Horizonte

Buchbesprechungen

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2021.20303
Veröffentlichung: 22.12.2021
Schweiz Ärzteztg. 2021;102(5152):1742-1743

Dr Dominique Marcot, Centre Neuchâtelois de Psychiatrie (CNP), Marin-Epagnier

Dr. Daniel F. Brandl, PhD, Geschäftsführer Kinderärzte Schweiz

Eveline Maegli,

Redaktionsassistentin SÄZ

Das schlechte Ge­wissen – Quälgeist oder Ressource?

Maja Storch und Gerhard Roth

Bern: Hogrefe; 2021

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Sachbuch

«Heute schon ein schlechtes Gewissen gehabt?», diese Frage hat Maja Storch ihren Bekannten mehrmals täglich gestellt, um mehr über das Wann, Wo und Warum des schlechten Gewissens herauszufinden. Zusammen mit Gerhard Roth, Professor für Verhaltensforschung und Entwicklungsneurobiologie, hat die Psychologin und Psychoanalytikerin das Phänomen unter die Lupe genommen.

Während sie die praktischen Aspekte des schlechten Gewissens erläutert, liefert Roth die neurobiologischen Erklärungen: Dazu gehört, dass das schlechte Gewissen auf der limbischen Ebene des Gehirns angesiedelt ist und viel mit unserer Stresstoleranz zu tun hat. Weil sich das Stressverarbeitungssystem schon während der ersten Schwangerschaftswochen auszubilden beginnt, werden die Weichen für unseren individuellen Umgang mit dem schlechten Gewissen schon früh gelegt.

Im Alltag schlägt es dann an, wenn wir eine Dis­krepanz zwischen einem Ist- und einem Soll-Zustand wahrnehmen. Das hat viel mit Ge- und Verboten zu tun, die wir verinnerlicht haben. Das macht es auch so schwer, sich davon zu lösen: reine Verstandesargumente greifen nicht, vielmehr muss das Unterbewusstsein Stück für Stück umgepolt werden. Beispielhaft für diesen Vorgang dient die Geschichte von Gabriela, die ihre Freizeit gerne so entspannt wie ihr schlafender Hund Theodor geniessen möchte. Mit Theodor hat sie ein «Ressourcenbild» gefunden, das sie als Grundlage nehmen und ihrem Unterbewusstsein entgegenhalten kann.

Praxisbeispiele wie das von Gabriela machen die Materie des Buches zugänglich, trotzdem bleibt es nahe am wissenschaftlichen Hintergrund. Es ist deshalb besonders interessant für alle, die neben den Schritt-für-Schritt-Anleitungen zur Überwindung des schlechten Gewissens auch die theoretische Seite besser verstehen möchten.

Rahel Gutmann,

Junior-Redaktorin SÄZ

rahel.gutmann[at]emh.ch

Notre maladie.

Leçons de liberté depuis un lit d’hôpital américain

Timothy Snyder

Paris: Les Belles Lettres; 2021. Traduit de Our Malady: Lessons in Liberty from a Hospital Diary.

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Essai

Timothy Snyder, professeur à Yale, spécialiste de l’Europe de l’Est au XXe siècle, étudie les mécanismes de la violence et ses effets sur les populations. Il est l’auteur de plusieurs livres, dont un bestseller (On Tyranny, 2021). Son œuvre d’historien s’attache à rendre intelligible la violence des régimes totalitaires en une vue d’ensemble saisissante, découvrant les logiques qui l’ont rendue possible. Il est aussi un redoutable analyste de notre monde contemporain.

Le 29 décembre 2019, il a été hospitalisé d’urgence pour un abcès au foie, ultime et grave complication d’une maladie pourtant banale au départ, mais dont les institutions hospi­talières n’ont pas permis le diagnostic ni le traitement qu’auraient exigés les règles de l’art. Cette expérience l’a conduit à s’inter­roger sur les non-dits de cette médecine pourtant scientifique.

