Horizonte

Buchbesprechungen

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2020.18651
Veröffentlichung: 03.06.2020
Schweiz Ärzteztg. 2020;101(2324):776-777

Défis de familles. 16 histoires de thérapie systémique

Nahum Frenck, ­

Jon Schmidt

Le Mont-sur-Lausanne: Editions LEP Loisirs et ­Pédagogie, 2019

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Littérature spécialisée

Nahum Frenck, pédiatre, et Jon Schmidt, psychologue, sont tous deux thérapeutes de famille. Ils publient un ouvrage sur leurs philosophie et manières de travailler, présentant seize histoires tirées de leur pratique. Ces ­«tableaux» illustrent la palette des difficultés pouvant agiter la vie familiale.

Dans l’approche systémique, la famille est vue comme un ensemble d’éléments reliés les uns aux autres, tel un mobile: toucher une des pièces fait inévitablement bouger la structure entière, mais celle-ci revient toujours à l’équilibre.

Pléthore de situations, parfois des «syndromes», font l’objet d’une narration: l’enfant roi, celui à haut potentiel ou hyperactif, le patient désigné, l’adolescent en quête d’identité, l’enfant adultifié, parentifié, ou à l’inverse l’adulescent qui désigne l’adulte ne voulant pas se comporter comme tel («effet Peter Pan»).

L’ouvrage aborde les tensions au sein du couple, les ruptures, les familles recomposées et l’adoption, mais aussi les relations avec les grands-parents, dont les difficultés liées à un modèle patriarcal et aux origines culturelles différentes. Les auteurs parlent du «grand livre» de la comptabilité familiale pour évoquer les contentieux non réglés depuis l’enfance, un enjeu important.

Défis de familles est vivant, bien écrit et se réfère à des concepts thérapeutiques pertinents. Il constitue une stimulante exposition des préoccupations rencontrées aujourd’hui en famille – dont certaines ne datent pas d’hier. Ce livre sera profitable et procurera du plaisir à toute personne qui vit ou a vécu des moments difficiles, parfois déchirants, en famille mais aussi à celles et ceux dont la vie ressemble plutôt à un fleuve tranquille.

Dr méd. Jean Martin, membre de la rédaction

jean.martin[at]saez.ch

Die verlorene Hälfte der Medizin. Das Meikirch-Modell als Vision für ein menschengerechtes Gesundheitswesen

Johannes Bircher

Berlin: Springer, 2019

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Sachbuch

Im Herbst 2019 veröffentlichte Prof. Dr. med. em. Johannes Bircher ein gesundheitspolitisch interessantes Buch, welches ebenso präzise die Probleme der modernen Medizin ­beschreibt wie es mögliche Lösungsansätze vorschlägt. Prof. Bircher fordert ein kom­plettes Umdenken, was die motivationalen Treiber im Gesundheitswesen anbelangt. Das ­sogenannte «Meikirch-Modell» thematisiert Gesundheit im Hinblick auf individuelle, gesellschaftliche, politische, wirtschaftliche aber auch umweltbedingte Determinanten. Innovativ an diesem gesundheitsmedizinischen Paradigma ist die Betonung der Schulung der Gesundheitskompetenz in der Gesellschaft. Bircher fordert ein Umdenken, das bereits auf der Unter- und Mittelstufe in der Schule zu implementieren wäre. Radikal und innovativ ist auch die Absage an die bisherige Top-down-Struktur als einzig gültiges Organisationsprinzip im Gesundheitswesen.

Prof. Bircher hat an dieser Vision der Weiterentwicklung eines menschengerechteren Gesundheitswesens zwei Jahrzehnte gearbeitet. Vielleicht ist die heutige Leserschaft, welche eher systemorientiert und ökologisch denkt, bereit, sich mit diesen allgemeingültigen ­Fragen im Gesundheitswesen auseinanderzusetzen. Das Buch ist verständlich und unterhaltsam geschrieben, sodass es sich auch für nicht medizinische Fachleute durchaus gewinnbringend lesen lässt.

