Briefe / Mitteilungen

Mit Vollgas in die Katastrophe

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2019.18216
Veröffentlichung: 25.09.2019
Schweiz Ärzteztg. 2019;100(39):1295-1296

Dr. med. Rolf Florian Oetiker 
Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates 
Gründungsmitglied von Insight Providers Climate Change Switzerland IPCCS, 
https://www.ipccs.ch
Erstunterzeichner des Notrufes

Mit Vollgas in die Katastrophe

Der anthropogene (menschengemachte) Anstieg der Erderwärmung ist wissenschaftlich bewiesen und wird durch fossile Emissionen verursacht.

1) Hauptverantwortlich für die derart rasante Entwicklung ist der menschenverursachte CO2-Ausstoss, der zum Treibhauseffekt führt und nicht mehr bewältigt werden kann. Seit mehreren Jahren zeigt sich ein klarer Aufwärtstrend.

2) Das Abschmelzen von Gletschern und der Permafrost sind weltweit rasant fortgeschritten und auch das Meereis in der Arktis schmilzt stark ab.

3) Die markante Zunahme von Hitzeereig­nissen gefährdet unsere Bevölkerungen. Alte und kranke Menschen sind stark ­gefährdet. In vielen Ländern kam es zu ­sommerlichen Hitzetoten.

4) Das Risiko von Hochwassern und Überschwemmungen und massive Schäden durch schwere Unwetter in der Schweiz nehmen zu und kosten uns zusätzliche Milliarden.

5) Der Meeresspiegel steigt an. Es wird zu Überflutungen in küstennahen Gebieten, Sturmfluten und unbewohnbaren Küstenregionen kommen. Folge: Bevölkerungsmigration in einem nie dagewesenen Ausmass.

6) Die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels werden fatal werden und unser Gesundheitswesen finanziell vernichten: hitzebedingte Erkrankungen, Todesfälle, Herzversagen, psychische Erkrankungen, Fehlernährung, Durchfallerkrankungen, Infektionskrankheiten, Zunahme von Allergien und Asthma, Zunahme von Todesfällen und Verletzungen durch Extrem­wettersituationen.

7) Der Countdown läuft. Die Zeit rennt uns davon. Es verbleibt ein letztes Fenster bis maximal 2050, so wird die Erdtemperatur um 3° C steigen! Je schneller korrigiert wird, desto kostengünstiger wird es uns kommen. Falls bis 2030 machbar, wird eine Steigerung bis 1,5 °C erwartet, eine bessere Alternative.

Lösungen kommen nur, wenn wir die Ver­antwortung für unsere nachfolgenden Generationen aktiv wahrnehmen! Dazu gehören Massnahmen wie effiziente Gebäudetechnik, Wärmeproduktion ohne CO2, CO2-freie Mobilität, nachhaltige Stromproduktion, Power-to-Gas, Kreislaufwirtschaft und Carbon Pricing (CO2-Lenkungsabgabe auf alle Brenn- und Treibstoffe). Die Schweiz zahlt für die fossilen Energieträger aus dem Ausland 15 Milliarden Franken (100%ige Ausland-Abhängigkeit!). Das kann eingespart werden für den Umbau in eine nachhaltige Schweiz. Der Bericht des BFE 2018, dass 9,5 Millionen Tonnen Erdölprodukte schweizweit importiert und verbrannt wurden: Daraus entstanden 30 Millionen Tonnen CO2 in der Schweiz! Diese unsinnig grosse Menge CO2 muss bis allerspätestens 2050, besser jedoch bis 2030 auf NULL reduziert werden.

Die Faktenlage ist erdrückend. Wir haben eine kollektive, differenzierte Verantwortung wahrzunehmen. Die entscheidende Frage ist: Was kostet es, wenn wir NICHTS unternehmen?

Es ist eine Frage der Zeit, bis die Kosten der Umwelt-, Personen- und Folgeschäden die­jenigen für deren Vermeidung massiv übersteigen. Prävention ist ein ökonomisch sinnvolles Prinzip, bedingt aber Weitsicht und Vorinvestition und politischen Willen.

Die Klimajugend hat diese Bedrohung instinktiv verspürt und kämpft zu Recht für IHRE Zukunft. Nachfolgende Generationen werden für dieses Engagement dankbar sein und es liegt heute und jetzt in unserer/Ihrer Ver­antwortung, zu handeln und die richtigen Weichen zu stellen.

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