FMH

Skills

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2018.17094
Veröffentlichung: 05.09.2018
Schweiz Ärzteztg. 2018;99(36):1166

Carlos Beat Quinto

Dr. med., Mitglied des FMH-Zentralvorstandes, Departementsverantwortlicher Public Health und Gesundheitsberufe

Vom 12. bis 16. September finden in Bern auf dem Messegelände die «Swiss Skills» statt. An der nationalen Berufsschau mitbeteiligt sind auch der Schweizerische Verband Medizinischer Praxis-Fachpersonen SVA und die FMH. Den Mangel an qualifizierten medizinischen Praxis-Assistentinnen und -Assistenten MPA EFZ können wir nur beheben, wenn in den Praxen ausreichend Nachwuchs ausgebildet wird. Neben stimmigen Arbeitsbedingungen muss sowohl auf kantonaler wie auf nationaler Ebene der Beruf der MPA EFZ bekannt und sichtbar gemacht werden. Deshalb haben der SVA und die FMH, mit der Unterstützung weiterer Berufsverbände, die Initiative ergriffen, an der Berufsschau mit einem Stand präsent zu sein. Das Projekt hat weitere positive Effekte: Interdepartementale Zusammenarbeit innerhalb der FMH, Zusammenarbeit mit und Unterstützung durch die Berner Kantonale Ärztegesellschaft und deren Mitglieder – ein grosses Dankeschön an alle Kolleginnen und Kollegen, die den Stand mitbetreuen. Weiter ist dies eine gute Gelegenheit für die MPA-Delegierten der kantonalen Ärztegesellschaften, anlässlich des MPA-Delegiertentages am 13. September den Stand zu besuchen.

Während es an den «Swiss Skills» und insbesondere an den Berufsmeisterschaften um «Hard Skills», also berufliche Fertigkeiten und Fachkompetenz geht, ist klar, dass bei der MPA EFZ, wie auch bei anderen Berufen, weitere Qualifikationen essentiell sind. Neben «Hard Skills» sind sogenannte «Soft Skills» notwendig, wohl am besten umschrieben mit Sozial- und Kommuni­kationskompetenz. Praktische Fähigkeiten benötigen zum richtigen und zweckmässigen Einsatz entsprechendes Wissen. So wird denn auch der Vollständigkeit halber von Knowledge, Skills and Abilities gesprochen. Eine gute Mischung aller drei Merkmale ist Voraussetzung für funktionierende Teams in Praxen, zufriedene Patientinnen und Patienten und den Erhalt der gemäss nationalen und internationalen Umfragen ausgezeichneten Qualität unseres Gesundheitswesens. (Ranking Lancet: Platz 3). Ziel ist eine optimale und nicht eine maximale Medizin. Eine optimale Medizin ist selbstredend auch effizient. Es zeichnet sich insofern eine Fehlentwicklung ab, dass die Effizienz zunehmend durch eine aufgeblasene Administration, insbesondere von Versicherungsseite, reduziert wird. Auch Versicherer stellen MPA ein, sie beteiligen sich aber nicht an den Ausbildungskosten. Dies im Gegensatz zu den Spitälern, von denen sich bereits einige an der Ausbildung beteiligen. Es handelt sich dabei um ein simples Gebot der Fairness. Diese Fairness kann und soll auf kantonaler Ebene durch die kantonalen Ärztegesellschaften von allen Spitalträgern eingefordert werden.

Ein weiteres wichtiges Plus für den Beruf der MPA EFZ: Seit wenigen Jahren gibt es für MPA EFZ mit dem Beruf «Medizinische Praxiskoordinator/in» (MPK) zwei Entwicklungs-Perspektiven. Für Praxen ab einer gewissen Grösse besteht ein Weiterbildungsschwerpunkt in praxisleitender Richtung. Interessant für alle Praxen ist der zweite Weiterbildungsschwerpunkt in klinischer Richtung. Dieser ist bei anderen Berufsverbänden bereits auf Akzeptanz gestossen. Im Direktionsbereich Gesundheitspolitik des BAG muss diesbezüglich noch Aufklärungsarbeit geleistet werden. Den grössten Aufwand bedarf es wohl bei den Krankenversicherern. Sie haben in den letzten Jahren mit dem Segen des BAG stetig Prämiengelder kassiert, die mehrere Milliarden über den effektiven Gesundheitskosten lagen. So betrug zum Beispiel2017 der Anstieg der Gesundheitskosten 1,7%, der Prämienanstieg hingegen lag bei 4,5%. Die Krankenversicherer, insbesondere Santésuisse, müssten sich nach Jahrzehnten der Verweigerungshaltung auch endlich etwas bewegen, um mit der Ausbildung als Medizinische Praxiskoordinatoren MPK jungen ­Berufsleuten eine Perspektive zu bieten. Nebenbei könnten sie damit Kosten sparen und die Grundversorgung, insbesondere die Hausarztmedizin, stärken, wie es die Bundesverfassung verlangt. Der zukunftsweisende neue Tarif bietet in betriebswirtschaftlicher Hinsicht die Möglichkeit, dass MPK klinischer Richtung zum Einsatz kommen können.

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