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In memoriam Thomas Leyhe (1960–2021)

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2021.19770
Veröffentlichung: 21.04.2021
Schweiz Ärzteztg. 2021;102(16):538

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Prof. Dr. med. Thomas Leyhe ist leider im Alter von 61 Jahren unerwartet verstorben. Sein früher Tod hat seine Freundinnen und Freunde sowie die alterspsychiatrischen Fachverbände in tiefe Trauer gestürzt. Sein Einsatz für die fachliche Entwicklung der Alterspsych­iatrie, seine Freundschaft und Loyalität werden uns als Beispiel einer vorbildhaften klinischen Tätigkeit und als Ausdruck seiner mitfühlenden Menschlichkeit in Erinnerung bleiben.

In Deutschland geboren, absolvierte Thomas Leyhe zunächst eine Ausbildung zum Apotheker in Würzburg und war anschliessend im Pharmakologischen Institut in Tübingen wissenschaftlich tätig. Seine ärztliche Ausbildung an der Medizinischen Hochschule Hannover schloss er mit der Approbation 1996 ab. Er wurde Facharzt für Neurologie und Facharzt für Psychiatrie mit den beiden Zusatzbezeichnungen Psychotherapie und Klinische Geriatrie. Seine psychiatrische Aus­bildung absolvierte er an der Universitätsklinik für Psych­iatrie und Psychotherapie Tübingen, wo er bis zu seinem Umzug in die Schweiz 2013 als Oberarzt gearbeitet hat. Im Jahr 2010 habilitierte er sich für das Fach Psychiatrie und Psychotherapie an der Medizinischen Fakultät der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen, an der er 2012 zum ausserplanmässigen Professor ernannt wurde.

Ab Juni 2013 war Thomas Leyhe ärztlicher Zentrums­leiter des Zentrums für Alterspsychiatrie der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) in Basel. Er trug in dieser Funktion wesentlich zur Eigenständigkeit und Weiterentwicklung der Alterspsychiatrie in Basel bei. Sein Interesse galt den neuropsychologischen, bild­gebenden und neurochemischen Untersuchungen neuropsychiatrischer, insbesondere dementieller sowie endokrinologischer Erkrankungen. Seine Lehr- und Forschungstätigkeit setzte er bis zuletzt gewissenhaft und erfolgreich fort. Neben seiner Tätigkeit in den UPK Basel war er ab 2017 Chefarzt der Alterspsychiatrie der Universitären Altersmedizin Felix Platter, wo er die ­alterspsychiatrischen Stationen aufbaute. Diese anspruchsvolle Arbeit mit zwei Teams in zwei Institutionen führte er sehr erfolgreich durch. Thomas Leyhe machte zudem den Ausbau der Alterspsychiatrie in Base­l möglich. Seiner integrierenden Persönlichkeit ist es zu verdanken, dass zwischen der Alterspsychiatrie und der Geriatrie eine klinikübergreifende Brücke ­gebaut wurde und beide Disziplinen unter der fachüber­greifenden Altersmedizin zusammengebracht wurden. Er schuf ausserdem den «Universitären Weiterbildungsverbund Alterspsychiatrie Basel-Stadt» für den Schwerpunkt Alterspsychiatrie und -psychotherapie zwischen den Standorten UPK und Felix-Platter-Spital. Als Stiftungsrat eines grossen Pflegeheimes in Basel trieb er den qualitativen Ausbau der Betreuungsangebote speziell für an Demenz erkrankte Personen voran.

Sehr wichtig war für Thomas Leyhe die berufspoli­tische und fachliche Arbeit in der Schweizerischen Gesellschaft für Alterspsychiatrie und -psychotherapie (SGAP-SPPA). Seit 2019 war er Vorstandsmitglied und betreute mit grossem Engagement das Ressort Weiter- und Fortbildungen. Er organisierte für die deutschsprachige Schweiz die Kurse und betreute die Aspirantinnen und Aspiranten für den Schwerpunkttitel Alterspsychiatrie und -psychotherapie.

Vor allem für seine ruhige Wesensart geschätzt, hatte Thomas Leyhe zudem eine sehr wohlwollende und feinfühlige Seite. Vieles hätte er noch erreichen können. Sein früher Tod beendet ein eindrucksvolles und reichhaltiges Leben. Seine Kolleginnen und Kollegen, seine Freundinnen, Freunde und Bekannten werden ihn stets in positiver Erinnerung behalten.

Vorstand der Schweizerischen Gesellschaft für ­Alterspsychiatrie und -psychotherapie (SGAP-SPPA)

Credits

Derek Li Wan Po, Universitäre Altersmedizin FELIX PLATTER

Korrespondenzadresse

egemen.savaskan[at]pukzh.ch

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