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In memoriam Roland Keller (1938–2020)

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2020.18883
Veröffentlichung: 06.05.2020
Schweiz Ärzteztg. 2020;101(1920):630

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Mit dem Tod von Roland Keller ­trauern wir um einen Wegbereiter der modernen Pneumologie in der Schweiz. Roland Keller hat diese zentrale klinische Disziplin zusammen mit Heinrich Herzog mitbegründet und ihr zu ihrem gebührenden Stellenwert als Fachgebiet verholfen.

Geboren 1938 in Zürich, durchlief Roland Keller die dortige Schule und studierte an der Universität Zürich Medizin. Er lernte die traditionelle Lungenheilkunde während seines ersten Weiterbildungsjahres in der Klinik Altein in Arosa kennen. Seine internistische und pneumo­logische Weiterbildung erhielt er unter F. Koller und H. Herzog am Kantonsspital Basel; seine pneumologischen Kenntnisse erweiterte er am Klinikum Steglitz und an der renommierten Lungenklinik Heckeshorn in Berlin. 1971 kehrte er als Oberarzt in die Abteilung für Atemwegserkrankungen am Kantonsspital Basel zurück und intensivierte seine mannigfaltige Forschungstätigkeit. Auf deren Grundlage erwarb er 1976 mit der Habilitationsschrift «Die mechanischen Eigenschaften der Atemwege» die Venia Legendi. Sein Interesse galt der Erforschung des ARDS und neuer ­Beatmungstechniken, bei denen ihm sein profundes pathophysiologisches Wissen zugutekam. Roland Keller führte zusammen mit seinem Lehrer H. Herzog diverse heutzutage geläufige Untersuchungstechniken in die Pneumologie ein. Speziell erwähnt seien: die flexible Fiberbronchoskopie, welche die starre Bronchoskopie in den meisten Indikationen abgelöst hat, sowie die moderne Lungenfunktionsdia­gnostik, welche auch den Rechtsherzkatheter einbezog. Roland Keller war zudem massgeblich beteiligt an der Implementierung der Sauerstoffheimtherapie in der Schweiz, die das Potenzial hat, die Prognose von fortgeschrittenen Lungenerkrankungen zu verbessern.

Seine wissenschaftlichen Aktivitäten blieben breit und sind durch 256 Fachartikel, davon 125 als Erstautor, dokumentiert. 1986 wurde er zum ausserordentlichen Professor an der Universität Basel befördert. Er war bei der ab 1991 vom SNF unterstützten und international renommierten Langzeitstudie SAPALDIA (Swiss Study on Air Pollution and Lung Disease in Adults) gestaltend aktiv und leitete viele Jahre das lokale Messzentrum in Aarau.

Roland Keller hat viele junge Kolleginnen und Kollegen ausgebildet und in ihrer akademischen Karriere be­gleitet. Geduldig supervisierte er Endoskopien oder die ­Platzierung eines Rechtsherzkatheters. Er hatte das Flair, komplexe Sachverhalte verständlich darzustellen, verlangte Engagement und Lernwille, geizte aber nie mit Lob. Er liebte den dialektischen fachlichen Disput und verlor nie den Humor.

1976 übernahm Roland Keller die Leitung der neuen und eigenständigen Abteilung für Pneumologie an der Klinik Barmelweid. Bald wurde der Abteilung der damalige Status einer Weiterbildungsstätte der Kategorie A erteilt. Bis 1986 leitete er zudem das ebenfalls neu eingeführte Fachgebiet Pneumologie am Kantonsspital Aarau.

Durch Roland Keller entwickelte sich die Barmelweid zu einem überregional anerkannten Kompetenzzen­trum für Pneumologie und später für pulmonale Rehabilitation. 1986 führte er zusammen mit seiner späteren Ehefrau und Ärztin Harriet Keller-Wossidlo die Schlafmedizin in seine Klinik ein und entwickelte sie zu einem überregionalen Zentrum.

Einen wesentlichen Teil seiner Schaffenskraft setzte Roland Keller – gegen anfängliche politische Widerstände – für den dringend notwendigen Neubau der Klinik Barmelweid ein, der im Jahre 2000 eingeweiht wurde. Im Rahmen eines weiteren Ausbaus wurden die Fachgebiete Psychosomatik und kardiale Rehabilitation eingeführt. Von 2001 bis 2008 Verwaltungsrat der Klinik Barmel­weid, brachte er seine langjährige Erfahrung ­erfolgreich im strategischen Führungsorgan ein. Nach ­seiner Pen­sionierung war er bis 2006 an der Hirslanden Klinik in Aarau tätig. Mit Freude und didaktischem Geschick engagierte er sich in der Ausbildung des Fach­personals der Lungenligen und war massgeblich am Aufbau eines qualitativ hochstehenden Aus- und Weiterbildungsangebots der Lungenliga Schweiz beteiligt.

Die letzten Jahre hat sich Roland Keller – trotz schwerer krankheitsbedingter Einschränkung – weiterhin rege für die Fortschritte der Pneumologie und die Entwicklung des Schweizer Gesundheitswesens interessiert.

Dr. Martin Frey, ehem. Chefarzt der Klinik Barmelweid

Prof. Dr. André Perruchoud, ehem. Chefarzt der Klinik für Pneumologie und Innere Medizin am USB

Prof. Dr. Erich W. Russi, ehem. Chefarzt der Klinik für Pneumologie, UniversitätsSpital Zürich

Korrespondenzadresse

Andre.Perruchoud[at]usb.ch

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