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Briefe / Mitteilungen

Bericht der GUMEK über Genetic Counsellors in der Schweiz

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2022.20719
Veröffentlichung: 13.04.2022
Schweiz Ärzteztg. 2022;103(1516):516

Prof. em. Dr. med. Hansjakob Müller, ­Facharzt für Medizinische Genetik, Riehen

Bericht der GUMEK über Genetic Counsellors in der Schweiz

Brief zu: Amstad H, Benedetti C, Gallati S. Genetische Beratung braucht Zeit und Expertise. Schweiz Ärzteztg. 2022;103(13):426–9.

Der Titel des Artikels über die Bemühungen der GUMEK trifft wahrhaftig zu! In den 90er Jahren planten wir an der Universität Basel ­einen ­Studiengang für «Genetic Counsellors» und hielten uns dabei an die Ausbildungs­konzepte des eben gegründeten Instituts für Pflegewissenschaften. In einem etwa 3 Jahre dauernden Studiengang sollten Personen aus dem Gesundheitswesen, die über Kommunikations­geschick und psychosoziales Einfühlungs­vermögen verfügen, neben einer formalen Ausbildung in medizinischer Genetik und Beratung Praktika in zyto- und molekular-genetischen Labors sowie in Fachkliniken absolvieren. Dieses Projekt scheiterte vor allem wegen der Bedenken, dass bereits die Teilnehmenden des ersten Kurses kaum eine angemessen honorierte Anstellung in der Schweiz finden würden und wenig Aussichten auf ein berufliches Weiterkommen hätten. Ein Fortbestand des Studiengangs schien unwahrscheinlich.

Eine gute genetische Beratung lässt sich bei ­einer unkomplizierten, konstruktiven Zusammenarbeit von daran interessierten Fachärzt­innen/-ärzten verschiedenster medizinischer Disziplinen mit den wenigen Kolleginnen/Kollegen der Medizinischen Genetik realisieren. Hilfreich erweist sich dabei auch der Miteinbezug von genetisch fortgebildeten «breast care nurses» respektive von Pflegefachpersonal anderer Beratungsfelder. Sie können genetische Beratungen vielfältig ­unterstützen, indem sie vorgängig die Rat­suchenden über den Beratungsprozess informieren und z.B. sie beim Zusammenstellen der gesundheitsbe­zogenen Familienana­mnese anleiten. Es ist grundsätzlich wünschenswert, dass beratende Personen mit den regionalen Mentalitäten gegenüber genetischen Abklärungen und diesbezüglichen ethischen und rechtlichen Aspekten etwas vertraut sind.

Wegen der gewaltigen technologischen Fortschritte der genetischen Labordiagnostik ­sollten zudem an medizinischen Zentren «Genetic Boards» stattfinden, an denen sich Fachleute der Genetik, der Molekularbiologie, der Labormedizin, der Pathologie und auch der Bioinformatik mit der die Ratsuchenden betreuenden Fachärzteschaft über Fragen des Nachweises einer möglichen Veranlagung sowie über eventuell angezeigte Präventions- und Therapiemassnahmen austauschen können. Solche Treffen sind eine gute Gelegenheit zur Weiter- und Fortbildung in Medizinischer Genetik.

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