Briefe / Mitteilungen

Sinnvolle Erstberatung durch die Hausärzte

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2020.19268
Veröffentlichung: 14.10.2020
Schweiz Ärzteztg. 2020;101(42):1369

Dr. med. Jürg Kälin, Luzern

Sinnvolle Erstberatung durch die Hausärzte

Es ist für mich völlig unverständlich, dass sofort – auch von Seiten der FMH – Widerstand angesagt ist beim Vorschlag einer obligatorischen Erstberatungsstelle. Meiner Meinung nach ist dies eines der sinnvollen Mittel, um mitzuhelfen, die Kosten im Gesundheits­wesen zu verringern und unnötige Konsultationen zu verhindern. Es wird erwähnt, dass bereits heute 70% der Versicherten das Hausarztmodell wählen. Es ist belegt, dass die Hausärzte bereits über 90% der Gesundheitsprobleme selber lösen können. Bei den rest­lichen Fällen ist der Hausarzt fast durchwegs im Stande, den Patienten dem zuständigen Spezialisten zuzuweisen. Damit werden sicherlich erhebliche Kosten gespart, wenn der Patient nicht zuerst von einem zum andern Spezialisten wandert, wie dies leider nur allzu oft vorkommt. Die Behauptung, dass durch solche obligatorischen Vorgaben Qualität verloren ginge und die Versorgung verschlechtert würde, sind hypothetisch und überhaupt nicht belegt. Im Übrigen ist die freie Arztwahl schon längst eingeschränkt, wenn ich an die stationären Behandlungen denke. Nur der­jenige, der es sich leisten kann, sich als Privatpatient zu versichern, hat Anspruch auf die Behandlung durch den Chefarzt oder den Leitenden Arzt. Beim Einführen einer Erstberatungsstelle kann der Patient diese – im idealen Fall seinen Hausarzt – selber wählen. Es wäre eine der sinnvollen Aufgaben der FMH, dieses Modell mit dem BAG zu verhandeln und mitzuhelfen, sinnvolle medizinische Abläufe und Behandlungen kostensparend zu fördern. Offenbar ist auch in der Leitung der FMH die Bedeutung der Hausarztmedizin nicht genügend verankert, ist es doch die anspruchsvollste Disziplin, die wir Ärzte betreiben. Anders verhält es sich bei den finanziellen Zielvorgaben, die vom Bund vorgeschlagen werden. Neben einem unglaublichen administrativen Aufwand liegen dem Ganzen auch falsche Überlegungen zu Grunde, dass nämlich nicht mehr der Patient im Vordergrund stünde, sondern die einzelne Krankheit. Mit einem staatlich verordneten Globalbudget hat die Ärzteschaft anderer Staaten – und damit auch die Patienten als Hauptleidtragende – miserable Erfahrungen gemacht und wir müssen nun nicht dieselben Fehler auch nachahmen.

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