Briefe / Mitteilungen

Respekt gegenüber den damaligen Pionieren

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2020.19121
Veröffentlichung: 12.08.2020
Schweiz Ärzteztg. 2020;101(3334):981

Dr. med. Martin Röthlisberger, Arosa

Respekt gegenüber den damaligen Pionieren

Brief zu: Muggli A, et al. Einseitige Berichterstattung. Schweiz Ärzteztg. 2020;101(9):308–10.

In Nummer 9 der Ärztezeitung nehmen Alfred Muggli und zahlreiche andere Kollegen Stellung zu den Kontroversen um die Einführung der Antidepressiva. Die aus heutiger Sicht ohne Kenntnis der damaligen Situation erfolgten Angriffe auf die in jener Zeit tätigen Kollegen machen traurig. Ich habe 1954 bis 1961 studiert. In der Vorlesung bei Prof. Stähelin in Basel und Prof. Schneider in Lausanne haben wie mit­bekommen, wie hilflos die Psychiatrie damals den schweren Depressionen gegenüber war. Ausser Psychotherapie gab es nichts. Prof. Stähelin berichtete in seiner Vorlesung, dass er in ganz schweren Fällen auch schon eine sanfte Therapie mit Morphin versucht habe. Mit einem gewissen Erfolg, aber mit Risiko!

In dieser Zeit war es wie ein Wunder, als endlich ein Antidepressivum auf den Markt kam. Es war das Tofranil von Geigy. Für die Medizin war das ein grosser Schritt. Dass diese Medi­kamente zuerst einmal unter klinischen Bedingungen getestet werden mussten, bevor sie auf den Markt kamen, ist doch klar. Die Kollegen, die damals bei diesem wichtigen Schritt mitgemacht haben, haben unseren Respekt verdient.

Es ist billig, die damaligen Pioniere 60 Jahre später anzugreifen!

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