Briefe / Mitteilungen

Neutralität in der Medizin

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2021.20139
Veröffentlichung: 22.09.2021
Schweiz Ärzteztg. 2021;102(38):1232

Neutralität in der Medizin

Brief zu: Martin J. Müssen wir in der medizinischen Praxis stets die Neutralität wahren? Schweiz Ärzteztg. 2021;102(29–30):976.

Ich möchte die Ansicht von Dr. Martin unterstützen. Das von ihm angeführte Zitat von Virchow sagt eigentlich alles und sollte uns Richtschnur sein: «Die Medizin ist eine soziale Wissenschaft, und die Politik ist weiter nichts als Medizin im Grossen.»

Es darf nicht sein, dass wir unter dem Vorwand von Neutralität keine Stellung zu politisch heiklen Problemen beziehen, welche die Gesundheit betreffen. Martin erwähnt in seinem «Zu guter Letzt» einerseits die Methadon­abgabe, die Flüchtlingspolitik und das Mobbing und andererseits den Umweltschutz und den Klimawandel. Wenn wir an den Nutzen von Prävention glauben, müssen wir uns in allen diesen Punkten engagieren. Eine dies­bezüglich erwähnenswerte, von Ärzten initiierte und 1985 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Gruppierung sind die «Physicians for Social Responsibility» (PSR).

Ich habe Jean Martin nach dem Erscheinen seines Artikels persönlich gratuliert. Anlass, noch diesen Brief an die SÄZ zu schreiben, sind die in der Ausgabe vom 25. August zum Tabakproduktegesetz erschienenen Artikel. Sie sind sicher auf der Linie von Dr. Martin. Es ist wichtig, dass die FMH in Sachen Rauchen klar Stellung bezieht und für ihre Meinung auch bei allen Parteien lobbyiert. Die Ärzteschaft neigt politisch m.E. eher nach rechts. Beim Rauchen gibt’s aus ärztlicher Sicht aber nur eine Meinung, und sie nicht zu vertreten, wäre eine falsch verstandene Neutralität.

Dr. med. Urs Strebel, Stäfa

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