FMH

Tarifdelegierten-Tag der FMH vom 24. Oktober 2019

TARDOC eingereicht! – Wie geht es weiter?

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2019.18447
Veröffentlichung: 04.12.2019
Schweiz Ärzteztg. 2019;100(49):1653-1656

Patrick Müllera, Thomas Kesslerb, Christian Oeschgerb, Kerstin Schutzc, Sabine Zehnderc

a FMH, Abteilungsleiter, Abteilung Ambulante Versorgung und Tarife;
b FMH, Experte, Abteilung Ambulante Versorgung und Tarife;
c FMH, Expertin, Abteilung Ambulante Versorgung und Tarife

Am 24. Oktober 2019 fand in Bern unter dem Titel «TARDOC eingereicht! Wie geht es weiter?» der zweite Tarifdelegierten-Tag der FMH dieses Jahres statt. An dieser Veranstaltung nahmen wiederum gegen 100 interessierte Tarifdelegierte der ­Fachgesellschaften und der kantonalen Ärztegesellschaften teil. Als Gastreferent durften wir Herr Dr. Markus Trutmann, Generalsekretär der FMCH, begrüssen, ­welcher zum Thema «Ambulante Pauschalen» referierte.

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Wiederum nahmen über 100 interessierte Tarifdelegierte der Fachgesellschaften und der kantonalen Ärztegesellschaften am Tarifdelegierten-Tag teil.

Begrüssung und politische Aspekte

Dr. med. Urs Stoffel, Mitglied des Zentralvorstandes der FMH, begrüsst die Anwesenden und gibt einen Überblick über die heutigen Referate. Nun liegt seit Jahren erstmals ein innerhalb der Ärzteschaft mehrheitsfähiger ambulanter Tarif in Form des TARDOC vor. Der Tarif TARDOC inklusive weiterer Dokumente wurde dem Bundesrat am 12. Juli 2019 zur Genehmigung eingereicht. Mit Ausnahme der unterschied­lichen Konzepte zur Erfüllung der Kostenneutralität haben die FMH und die curafutura alle anderen Do­kumente gemeinsam beim Bundesrat eingereicht. U. Stoffel informiert über die kostenneutrale Überführung des Tarifs TARMED in den Tarif TARDOC. Für die Genehmigung der Tarifstruktur ist der Bund, für die Festsetzung der Taxpunkwerte sind die Kantone zuständig. Dabei gilt es, Artikel 59c KVV zu berücksichtigen: Es dürfen bei der Einführung des Tarifs TARDOC keine Mehrkosten anfallen (weitere Details dazu siehe im Abschnitt «Kostenneutrale Überführung in den TARDOC»).

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Dr. med. Urs Stoffel begrüsst die Anwesenden und referiert über politische Aspekte.

Starterkit für Tarifdelegierte der Ärzteorganisationen

Patrick Müller, Abteilungsleiter, Abteilung Ambulante Versorgung und Tarife, informiert über das neue ­Starterkit für Tarifdelegierte. Die Tarifdelegierten der Fachgesellschaften, Dachverbände und kantonalen Ärztegesellschaften sind die Bindeglieder zwischen der Abteilung Ambulante Versorgung und Tarife der FMH und den Ärzteorganisationen sowie deren Mitglieder. Das tarifspezifische Know-how ist von Natur aus sehr komplex und umfassend. Eine Einarbeitung in diese Thematiken dauert erfahrungsgemäss einige Zeit, bis das Wissen gefestigt ist. Damit braucht eine Einarbeitung und Einführung neuer Tarifdelegierter viel Zeit und Wissenstransfer. Damit dieser Wissens­transfer für neue Tarifdelegierte rasch und mit einer kompakten Übersicht geschehen kann, hat die Abteilung Ambulante Versorgung und Tarife ein «Starterkit für Tarifdelegierte» erstellt, welches erlauben soll, sich in kurzer Zeit einen umfassenden Überblick über die wichtigsten Funktionen, Wissen, Aufbau von Tarifstrukturen, Tarifverträge und tarifspezifische Dienstleistungen der FMH zu schaffen. Das Starterkit wird, laufend aktualisiert, auf myFMH abgelegt und jährlich mit einem Informationsmail betreffend Aktualisierung an die Tarifdelegierten als Link ver­sendet.

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Patrick Müller informiert über das Starterkit 
für Tarif­delegierte.

