Tribüne

Seit Anfang 2020 hat EMH einen eigenen Podcast

«In der Schweiz sind wir quasi ­Pioniere»

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2020.18819
Veröffentlichung: 06.05.2020
Schweiz Ärzteztg. 2020;101(1920):656-657

Julia Rippstein

Redaktorin Print Online

Seit Anfang Jahr produziert der Schweizerische Ärzteverlag EMH den Podcast «EMH Journal Club» – einer der ersten Medizinpodcasts hierzulande. Dr. med. Nadja Pecinska, Managing Editorin von Primary and Hospital Care, erklärt, wie sie das Projekt von A bis Z auf die Beine gestellt hat.

Nadja Pecinska, wie ist die Idee zu diesem Podcast entstanden?

Ich höre selbst viele Podcasts, da ich häufig mit den ÖV unterwegs bin. Für mich ist es ein angenehmer und praktischer Weg, informiert zu bleiben. Ich habe mir gedacht: Wieso können wir, der EMH Verlag, nicht auch einen eigenen Podcast produzieren? Die Idee habe ich der Geschäftsleitung vorgestellt – praktisch gleichzeitig wie Professor Dr. Reto Krapf, der Autor der Rubrik «Kurz und bündig» vom Swiss Medical Forum: Ein schöner Zufall! Unsere Idee kam gut an, und wir konnten mit dem «EMH Journal Club» loslegen. Ich gehe von der Rubrik «Kurz und bündig» aus und schreibe die Texte dann jeweils so um, damit sie «hörbar» werden.

Podcasts werden immer beliebter – fast jedes Medium produziert zurzeit einen Podcast. Wie sieht es in der wissenschaftlichen Presse aus?

Im englischsprachigen Raum hat fast jedes Journal ­seinen eigenen Podcast oder sogar mehrere. Im deutschsprachigen Raum sieht das ein wenig anders aus. Meines Wissens sind wir einer der ersten Medizinverlage in der Schweiz, die einen Podcast produzieren. Wir stecken da noch in den Kinderschuhen! Aber dieses Gefühl – Pioniere zu sein – ist schön.

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Sie hat viel Energie in das Podcast-Projekt gesteckt: Nadja Pecinska bei der Aufnahme, zur Zeit wegen des Corona-Virus im Home office – auch das geht!

Wie sind Sie vorgegangen, um das Projekt zu ver­wirklichen? Was waren die Herausforderungen?

Ich habe zunächst viel recherchiert, einen Workshop besucht und dann Leute zusammengesucht. Beispielsweise habe ich einen Musiker beauftragt, Martin Gantenbein, den Jingle zu komponieren. Ich wollte auch mehrere Stimmen im Podcast haben, damit es nicht zu eintönig und monoton klingt, darum habe ich den Sprecher und Schauspieler Christian Heller engagiert, jeweils die Studien-Facts zu sprechen. Reto Krapf kommentiert dann jeweils die Studien. Ich selber moderiere den Podcast. Auch wenn ich dank eines Regie- und Schnittkurses an einer Filmschule in London schon ein Basiswissen hatte, musste ich noch viel lernen: Wie kommt der Podcast auf die verschiedenen Plattformen und Apps? Mit welcher Technik soll man aufnehmen? Mit welchem Programm schneiden? Alles in allem habe ich sehr viel recherchiert und mich weitergebildet. Der Aufwand hat sich aber schlussendlich definitiv gelohnt.

Der Podcast fasst aktuelle Studien ­zusammen. Wie macht man einen ­schriftlichen Wissenschaftstext attraktiv für Hörerinnen und Hörer?

Es ist gar nicht so einfach. Die Texte aus dem «Kurz und bündig» erhalte ich, wie sie dann im Swiss Medical Forum erscheinen. Ich muss sie also wie schon erwähnt umschreiben, damit sie zum Zuhören angenehm ­werden. Das ist eine grosse Herausforderung, da die Texte ja eben «kurz und bündig» zusammengefasst sind. Also viel Information auf wenig Raum – zum ­Zuhören nicht immer ideal, das ist mir bewusst, denn im Podcast sollte man möglichst frei und natürlich sprechen. Die verschiedenen Stimmen sollen Abwechslung bringen. Wenn ich merke, dass eine Studie sich nicht zum Hören eignet, weil sie zum Beispiel viel zu kompliziert ist oder eine Menge Zahlen enthält, lasse ich sie weg. Die jeweiligen Literaturangaben werden nicht zitiert, sondern können online abgerufen werden.

Welche erste Bilanz ziehen Sie vier Monate nach der Lancierung des Podcast?

Auch wenn das Produkt noch immer verbessert werden kann, bin ich schon sehr zufrieden mit dem Resultat. Ich habe viel positives Feedback bekommen. Wir haben bislang neun Folgen produziert und live geschaltet auf emh.ch/podcast. Viele Ärztinnen und Ärzte oder sonst Interessierte sind vom Konzept begeistert, weil sie so Zeit gewinnen oder sie besser nutzen können, zum Beispiel im Auto oder im Zug auf dem Weg zur Arbeit.

Möchten Sie nur die Ärzteschaft ­erreichen oder könnten Sie sich vorstellen, ein breiteres Publikum anzusprechen?

Durch die Inserate in allen EMH-Zeitschriften wurden direkt Ärztinnen und Ärzte angesprochen – sie bilden unser Hauptpublikum. Mein Wunsch für die Zukunft ist jedoch, weitere Podcasts zu anderen Themen zu produzieren, zum Beispiel praxisrelevante und gesundheitspolitische Inhalte, die nicht nur die Ärzteschaft interessieren könnten. Das können wir aber erst in Angriff nehmen, wenn der jetzige Podcast sich weiter positiv entwickelt und wir genug Hörerinnen und Hörer erreichen. Ein anderes Ziel ist, auch etwas für die Westschweiz zu produzieren, indem wir eine französische Version auf die Beine stellen. Ich hoffe sehr, dass wir das bald realisieren können.

Das Wichtigste in Kürze

• Der erste Podcast «EMH Journal Club» ist am 8. Januar 2020 erschienen.

• Zu finden sind alle Podcasts online oder in Ihrer Podcast-App unter «EMH Journal Club». Alle zwei Wochen wird ein neuer Podcast veröffentlicht. Mehr Infos: https://emh.ch/­de/podcast

• Im «EMH Journal Club» werden aktuelle Studien aus internationalen Journals zusammengefasst und kommentiert. Der Podcast basiert auf den Beiträgen der Rubrik «Kurz und bündig» der Zeitschrift Swiss Medical Forum, verfasst von Professor Dr. Reto Krapf.

L’essentiel en bref

• Le premier podcast «EMH Journal Club» a été diffusé le 8 janvier 2020.

• Tous les podcasts sont disponibles sur le site des EMH ou toute application de podcast sous «EMH Journal Club». Un nouvel épisode est mis en ligne toutes les deux semaines. Plus d’infos: https://emh.ch/fr/podcast

• Dans le «EMH Journal Club» sont résumées et commentées des études actuelles de revues internationales. Le contenu du podcast se base sur la rubrique «Sans détour», du Forum médical suisse, édité par les EMH, dont les textes sont écrits par le Professeur Dr Reto Krapf.

Credits

Nadja Pecinska

Korrespondenzadresse

julia.rippstein[at]emh.ch

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