PD Dr. med. Niklaus Egloff,

Inselspital Bern

niklaus.egloff[at]insel.ch

Ein Bruder lebenslänglich. Vom Leben mit einem behinderten Geschwister

Margrith Lin

Zürich: Limmat, 2020

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Sachbuch

«Mach’ dass er brav studiert. Belohn damit sein Streben, dass einst berühmt er wird» Diesem Gruss zur Geburt des vierten Kindes war ein Bild mit dem Titel ‘Huldigung’ beigefügt, in der Mitte ein gut genährtes Baby, umrahmt von drei Schwestern. Die Freude war gross, als nach den drei ein Stammhalter ankam. Die Autorin dieses berührenden Buches ist die jüngste der drei Mädchen. Dann schlug das Schicksal unbarmherzig zu. Als ihr Bruder zweijährig war, erkrankte er an einer tuberkulösen Meningitis.

Was blieb, ist eine geistige Behinderung, die man heute gerne als kognitive Beeinträchtigung verniedlicht. Deutlich wird aus der ­Lebensgeschichte der Autorin, wie sehr diese mit jener des Bruders verwoben ist. Die Sorge um ihn zieht sich wie ein roter Faden durch ihr und ihrer Schwestern Leben. Richtig schwierig wird es, als der Bruder in die Psychiatrie eingewiesen wird, weil Angestellte ­eines Heims mit seinem Verhalten nicht umgehen können, und unfassbar, als er von dort in eine Demenzabteilung verlegt wird. Der Kampf der Schwestern für das richtige Zuhause für den Bruder wird Jahre dauern.

Der Titel des Buches zeigt, dass Geschwister einer behinderten Person lebenslang eine Verantwortung tragen, die sie nicht gesucht haben. Die Filmemacherin Romana Lanfranconi hat die Autorin bei der Entstehung ihres Buches begleitet. Der Film wird Ende 2020 auf SRF 1 ausgestrahlt.

Erica Brühlmann-Jecklin, Psychotherapeutin und Schriftstellerin, Schlieren

ebj[at]hispeed.ch

Dr. med. Rolf ­Diethelm. ­Erinnerungen im Wandel

Dr. med. Rolf Diethelm

Altdorf: Gisler 1843, 2020

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Memoiren

Buschdoktor. Hausarzt. Kantonsarzt. Kunst- und Musikfreund. Publizist. Was Dr. med. Rolf Diethelm geleistet hat, ist eindrücklich. Was er erlebt und aufgeschrieben hat, ist eigentlich unbeschreiblich und daher so lesenswert. Er führte Statistik über seine Tätigkeit als Chirurg, als Arzt in Afrika, als Hausarzt und Kantonsarzt in Uri, verfasste Tagebücher. Er publizierte über 160 Beiträge und Fachartikel als Mediziner, als Reisender, als Geschichtsinteressierter, als Kunst- und Musikfreund. Fast 2000 Seiten hat er niedergeschrieben.

Rolf Diethelm kennt die Medizin vom Kamillentee bis zu Dr. Google, publizierte über das höhere Lebensalter in der Höhe, Neonröhren und Hautkrebs, weiss von Überlegungen eines Bergkinderheims im Urnerland, schlug ein ­Radio St. Gotthard vor, erinnert sich an Grossvater Bossi, Chur und Bischof Johannes Vonderach, war Vertrauensarzt des Bildhauers ­Gedeon Renner, begegnete Pablo Picasso, engagierte sich an der Mittelschule Uri oder für das Kantonsspital Uri. Und Hausarzt zu sein, das war für ihn eine Herzensangelegenheit.

Aus seinen Erinnerungen entstand ein Lesebuch zu seinem 92. Geburtstag. Es greift ­einige Themen auf, fasst Notizen zusammen und weckt Erinnerungen. Seine Texte als Mediziner, Arzt und Urner machen uns einiges deutlich. Einige Geschichten sind eingeholt worden von der Aktualität, andere haben Wert für die Gegenwart und Zukunft.

Erich Herger, Geschäftsleitung Gisler 1843, Altdorf

text[at]bftext.ch

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