FMH

MPA im Wandel: 
Frühlings­stimmung im Herbst

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2017.06030
Veröffentlichung: 20.09.2017
Schweiz Ärzteztg. 2017;98(38):1207

Carlos Beat Quinto

Dr. med., Mitglied des FMH-Zentralvorstandes, Departementsverantwortlicher Public Health und Gesundheitsberufe

Jedes Jahr im September treffen sich die MPA-Delegierten der kantonalen Ärztegesellschaften, Vertreter der MPA-Gremien der FMH und der Berufsverbände. Im Bereich MPA läuft aktuell die Revision der Bildungs­verordnung, welche per 1. Januar 2019 in Kraft treten soll. Medizinische Praxisassistentinnen mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis können sich seit neuerem zur Medizinischen Praxiskoordinatorin (MPK) weiterbilden. Dabei kann zwischen zwei Schwerpunkten ­gewählt werden: in praxisleitender, administrativer Richtung oder in klinischer Richtung «chronic care». Letztere verdient besondere Aufmerksamkeit im Zusammenhang mit der nationalen Strategie zur Prä­vention nicht übertragbarer Krankheiten kurz NCD-Strategie. Die Ärzteschaft ist in erster Linie im Massnahmenpaket «Prävention in der Gesundheitsversorgung» tangiert. Die Position der FMH zur NCD-Strategie wurde in der SÄZ Nr. 34 publiziert.

Die MPA gehört weder zu den Medizinal- noch zu den Gesundheitsberufen. Einzig im Kanton Zug wurde der heutigen Aufgabe und Position der MPA im Gesundheitsgesetz bisher Ausdruck verliehen. Für eine ähnliche Anerkennung auf politischer bzw. behördlicher Ebene engagieren sich weitere kantonale Ärztegesellschaften, z.B. Bern und Baselland. Da das Gesundheitswesen in der Schweiz kantonal organisiert ist, ist dieses Engagement auf kantonaler Ebene entscheidend. Die FMH setzt sich in verschiedener Hinsicht ein: Dass der Weg zu einer sachgerechten Tarifierung, auch von MPA- und MPK-Leistungen, sowie die Positionierung der Arztpraxis und des Praxisteams in der Interprofessionalitätsdebatte kein Spaziergang ist, dürfte hinlänglich bekannt und verständlich sein. Aktuell laufen auf eidgenössischer Ebene zahlreiche Aktivitäten hinsicht­lich Interprofessionalität, in welche die FMH teilweise mehr oder weniger adäquat einbezogen ist. Die FMH setzt sich sowohl für die gesamte Ärzteschaft als auch für die Arztpraxis und eine gute Patientenbetreuung ein. Letztere beruht auch auf entsprechenden Rahmen­bedingungen für die Ärzteschaft und das unter ­ihrer Verantwortung arbeitende Praxisteam. Moderne und zeitgemässe Teamführung und -arbeit ist Voraussetzung für die Bewältigung der mit der anstehenden ­demographischen Entwicklung verbundenen Krankheitslast.

Aktuell besteht die Möglichkeit für die Ärzteschaft; mitzugestalten: Engagieren wir uns aktiv in der Interprofessionalitätsdebatte, auch um die Positionen von MPA und MPK zu stärken. Eine gut funktionierende Arztpraxis braucht ein starkes Team und entsprechende Perspektiven. Ich wünsche mir Engagement von kantonalen Ärztegesellschaften, von Kolleginnen und Kollegen, welche einen Zeithorizont von 15 bis 20 Jahren Praxistätigkeit vor sich haben. Reagieren wir zu spät, riskiert die Ärzteschaft sich in der Rolle der «Nein-Sager» oder Verhinderer zu finden, da wichtige fach­liche Anliegen und Voraussetzungen für unsere Tätigkeiten nicht durch andere Berufsgruppen oder Personen ohne Erfahrung im täglichen Umgang mit Patientinnen und Patienten eingebracht werden können.

Wir sind auf das künftige Engagement von Kolleginnen und Kollegen in den kantonalen Ärztegesellschaften und in der FMH angewiesen. Grosser Dank an alle, die dies bereits jetzt tun. Auf eine rege Teilnahme an der Jahresversammlung der Delegierten für MPA-Fragen am 28. September in Luzern: Wir brauchen Frühlingsstimmung in unseren Gremien.

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