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Briefe / Mitteilungen

Für einen wirkungsvollen Jugendschutz – Ja zur Volksinitiative «Kinder ohne Tabak»

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2021.20121
Veröffentlichung: 15.09.2021
Schweiz Ärzteztg. 2021;102(37):1204

Lungenliga Schweiz

Schweizerische Gesellschaft für Kardiologie

Schweizerische Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie

Schweizerische Gesellschaft für Herz- und Thorakale Gefässchirurgie

Schweizerische Gesellschaft für Pneumologie

Schweizerische Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie

Schweizerische Gesellschaft für Thoraxchirurgie

Für einen wirkungsvollen Jugendschutz – Ja zur Volksinitiative «Kinder ohne Tabak» [1]

Zu unserer Empörung haben National- und Ständerat das Tabakproduktegesetz abgeschwächt. Werbung in Printmedien sowie ­Internet für Tabak- und Nikotinprodukte soll ebenso wie das Sponsoring nationaler Anlässe weiterhin erlaubt sein. Damit kann von wirkungsvollem Jugendschutz keine Rede mehr sein. Der Ständerat schlägt gar vor, die Meldepflicht für Werbeausgaben für Tabak- und Nikotinprodukte wieder aus dem Gesetz zu streichen. Nicht einmal die Minimalanforderungen der WHO-Rahmenkonvention zur Eindämmung des Tabakgebrauchs (FCTC) ­werden erreicht. Aus gesundheitspolitischer wie aus ökonomischer Sicht ist dies absolut unverständlich.

Kinder und Jugendliche werden durch Tabakwerbung, -promotion und -sponsoring zum Einstieg in stark abhängig machende Produkte verführt. Werbung erreicht Kinder und Jugendliche – ob beabsichtigt oder nicht. Studien belegen, dass ein umfassendes Verbot von Werbung, Promotion und Sponsoring den Konsum von Tabakprodukten um 7% ­reduziert [2]. Die in der Tabakprävention erfolgreichsten europäischen Länder schränken die Tabakwerbung [3] umfassend ein.

Eine kürzlich publizierte Zürcher Studie zeigt, dass ca. 70% der Mädchen und 60% der Jungen im Alter von 16 bis 17 Jahren Tabakprodukte, besonders E-Zigaretten, konsumieren [4]. Rauchende Kinder und Jugendliche klagen im Vergleich zu nichtrauchenden Gleich­altrigen deutlich mehr über Atemnot oder Asthma-Symptome. Der Trend wird in der «Health Behaviour in School-aged Children»-Studie bestätigt: 51% der 15-jährigen Knaben und 35% der Mädchen haben bereits einmal an einer E-Zigarette gezogen [5]. Evidenz deutet darauf hin, dass der Konsum von E-Zigaretten das Risiko von Jugendlichen, später herkömmliche Zigaretten zu rauchen, erhöht [6].

Die unterzeichnenden Gesellschaften kommen zum Schluss: Das vom Parlament aus­gearbeitete Tabakproduktegesetz ist wirkungslos. Für einen effektiven Jugendschutz braucht es umfassende Einschränkungen für Werbung, Promotion und Sponsoring für herkömmliche wie auch alternative Tabakprodukte und E-Zigaretten. Dies schränkt deren Erhältlichkeit für tabakabhängige Erwachsene nicht ein. Nur so kann verhindert werden, dass unsere Kinder und Jugendlichen mit dem Konsum beginnen, nikotinabhängig werden und später an kostenintensiven Krankheiten leiden und sterben. Einem Leid, dem wir in unserer täglichen Praxis begegnen. Immerhin ist Tabak der grösste vermeidbare Risikofaktor für die Entstehung nichtübertragbarer Krankheiten [7].

Literatur

1 Eidgenössische Volksinitiative «JA zum Schutz der Kinder und Jugendlichen vor Tabakwerbung».

2 Henriksen L. Comprehensive tobacco marketing restrictions: promotion, packaging, price and place. Tob Control. 2012 Mar;21(2):147–53. doi:10.1136/tobaccocontrol-2011-050416

3 European Tobacco Control Scale (2019).

4 Mozun R, et al. Cigarette, shisha, and electronic smoking and respiratory symptoms in Swiss children: The LUIS study. Pediatr Pulmonol. 2020 Oct;55(10):2806–15.

5 Health Behaviour in School-aged Children. Forschungsbericht von Sucht Schweiz (2018).

6 Khouja JN, et al. Is e-cigarette use in non-smoking young adults associated with later smoking? A systematic review and meta-analysis. Tob Control. 2020 Mar 10;30(1):8–15. doi:10.1136/tobaccocontrol-2019-055433

7 Bundesamt für Gesundheit: Rauchende verlieren Lebenszeit und Lebensqualität.

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