Cet ouvrage est une suite de réflexions («leçons») lumineuses, où la sensibilité et l’intelligence d’un historien de renom sont confrontées à ce que cela signifie d’être hospitalisé, autrement dit être totalement dépendant d’une institution, de ses possibilités et contraintes. Snyder en extrait quelques questions et vérités, y compris celles que nous autres soignants ne percevons souvent que superficiellement et il va sans dire que certaines d’entre elles sont particulièrement dérangeantes. Pourtant, pour peu qu’on veuille prendre le temps de les écouter, ces problèmes ont beaucoup à nous dire sur l’état de nos institutions de soins, sur les dangers qui peuvent menacer non seulement nos santés personnelles comme la qualité de la médecine, mais aussi, insidieusement, nos démocraties.

L’enjeu fondamental et ultime de la médecine est celui de nos libertés.

dominique.marcot[at]cnp.ch

Telefontriage-Manual für die pädiatrische Praxisassistentin

Kinderärzte Schweiz

Zürich: Kinderärzte­ Schweiz; 2021

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Ratgeber

Eine gute Telefontriage ist für die Praxisorganisation enorm wichtig und für pädiatrische Patientinnen und Patienten und ihre Eltern unabdingbar – oft kommt sie jedoch in der Ausbildung zu kurz. Um diese Lücke zu schlies­sen und Praxen bei den neu im Bundesgesetz über die Krankenversicherung ­geforderten Massnahmen zur Qualitätsverbesserung zu unterstützen, bietet der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in der Praxis (KIS) das Telefontriage-Manual für die pädiatrische Praxisassistentin an.

Dieser Leitfaden ist eine hilfreiche Anleitung für den Alltag. Er dient der Schulung der ­Medizinischen Praxisassistentinnen und -assistenten in der Kunst der Telefontriage und vermittelt zusätzliches pädiatrisches Wissen über häufige Krankheiten, Normen, Ernährungs- und Impfberatung, Medikamenten­verabreichung etc. Er kann ausserdem dabei helfen, im Team verschiedene Krankheitsbilder zu besprechen und das praxisspezifische Vorgehen in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt festzulegen.

Der Ratgeber ist ein unentbehrliches Arbeitsinstrument für jede kinderärztliche und allgemeinärztliche Praxis. KIS-Mitglieder erhalten den Ratgeber zum Vorzugspreis von CHF 30; für Nicht-Mitglieder kostet er CHF 45. Er kann direkt bei Kinderärzte Schweiz bezogen werden: www.kinderaerzteschweiz.ch/MPA-Telefontriage-Manual

daniel.brandl[at]kinderaerzteschweiz.ch

Belchentunnel

Peter Hänni

Muri b. Bern: Cosmos Verlag;

2021

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Kriminalroman

Carlo und Tom sind, jeder in seinem eigenen Bus, auf dem Weg nach Hannover, um Freunde zu treffen. Kommuniziert wird via Walky-Talky. Bei einem Zwischenstopp kurz vor dem Belchentunnel erfährt Tom von der Sage mit der weissen Frau – und der Prophezeiung.

Tatsächlich ereignen sich seltsame Dinge, sobald Tom in den Tunnel fährt. Die Verbindung zu Carlo bricht ab, und fremde Sequenzen ­mischen sich ein. So erfährt Tom heimlich von einem Lottogewinn, macht sich auf die Suche nach dem Lottozettelbesitzer und begeht quasi ungewollt einen Doppelmord. Anschliessend fährt er mit dem gut gehorteten Lottoschein nach Hannover, begleitet von körperlichen Beschwerden und Gewissensbissen. Niemand soll etwas bemerken. Doch die Heimlichtuerei geht nicht auf.

Ein Krimi «der anderen Art», indem nicht wie gewöhnlich Kriminologen einen Fall ermitteln – vielmehr erfährt man bereits zu Beginn den Tathergang des Mörders und wie er versucht, den Mord möglichst lange zu verdecken. Besonders hervorgehoben werden seine Gedanken und Befürchtungen, aber auch wie sein Kumpel in diesem Wirkungskreis agiert. Dadurch werden die Leserinnen und Leser angeregt, sich in die Rollen und die jeweiligen Lebensgeschichten der Protagonisten hineinzuversetzen.

Peter Hänni regt zum Nachdenken an be­züglich Themen wie Gier, Tod und getötet zu werden. Auch Themen wie nicht sterben zu können resp. zu dürfen sowie die damit verbundenen medizinischen Schnittstellen sind Teil des Romans und regen zur Reflexion an.

eveline.maegli[at]emh.ch

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