FMH

Interview mit Dr. med. Dorothea Schultz, Schulärztin, Kinder- und Jugendmedizin, FMH

Qualität in der Medizin – beleuchtet aus diversen Perspektiven

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2021.20221
Veröffentlichung: 20.10.2021
Schweiz Ärzteztg. 2021;102(42):1353-1354

Das Interview führte: Brigitte Pfister

Leiterin Kommunikation BFH Gesundheit

Dorothea Schultz war Teilnehmende der Erstdurchführung des CAS-Studiengangs «Qualität in der Medizin für die patientennahe Arbeitspraxis» an der Berner Fachhochschule (BFH). Sie berichtet von ihren Erfahrungen und erläutert, weshalb das Einnehmen unterschiedlicher Perspektiven sowie das Bewusstsein für die Bedürfnisse der verschiedenen Anspruchsgruppen die Grundpfeiler für eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung sind.

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Frau Schultz, was hat Sie motiviert, den CAS-Studiengang «Qualität in der Medizin für die patientennahe Arbeitspraxis» zu besuchen?

Das Thema Qualität hat mich in meinem professionellen Selbstverständnis als Kinder-, Jugend- und Schulärztin schon immer auf verschiedenen Ebenen begleitet – beim Arbeiten nach Guidelines, dem Erstellen von Check­listen, der Gestaltung von Prozessabläufen oder in der Kommunikation mit Patientinnen und Patienten respektive Klientinnen und Klienten. Für den CAS-Studiengang habe ich mich entschieden, da ich mir mehr theoretisches Hintergrundwissen rund um das Thema Qualität gewünscht habe – insbesondere auch, um meine eigenen Wahrnehmungen, Kompetenzen und Handlungen einzuordnen und um die ­stetige Entwicklung der Qualität in meiner Arbeit ­weiterzutreiben.

Wurden Ihre Erwartungen an den CAS erfüllt?

Sehr gut sogar. Der Studiengang hat die vielfältigen ­Aspekte von Qualität in all ihren Dimensionen theo­retisch aufgearbeitet und praktisch mit Übungen, Rollenspielen und interaktiven Lerninhalten konkret vermittelt. Dabei wurden zugleich auch die Grenzen der Qualitätsmessung aufgezeigt und das kritische Denken geschult. Vom breiten Fachwissen und dem En­gagement der Dozentinnen und Dozenten, etwa zum Thema Patientensicherheit oder zu Massnahmen der Qualitätsverbesserung, konnte ich sehr profitieren.

Welche Fähigkeiten werden im CAS vermittelt? Inwiefern haben Sie als Ärztin von der Weiterbildung profitiert?

Ein breites Spektrum an Perspektiven wahrnehmen zu können, sie zu analysieren und zu reflektieren ist für meine Profession essentiell. Deshalb habe ich von der interprofessionellen Ausrichtung des CAS profitiert – beispielsweise haben eine Study Nurse oder ein Sozialarbeiter von ihren Erfahrungen berichtet. Ich hoffe ­natürlich, dass meine Mitstudentinnen und Mitstudenten ebenso von mir als Kinderärztin und Fachperson für Gesundheitsförderung und Prävention profitieren konnten.

Können Sie die Inhalte aus dem CAS in der Praxis anwenden?

Die Grundlagen des Design-Thinking-Prozesses werden mich auch weiterhin in meinem Arbeitsalltag ­begleiten: Wir müssen genau zuhören und nachfragen, um das Problem präzise zu erfassen. Dieser CAS-Stu­diengang hat einerseits mein Bewusstsein für die Bedürfnisse meiner Klientinnen und Klienten noch mehr geschärft und mich andererseits in meinem bisherigen Handeln bestätigt. Er hat mir Instrumente, Methoden und Theorien an die Hand gegeben, die ich im Alltag nutzen kann.

Im Rahmen des CAS haben Sie auch eine Projektarbeit umgesetzt. Welche Erfahrungen und Erkenntnisse haben Sie bei der Umsetzung gesammelt?

Die Projektarbeit ermöglicht die aktive Auseinandersetzung mit Theorie und Praxis. Ich bin im schulärzt­lichen Dienst der Stadt Zürich tätig und leite «Zäme ­unterwegs – chronische Erkrankung und Schule», ein Angebot im Rahmen von Gesundheitsförderung und Prävention. Da sich das Angebot in der Implemen­tierungsphase befindet, habe ich ein Qualitätssicherungsprojekt dazu durchgeführt. Anhand von drei als relevant beurteilten Qualitätskriterien habe ich versucht, Wirkung, Nutzen und Zielformulierung der ­Arbeit des schulärztlichen Dienstes in der Implementierung einzuschätzen sowie Handlungsfelder zu erkennen und zu bearbeiten. Durch meine Projektarbeit konnte ich Entwicklungsmöglichkeiten sichtbar machen, aber auch zeigen, dass und wie unsere Arbeit auf die Implementierung des Angebots wirkt. Dies war sehr wertvoll, denn im Bereich der Gesundheitsför­derung und Prävention ist dies nicht immer leicht greifbar. Das positive Feedback verleiht dem eigenen Handeln Sicherheit sowie eine Prise Gelassenheit. Es bestärkt, wenn sichtbar wird, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

In welcher Hinsicht profitieren Ihre Klientinnen und Klienten von dieser Weiterbildung?

Für das Angebot «Zäme unterwegs – chronische Erkrankung und Schule» ist die Ausrichtung am Bedarf und an den Bedürfnissen der verschiedenen Anspruchsgruppen grundlegend. Dabei ist entscheidend, dass diese immer wieder überprüft und bearbeitet werden. In diesen Prozess fliessen die Erfahrungen ­aller Beteiligten aus der konkreten Umsetzung des ­Angebots, aber natürlich auch die Erkenntnisse dieser Weiterbildung ein.

CAS «Qualität in der Medizin für die patientennahe Arbeitspraxis»

Der Fokus dieses CAS an der BFH Gesundheit liegt auf der patien­tennahen medizinischen Versorgungssicherheit im interprofessionellen und sektorenübergreifenden Arbeitsumfeld.

Die Schweizerische Akademie für Qualität in der Medizin SAQM der FMH ist Partnerin des Studiengangs.

Die Anmeldefrist für die nächste Durchführung ist der 29. Oktober 2021.

Weitere Informationen: www.bfh.ch/de/weiterbildung/cas/­qualitaet-in-der-medizin-fuer-die-patientennahe-arbeitspraxis/

Credits

zVg/Dorothea Schultz­

Korrespondenzadresse

FMH / SAQM
Postfach
CH-3000 Bern 16
Tel. 031 359 11 11
saqm[at]fmh.ch

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