Briefe / Mitteilungen

Ärztliche Rollenbilder von gestern?

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2020.18763
Veröffentlichung: 18.03.2020
Schweiz Ärzteztg. 2020;101(12):419

Dr. med. Monika Diethelm-Knoepfel, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Uzwil

Ärztliche Rollenbilder von gestern?

Brief zu: Schreier M. Die Erreichbarkeit des Hausarztes. Schweiz Ärzteztg. 2020;101(10):330.

Herr Kollege Schreier befasst sich in seinem Leserbrief mit der Erreichbarkeit der Hausärzte, gewiss ein wichtiges Thema. Er beschreibt, dass 1974 in Kriegstetten SO alle Hausärzte Männer waren, alle verheiratet. Zum Thema reduziertes Arbeitspensum erwähnt er, dass Ärztinnen mit einem Teilzeitjob Familie und Beruf leichter unter einen Hut bringen und männliche Kollegen sich vermehrt ihrer Familie und ihren Hobbys widmen können.

Diese Rollenbilder von Ärzten sind meines ­Erachtens längst nicht mehr zeitgemäss, denn sie gehen davon aus, dass Frauen mit Familie grundsätzlich Teilzeit arbeiten, Männer mit Familie aber nicht. Dabei ist heute bekannt, dass eine aktive Rolle des Vaters in der Familie für Kinder genauso wichtig ist wie das Engagement der Mütter. Es ist höchste Zeit, dass wir ÄrztInnen aufhören, veraltete Rollenbilder für normal zu halten.

Und Patienten und Patientinnen sollten auch beim Hausarzt zwischen Ärztinnen und ­Ärzten wählen können. In vielen Teilen der Schweiz findet eine Frau heute ohne grössere Probleme eine Gynäkologin, aber es sollte auch möglich sein, eine Hausärztin oder Psych­iaterin zu finden. Bei den meisten Konsultationen geht es um persönliche, zum Teil sehr private Probleme, und da kann es eine Rolle spielen, ob man als Patientin einem Mann oder einer Frau gegenübersitzt.

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