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Briefe / Mitteilungen

Exklusiv? Grundfalsch! (mit Replik)

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2019.18281
Veröffentlichung: 16.10.2019
Schweiz Ärzteztg. 2019;100(42):1388

Dr. med. Ulrich Nägeli, Bilten GL

Exklusiv? Grundfalsch!

Habe ich schlecht geträumt? Darf ich meinen Augen nicht mehr trauen oder ist es wahr? Der Nummer 37 unseres Standesorgans liegt ein dicker Prospekt bei: Exklusive Traum-Kreuzfahrten!

Ich bin es ja gewohnt, in fast jedem Heftchen solche Prospekte zu finden. Die ganzseitigen Inserate in unserer regionalen Zeitung, auch schon einmal neben einem besorgten Artikel über die Entwicklung des Klimas, ignoriere ich mittlerweile. Dass nun aber unser Standesorgan mir solche Post mit ins Haus liefert, finde ich ziemlich daneben. Viele von uns machen sich Sorgen über unseren gefährlichen Umgang mit der fossilen Energie, etliche ­engagieren sich persönlich. Die Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz gehören zu den ersten, welche gefährliche Entwicklungen vor drei Jahrzehnten erkannt haben und sich damit auseinandersetzen. Ich missgönne niemandem eine Kreuzfahrt. Reisen scheint ein urmenschliches Bedürfnis zu sein. Die meisten von uns haben noch einen zu grossen Fussabdruck. Wir müssen uns aber wirklich überlegen, wie wir unser Verhalten ändern können, wo wir Einspar-Möglichkeiten haben, wie wir aus dieser Spirale ausbrechen können. Da gehört auch das Reiseverhalten dazu, und nun gaukelt mir die SÄZ mit einem solchen Prospekt die sorgenlose heile Welt vor. Da wehre ich mich dagegen.

Ein weiterer Punkt stört mich. Der Prospekt spielt mit einem alten Klischee: Exklusiv – ja die Ärzte können sich das halt leisten und sich darüber hinwegsetzen, dass auch sie in der Pflicht sein könnten.

Ich weiss es ja: Unser Publikationsorgan ist eben auch auf Werbeeinnahmen angewiesen, sonst könnte es nie zu einem vernünftigen Preis erscheinen. Pecunia non olet. Kreuzfahrten-Kolosse halt schon. Ist die Werbe­einnahme Legitimation genug, darüber grosszügig hinwegzuschauen? Ich meine, hier ist eine Grenze überschritten worden. Muss ich in der nächsten Ausgabe vielleicht auch wieder eine Tabakwerbung erwarten oder einen 36-seitigen Spirituosen-Katalog?

Replik auf ­«Exklusiv? Grundfalsch!»

Die Ärztekammer beschloss 2016, die Sockelbeiträge für die Schweizerische Ärztezeitung und das Swiss Medical Forum zu streichen. Beide Zeitschriften müssen somit vollumfänglich über Werbeeinnahmen finanziert werden. Seit Beginn dieses Jahres erhalten sämtliche FMH-MitgliederInnen die SÄZ und das SMF nicht «zu einem vernünftigen Preis», sondern kostenlos.

Matthias Scholer, Chefredaktor SÄZ und Mitglied der Geschäftsleitung EMH

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