Der neue TARDOC – weiteres Vorgehen und Ausblick

Kerstin Schutz, Sabine Zehnder und Christian Oeschger informieren zu den weiteren Arbeiten im Rahmen des Projekts «TARDOC». Zukünftig soll TARDOC jährlic­h ­revidiert und wo nötig überarbeitet werden. Dazu er­arbeitet die FMH mit den Tarifpartnern curafutura und MTK die Grundlagen für den zukünftigen Re­visions­prozess innerhalb der ats-tms AG. In diesem Zusammenhang ist es aber auch wichtig, dass ­FMH-intern geklärt wird, welche Fachgesellschaften, Schwerpunkte und Fähigkeitsausweise für welche TARDOC-Kapitel im angedachten Revisionsprozess zuständig sein werden und welche Themen über­geordnet vom TARDOC-Cockpit bearbeitet werden sollen. Christian Oeschger stellt dazu die erarbeiteten Grundlagen vor.

Im Anschluss daran referiert Kerstin Schutz über die geplanten Schulungen zum TARDOC. Die Abteilung Ambulante Tarife und Versorgung hat dazu bei ihren Mitgliedern eine Bedarfsabklärung durchgeführt. ­Dabei fällt auf, dass die Schulungen bzw. die Informa­tionsbeschaffung für viele Mitglieder orts- und zei­t­unabhängig erfolgen sollte. Die FMH trägt dieser Forderung Rechnung, indem sie den Fokus vermehrt auf die «Hilfe zur Selbsthilfe» legt. So soll unter anderem mit der Ärztekasse ein erweiterter TARDOC-Browser mit vielen zusätzlichen Informationen zur Verfügung gestellt werden sowie ein Online-Abrechnungsinstrument (eTARDOC) zum Üben. Zusammen mit HIN plant die FMH zudem ein E-Learning-Tool, das zukünftig auch als Nachschlagewerk (TARDOC-Wiki) dienen soll.

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Christian Oeschger referiert über den neuen TARDOC 
inkl. weiteres Vorgehen und ­Ausblick.

Ärztinnen und Ärzte, die ihre ambulanten Leistungen zu Lasten der Sozialversicherungen mit dem TARMED abrechnen, benötigen dafür eine bestimmte quali­tative Dignität. Damit ist die fachliche Qualifikation gemeint, konkret die in der Weiterbildungsordnung geregelten Facharzttitel, Schwerpunkte und Fähigkeitsausweise. Bereits vor der Jahrtausendwende tätige Ärzte können zudem Besitzstand auf zusätzlichen Tarifpositionen haben. Unter gewissen Voraussetzungen kann auch im TARDOC Besitzstand beantragt werden. Künftig werden diese Informationen zu Besitzstandspositionen von der ats-tms AG verwaltet. Der Besitzstand wird auch künftig eigenverantwortlich alle drei Jahre revalidiert werden müssen. Frau Zehnder informiert dabei über die Details. Zu einer Änderung kommt es auch bei den Sparten. Neu müssen Ärztinnen und Ärzte, die über TARDOC abrechnen, sämtliche Sparten, in denen sie Leistungen abrechnen werden, gegenüber der ats-tms AG deklarieren. Zusätzlich wird in wenigen ausgewählten Sparten ein sogenanntes Spartenanerkennungs-Verfahren durchgeführt. Die FMH wird ihre Mitglieder rechtzeitig zur Deklaration der Besitzstandspositionen sowie der Sparten aufrufen.

Kostenneutrale Überführung in den TARDOC

Vielfach diskutiert wurden in den vergangenen Wochen die unterschiedlichen Ideen der FMH und von curafutura, wenn es darum geht, wie die eingereichte Tarifstruktur TARDOC kostenneutral eingeführt werden könnte. Aus Sicht der FMH soll dies mittels einer so­genannten Kostenneutralitätsphase passieren, wie es viele Ärztinnen und Ärzte bereits von der Einführung von TARMED kennen. Die beiden Referenten stellen die Ideen der FMH dazu vor: Aus Sicht der Experten soll die Tarifstruktur dabei – anders als beim Vorschlag von curafutura – unangetastet bleiben. Die betriebswirtschaftlich berechneten Taxpunkte sollen demnach weiterhin einem Franken entsprechen. Dies ermöglicht auch in Zukunft eine einfache Pflege und Weiterentwicklung der Tarifstruktur. Der zu erwartende Kostenanstieg durch die Einführung des TARDOC soll gemäss der Idee der FMH über den kantonalen Taxpunktwert korrigiert werden. Zur Einführung von TARDOC werden die Taxpunktwerte mittels eines zuvor berechneten Korrekturfaktors so weit gesenkt, dass – ceteris ­paribus – das Taxpunktvolumen 2021 durch den Modellwechsel nicht über jenes von 2020 ansteigt.

Gemessen wird die Kostenentwicklung während der Kostenneutralitätsphase 2021 dann aber nicht am Taxpunkt­volumen, sondern an den sogenannten ­TARMED-Kosten pro Erkrankten. Steigen diese Kosten nach Einführung von TARDOC über einen bestimmten Sollwert hinaus an, soll im entsprechenden Kanton über einen tieferen Taxpunktwert Gegensteuer gegeben werden. Die FMH erhofft sich, mit diesem Vorgehen Nachfrageverschiebungen wie etwa eine verstärkte Grippewelle oder den medizinischen Fortschritt, welche nichts mit dem Modellwechsel zu tun haben, ­abfangen bzw. eruieren zu können.

