lernen. Die Kultur der stetigen Verbesserung ist deshalb auch ein zentrales Element der Diskussionen innerhalb der Schweizerischen Akademie für Qualität in der Medizin SAQM. Um die Qualitätsarbeit unserer Organisationen sowie diejenige unserer Partner zu fördern und besser sichtbar zu machen, lanciert die SAQM der FMH ihren neuen Qualitätspreis «Innovation Qualité». Diese Auszeichnung wird erstmals 2018 verliehen. Lesen Sie in dieser Ausgabe der Schweizerischen Ärztezeitung Näheres über die Preis­kategorien und die Eingabe-Modalitäten.

Nutzen Sie die Chance, bereits beim ersten Mal dabei zu sein und geben Sie Ihr Qualitätsprojekt ein. So ­helfen Sie mit, wesentliche Aspekte der Arbeit im Gesundheitswesen sichtbar zu machen, und dies ist sehr wertvoll: Allzu oft bleiben solch essentielle «Details» aufgrund ihres perfekten Funktionierens unbemerkt und werden erst beim Wegfallen vermisst. Mit Ihrer Teilnahme an der Innovation Qualité geben Sie zudem anderen die Chance, von Ihrem Projekt und Ihren Erfahrungen zu lernen. Und nicht zuletzt winkt den ­Gewinnern auch eine schöne Belohnung. Nur wer nicht mitmacht, hat keine Chance zu gewinnen.

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