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Die Swiss Pain Society (SPS) engagiert sich seit 30 Jahren zum Wohle von Schmerzpatienten

Chronische Schmerzen als eigenständige Krankheit neu im ICD-11

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2020.19123
Veröffentlichung: 12.08.2020
Schweiz Ärzteztg. 2020;101(3334):977-978

Konrad Maurer

PD Dr. med., Institut für Interventionelle Schmerzmedizin Zürich, Präsident der SPS

Die bisherigen wissenschaftlichen Daten und Erhebungen zeigen seit Jahren, dass chronischer Schmerz (definiert als Schmerz, der länger als drei Monate anhält oder erneut auftritt) für die betroffenen Patientinnen und Patienten nicht nur eine erhebliche Beeinträchtigung bedeutet, sondern dass durch diese Erkrankung hohe direkte und indirekte Kosten erzeugt werden.

Die Strukturen der nationalen Gesundheitssysteme müssen endlich, auch in Hinblick auf eine gute abgestufte Schmerzversorgung, bedarfsorientiert ausgestaltet werden. In der aktuellen Version der Internationalen Klassifikation von Krankheiten (ICD-10) werden chronische Schmerzdiagnosen jedoch nicht systematisch dargestellt. Im Mai 2019 hat sich dies dramatisch geändert, als die Weltgesundheitsorganisation WHO die neue Ausgabe ICD-11 verabschiedete. ICD-11 wird die erste Version sein, die chronische Schmerzen enthält. Die Klassifikation chronischer Schmerzen basiert auf den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und dem biopsychosozialen Modell. Die Einführung des neuen ICD-11 erweitert die Datenbasis für eine rationale Gesundheitssystemplanung und -gestaltung wesentlich. Diesbezüglich gilt es, den neuen ICD-11, der erstmalig die Erfassung und Codierung von Schmerz als eine eigenständige Erkrankung ermöglicht, rasch in nationale medizinische Diagnose-/Codiersysteme zu übertragen [1].

Der Schmerz im Mittelpunkt

1990 wurde die Schweizerische Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (SGSS) als Kapitel der International Association for the Study of Pain(IASP) gegründet und vor einem Jahr umbenannt in Swiss Pain Society. Das Ziel der Gesellschaft ist, Wissenschaftler, Kliniker, Gesund­heitsdienstleister und politische Entscheidungsträger zusammenzubringen, um das Interesse am Thema Schmerz zu stimulieren. Aktuell besteht sie aus 360 Mitgliedern aus verschiedenen ärztlichen (Anästhe­siologie, Neurologie, Orthopädie, Rheumatologie, Innere Medizin, Psychiatrie, Pharmakologie, Zahnmedizin) und nichtärztlichen (Neurowissenschaft, Pflege, Physiotherapie, Ergotherapie, Psycho­logie, Chiropraktik) medizinischen Fachgebieten, geführt von einem Vorstand von zwölf Mitgliedern. Entsprechend vielschichtig und thematisch abwechslungsreich ist der Höhepunkt des Jahres, der jährlich durchgeführte nationale Kongress, dessen Organisation eine der Hauptaufgaben der Gesellschaft darstellt. Im Weiteren fördern wir ­aktiv die Ausbildung zum Thema Schmerzen mit jährlich angebotenen Kursen in Deutsch und Französisch, regelmässig abgehaltenen Fortbildungen sowie einer Website swisspainsociety.ch, welche sowohl unseren Mitgliedern als auch Nicht-Mitgliedern bzw. ­Interessenten ein Portal bietet, um sich dem Thema Schmerz als dem eines facettenreichen Phänomens zu nähern.

Wissen über Schmerz vermitteln

Die 80-stündigen Schmerzkurse haben das Ziel, den Teilnehmern eine breite Sichtweise des Phänomens Schmerz zu vermitteln. Sie erlauben nicht nur, die komplexen Mechanismen der Entstehung von Schmerz zu verstehen, sondern gleichermassen das Phänomen Schmerz und seine zahlreichen Facetten zu sehen. Sie ermöglichen, den chronischen Schmerz verstehen zu lernen, daraus angepasste Strategien zu entwickeln und somit die Therapie der Patienten mit chronischen Schmerzen zu verbessern. Der Unterricht besteht aus traditionellen Ex-cathedra-Vorträgen und Seminaren mit Falldiskussionen. Praktische diagnostische Übungen im neurologischen, rheumatologischen und anästhesiologischen Bereich runden das Programm ab. In unseren SPS Brunches haben interessierte SPS-Mitglieder im Weiteren die Möglichkeit, ihre klinischen Fälle oder ihre wissenschaftliche Tätigkeit zu präsentieren und Forschungsprojekte oder andere interessante Argumente zu diskutieren. Die Brunches stellen eine ­Gelegenheit dar, die örtlichen Schmerzspezialisten ­sowie die Interessenten zu treffen und sich mit ihnen über Ideen auszutauschen.

Ausgewiesene Spezialisten und Spezialistinnen in der Schmerzmedizin werden zudem durch unsere Gesellschaft zertifiziert. Der Titel «SPS Schmerzspezialist/
­-in®» wird von der Swiss Pain Society ausgestellt und ist für drei Jahre gültig. Therapeuten und Personen mit diesem Titel werden auf einer Liste als «SPS Schmerzspezialist/-in®» deklariert. Der Titel fördert die Anerkennung von spezifischen Qualifikationen und Kompetenzen der SPS-Mitglieder im Bereich der Schmerzmedizin und beeinflusst nicht die Behandlungsgebühren im Gesundheitswesen. Die Gesellschaft sieht in diesem Titel einen wichtigen Schritt zur besseren Anerkennung der Schmerzmedizin in der Schweiz und zur Qualitäts­förderung.

Jahreskongress in Bern

Das Jahr 2020 ist ein besonderes Jahr für unsere Gesellschaft. Wir feiern unseren runden Geburtstag zusammen mit der Schweizerischen Kopfwehgesellschaft (SKG) am gemeinsamen Jahreskongress in Bern, welcher am 1. und 2. Oktober 2020 stattfindet. Die eingangs erwähnte neue Aufnahme von chronischen Schmerzen als eine eigenständige Krankheit in den ICD-Code ist ein Meilenstein, auf welchen Schmerzspezialisten aus aller Welt jahrelang hingearbeitet haben. Er zeigt, dass wir und unsere Gesellschaft auf dem richtigen Weg sind, und wir würden uns freuen, viele neue Gesichter zu sehen, welche Anfang Oktober mit uns feiern.

Korrespondenzadresse

SPS Swiss Pain Society
info[at]swisspainsociety.ch

Literatur

1 Chronic pain as a symptom or a disease: the IASP Classification of Chronic Pain for the International Classification of Diseases (ICD-11). Treede, et al. PAIN. 2019 Jan;160(1):19–27.

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