FMH

«Für Sie» geht nur «mit Ihnen»

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2021.19591
Veröffentlichung: 10.02.2021
Schweiz Ärzteztg. 2021;102(06):201

Alexander Zimmer

Dr. med., Mitglied des Zentralvorstandes und Departementsverantwortlicher Digitalisierung / eHealth

Zunächst möchte ich mich bei Ihnen bedanken, dass Sie mir Ihr Vertrauen schenken und mich für die neue Legislatur als Ihren Vertreter in den Zentralvorstand gewählt haben. Ich freue mich auf die neue Aufgabe und gehe sie gleichzeitig auch mit dem dafür notwendigen Respekt an.

Es ist mir bewusst, dass ich mich mit der Übernahme des Departements Digitalisierung / eHealth von der neu gewählten Präsidentin der FMH, Yvonne Gilli, die dieses mit grosser Umsicht führte, einer besonderen Beobachtung aussetze. Gleichwohl war es mein Wunschdepartement. Ich kann auf ein fachlich hochkompetentes und gut eingespieltes Team innerhalb des Departements bauen. Zudem bin ich mit vielen der in diesem Themenbereich tätigen Kolleginnen und Kollegen durch meine langjährige Mitarbeit in der AG eHealth bereits bekannt.

Die Digitalisierung stellt eine der grossen Herausforderungen mit entsprechenden Chancen und Risiken für das Gesundheitswesen dar. Dabei geht es nicht nur um das elektronische Patientendossier und um den elek­tronischen Datenaustausch unter Ärztinnen und Ärzten und anderen Gesundheitsdienstleistungspartnern. Es geht auch um die Prüfung der vielen weiteren digitalen Gesundheitsanwendungen, die seitens der Patientinnen und Patienten bereits benutzt und zunehmend von ihnen gefordert werden. Ich habe bewusst geschrieben, dass es zunächst um die Prüfung der Angebote geht. Angebote müssen einen Mehrwert schaffen, bevor sie eingeführt werden. Sei es nun im Sinne einer Verbesserung der Behandlungsqualität, der Patientensicherheit, der Transparenz oder der Verschlankung der Arbeitsabläufe im Praxisalltag.

Primum non nocere – zuerst einmal nicht schaden. Dieser elementare Grundsatz des Hippokratischen Eides ist zu Recht tief im Bewusstsein der Ärzteschaft eingebrannt. Er behält seine Bedeutung auch im Hinblick auf die Digitalisierung.

So gesehen finde ich es durchaus verständlich, wenn die Ärzteschaft gemäss dem Digital Trends Survey [1] zwar die verschiedenen Formen der digitalen Dienstleistungen zunehmend besser kennt, aber deren Benefit offensichtlich noch nicht im gleichen Ausmass sehen kann.

Als Mitglied des Zentralvorstandes der FMH nehme ich Bedenken, die von Ihnen, liebe Kolleginnen und ­Kollegen, in solchen Umfragen geäussert werden, sehr ernst. Gleichzeitig sehe ich es auch als meine Aufgabe an, wichtige Entwicklungen im Gesundheitswesen zu antizipieren. Dabei muss ich auch Stimmen im Umfeld unseres Wirkens angemessen Gehör schenken. Welche Entwicklungen könnten zukünftig im Gesundheits­wesen Bedeutung erlangen? Wo liegen die Chancen und die Risiken der neuen Anwendungen und damit verbundener Datenaggregation? Wie können wir die Risiken steuern, die unweigerlich mit diesen Ent­wicklungen einhergehen können? Wie können wir es Ihnen erleichtern, in sinnvolle Weiterentwicklungen mit ­einzusteigen? Wie können wir die Angebote der Digitalisierung zu Ihrem Vorteil und zum Nutzen einer verbesserten Patientenbehandlung mitgestalten und aktiv beeinflussen?

Vielleicht klingt es profan, wenn ich sage, dass ich dazu in den nächsten vier Jahren den regen Austausch mit Ihnen benötige: zum einen über Umfragen, zum an­deren über den Austausch in den entsprechenden Arbeits­gruppen der FMH. Wir brauchen Ihre Erfah­rungen als Anwender der Technologie vor Ort in den Praxen und den Kliniken. Nur mit Ihnen zusammen werden wir die digitale Transformation des Gesundheitswesens sinnbringend für alle umsetzen können. «FürSie» geht nur «mit Ihnen.»

Literatur

1 Digital Trends Survey 2019 der FMH. www.fmh.ch/files/pdf23/fmh-digital-trends-survey-2019-de.pdf

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