Briefe / Mitteilungen

Was ist faul im Staate Dänemark?

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2020.19186
Veröffentlichung: 02.09.2020
Schweiz Ärzteztg. 2020;101(36):1073

Prof. Dr. med. Barbara Biedermann, Bäretswil

Was ist faul im Staate Dänemark?

Nicht nur die Patienten wollen in der Schweiz das kostbare Recht auf die freie Arztwahl ­verteidigen. Auch als Hausärztin habe ich ­dieses Privileg: Ich kann Patienten wenn nötig an den richtigen Kollegen überweisen. Der richtige Kollege ist natürlich der Beste für das konkrete Problem des Patienten! Im Kanton Zürich sind wir grundsätzlich verwöhnt: Es gibt eine grosse Zahl hervorragender Spezialisten, die scheinbar das ganze Spektrum der Krankheiten, die einen Menschen ereilen können, gut abdecken. Seit zehn Jahren praktiziere ich nun als selbstständige Haus- und Landärztin in Adetswil. Eigentlich ein wunderbarer Beruf – wenn man sich auf sein Kollegennetzwerk verlassen kann. In diesen zehn Jahren ­begann aber dieses Kollegennetzwerk lückenhaft zu werden. Für Patientenprobleme, welche im Rahmen der heutigen Honorierungssysteme für den Praxis- oder Spitalumsatz weniger lukrativ sind, wurde es zunehmend schwieriger, den richtigen Kollegen zu finden. Nämlich den Kollegen, der sich dem konkreten Patientenproblem mit Sorgfalt, Akribie und Beharrlichkeit annimmt. In meinem «Portfolio» der richtigen Kollegen nahm PD Dr. med. Esther Bächli, Chefärztin der Medizinischen Klinik des Spitals Uster, mit eigener, ambulanter Hämatologie-Sprechstunde bis am 17. August 2020 einen wichtigen, ja immer mehr einzigartigen Platz ein: Sie und ihr Team des Departements Medizin am Spital Uster haben sich zahlreicher meiner Patienten immer in bester Weise angenommen. Schwierigste Probleme, welche andere Institutionen komplett überforderten, wurden an ihrer Klinik immer professionell analysiert und gelöst. Sie war oft ein eigentlicher Rettungsanker für meine Patienten. Nie hatte ich den Eindruck, dass an ihrer Institution rein kommerzielle Überlegungen den Abklärungsgang oder den Behandlungspfad meiner Patienten durchkreuzten. Dies ganz im Gegensatz zu anderen Spitälern. PD Dr. med. Esther Bächli, Ärztin, Internistin und Hämatologin, garantierte beste moderne Medizin zum Wohle ihrer Patienten. Und jetzt, urplötzlich, seit dem 17.8.2020, bricht dieser Leuchtturm der Inneren Medizin im Zürcher Oberland einfach weg. Der Verwaltungsrat und die ­Spitalleitung des Spitals Uster begründen die Freistellung der in vielfacher Weise ausgezeichneten Kollegin mit der «Unvereinbarkeit ihrer Ansichten mit der strategischen Ausrichtung des Spitals». Als Hausärztin, welche sich bisher auf die Medizinische Klinik und die Abteilung Hämatologie des Spitals Uster, hervorragend geleitet von PD Dr. med. Esther Bächli, zu 100 Prozent verlassen konnte, frage ich mich: Was ist denn die neue strategische Ausrichtung dieses Spitals und warum ist sie ­unvereinbar mit der bestmöglichen Behandlung komplexer Patientenprobleme? Für eine klare Antwort auf diese Frage bin ich dem ­Verwaltungsrat und dem CEO des Spitals ­Uster bereits jetzt dankbar.

Verpassen Sie keinen Artikel!

close