Briefe / Mitteilungen

Cavete Collegae: Rückforderung von Leistungen aus delegierter Psychotherapie

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2018.17354
Veröffentlichung: 21.11.2018
Schweiz Ärzteztg. 2018;99(47):1656

Dr. med. David Möri, Bern

lic. phil. Selina Franca Brunner, Bern

Cavete Collegae: Rückforderung von Leistungen aus delegierter Psychotherapie

In den vergangenen Wochen haben zahl­reiche Hausärzte und Psychiater von der Krankenkasse KPT Post mit Rückforderungs­ankündigungen bekommen. Die KPT fordert in ihrem Schreiben bereits bezahlte Leis­tungen aus den letzten 5 Jahren delegierter Psychotherapie zurück.

Die KPT macht geltend, die gesetzlichen Bestimmungen zur Aufsichtspflicht der Ärzte über die delegiert arbeitenden Psychologen seien nicht eingehalten worden. Hierbei besteht rechtlich ein gewisser Interpretationsspielraum, da die genauen Bedingungen der ärztlichen Aufsichtspflicht, die in jedem Einzelfall eingehalten werden müssen, im Gesetz nicht ausformuliert sind. Die KPT begründet ihr Vorgehen u.a. mit fehlenden Abrechnungsdaten persönlicher Gespräche zwischen Arzt und Patient (TARMED-Positionen 02.0010 und 02.0020). Die jetzt absehbaren juristischen Auseinandersetzungen haben nicht nur Folgen für die betroffenen Kollegen und Kolleginnen. Die KPT macht damit auch klar, dass sie nicht mehr gewillt ist, die über 20- jäh­rige Handhabung der delegierten Psychotherapie mitzutragen, und scheint eine Füh­rungsrolle bei entsprechenden Änderungen zu überneh­men.

Durch die nun entstandene Rechtsunsicherheit wird die Bereitschaft von Ärzten und Psychologen, delegiert zu arbeiten, sinken. Die ­ohnehin prekäre Situation in der Grundversorgung psychisch kranker Menschen verschlechtert sich damit zusätzlich.

Es bleibt, eine rechtliche Klärung abzuwarten, was längere Zeit dauern kann. Bis dahin kommt man als Delegierender nicht umhin, die delegiert behandelten Patienten aus Si­cherheitsüberlegungen vermehrt auch dann persönlich zu sehen, wenn die Aufsichtspflicht mittels anderer bewährter Massnahmen zwischen Psychiater und Psychologe erfüllt werden könnte. Es bleiben steigende Kosten und Verunsicherung.

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