Editorial

Zuckermoleküle und ihre Wirkungen

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2022.21081
Veröffentlichung: 21.09.2022
Schweiz Ärzteztg. 2022;103(38):3

Magdalena Mühlemann

In meinem Umfeld ist die ketogene Diät der letzte Schrei. Ich muss oft daran denken, wenn ich morgens vor meinen Haferflocken sitze. Wenn der Körper keine Kohlenhydrate zugeführt bekommt, greift die Leber auf Fett zurück und bildet einen Glukoseersatz, die sogenannten Ketone oder Ketonkörper. Die Glukose wird somit von den Ketonkörpern als Energielieferant abgelöst.

«Die Rolle der Ketone in der Schwangerschaft» lautet der Titel des Übersichtsartikels von Sara de Giorgi et al. im Swiss Medical Forum diese Woche (S. 44). Beim Schwangerschaftsdiabetes, so schreiben sie, scheinen die Ketonkörperspiegel selbst bei adäquater Blutzuckerregulation höher zu sein als bei Frauen ohne Schwangerschaftsdiabetes. Ketonkörper können die Plazentaschranke von der Mutter zum Fötus passieren. Mögliche Folgen durch die erhöhte Insulinproduktion beim Fötus sind etwa die Gaumenspalte oder Fehlbildungen des kardiovaskulären- und zentralen Nervensystems.

Auch um Zuckermangel, genauer die eher seltene nicht diabetische Hypoglykämie, geht es im Beitrag der Rubrik «Wie deuten Sie diesen Befund?» (S. 50). Bei der Aufklärung dieses Falls kam dem Fastentest eine entscheidende Rolle zu. Carolina Rueda Romero et al. beleuchten den Ablauf und den Nutzen des Tests und liefern die labormedizinischen Interpretationen.

Kein Zuckerschlecken ist definitiv der Arztberuf. Gemäss einer Obsan-Studie von 2021 steigt inzwischen ein Drittel aller Ärztinnen und Ärzte aus. Bei der Beratungs- und Hilfestelle der FMH, RedMed, melden sich seit einiger Zeit auffällig viele jüngere Spitalärztinnen. Zu den bekannten langen Arbeitszeiten und Überstunden, die mit einem erfüllten Familienleben schlecht zu vereinbaren sind, kommen auch der gestiegene administrative Aufwand und die Angst um den Verlust des Arbeitsplatzes. Simon Maurer lässt im SÄZ-«Hintergrund»-Artikel (S. 12) drei Ärztinnen zu Wort kommen, die von ihrem ganz persönlichen Umgang mit der Frage «Soll ich bleiben oder lieber gehen?» erzählen.

Im Moment noch bleiben möchten die Nachwuchskräfte, die sich auf dem Weg zum Facharzttitel befinden. Ihr Problem ist ein anderes, wie Larissa Luchsinger et al. in ihrem SIWF-Artikel aufzeigen (S. 36): Die Corona-Pandemie hat die Vermittlung von Weiterbildungsinhalten erschwert. Insbesondere in den Fachrichtungen der Orthopädischen Chirurgie und der Chirurgie ist davon auszugehen, dass sich die Weiterbildungszeit verlängern wird.

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Magdalena Mühlemann

Leiterin Content Wissenschaft, Weiter- und Fortbildung

magdalena.muehlemann[at]emh.ch

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