Ein Grobkonzept dazu hat die FMH dem Bundesrat bereits eingereicht. Details dazu finden Sie in einem Artikel zum Thema in der Schweizerischen Ärztezeitung vom 31. Juli 2019.

Ambulante Pauschalen

Dr. med. Markus Trutmann, Generalsekretär der FMCH, referiert über die ambulanten Pauschalen der FMCH-santésuisse. Er zeigt die Zielsetzungen des Projektes wie zum Beispiel einen gesetzeskonformen und kosten­deckenden Tarif unter Vereinfachung des adminis­trativen Aufwandes auf. Im Anschluss informiert M. Trutmann über die Projektorganisation und die weiteren Etappen bis zur Genehmigung der ambulanten Pauschalen. Zukünftig sollen die ambulanten Pauschalen durch das Nationale Tarifbüro (Massnahmenpaket 1) erarbeitet und verhandelt werden. Ergänzend dazu berichtet er über den Stand der Arbeiten rund um die Tarifierung der ambulanten Pauschalen mit den Fachgesellschaften. Danach zeigt M. Trutmann die ­Erhebung der Kostendaten (Personalkosten, Infrastrukturkosten und Sachkosten) zur Kalkulation der ambulanten Pauschalen auf und referiert an­schlies­send über die Vertragsarchitektur und die politischen Dimensionen im Bereich der ambulanten Pauschalen sowie darüber, welche Lehren man aus den bisherigen ­Erfahrungen gezogen hat.

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Dr. med. Markus Trutmann referiert zum Thema 
Ambulante Pauschalen.

Monitoring zum zweiten Tarifeingriff und Information internes Monitoring

Themen rund um die Anwendung, Beratung, Abrechnung und Aktualisierung ambulanter Tarife fallen in den Tätigkeitsbereich des Departementes Ambulante Versorgung und Tarife. Bei Fragestellungen in diesen Bereichen gewinnen die Analyse, Interpretation und Kontextualisierung von Abrechnungsdaten weiter an Bedeutung. Die Ärzteschaft verfügt über eine exzellente und umfassende Datensammlung. Es ist von zentra­ler Bedeutung, diese Daten kontinuierlich mit moder­nen Mitteln zu analysieren sowie durch die detaillierte Tarifkenntnis zu kontextualisieren, und zwar aus Leistungserbringersicht. Diese Sicht auf Volumenentwicklungen entspricht in der Regel nicht der­jenigen der Versicherer. Diese inhärente Sicht auf tarifarische Entwicklungen müssen wir kommunizieren können. Die Idee und der Aufbau des FMH-internen Monitorings für ambulante Tarife startete bereits im Sommer 2016. Mit dem Tarifeingriff des Bundesrates und dem dazu verordneten Monitoring konnte das ­Departement viel Know-how aufbauen. Das Projekt zum Aufbau des FMH-internen Monitorings ist in­zwischen abgeschlossen. Aktuell arbeitet das Departement an verschiedenen Standardauswertungen und Visualisierungen sowie an internen Prozessen für die Monitoringarbeiten.

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Kerstin Schutz und Sabine Zehnder referieren über das Monitoring zum zweiten Tarifeingriff und Information internes ­Monitoring.

Verabschiedung und Varia

Im Rahmen der Verabschiedung bedankt sich U. Stoffel bei allen Teilnehmern des Tarifdelegierten-Tages der FMH für ihr Kommen und die aktive Teilnahme. U. Stoffel spricht seinen Dank für ihre grosse Mithilfe und Mitwirkung an der Revision des ambulanten Tarifs und den eingesetzten Arbeitsgruppen aus und bedankt sich bei seinem Team des Departementes und den Partnern, insbesondere der Ärztekasse und NewIndex AG, für die grossartige Unterstützung.

Folien

Alle Unterlagen sowie die Gesamtpräsentation finden Sie auf der Website der FMH: www.fmh.ch → TARMED → Tarifdelegierten-Tag

Nächster Termin

Der nächste Tarifdelegierten-Tag findet Donnerstag, 30. April 2020 (ganztags), im Hotel Bern in Bern statt. Bitte reservieren Sie sich den ­Termin!

Credits

FMH / Abteilung Ambulante Versorgung und Tarife

Korrespondenzadresse

FMH, Abteilung Ambulante Versorgung und Tarife
Baslerstrasse 47
CH-4600 Olten
Tel. 031 359 12 30
Fax 031 359 12 38
tarife.ambulant[at]fmh.ch

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