Organisationen

Eine Publikation im Einsatz für die wissenschaftliche Qualität

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2022.21198
Veröffentlichung: 09.11.2022
Schweiz Ärzteztg. 2022;103(45):34-35

Adriano Aguzzia, Gérard Waeberb

a Prof. Dr. med., Institut für Neuropathologie, Universitätsspital Zürich; b Prof. Dr. med., Département de médecine, Centre hospitalier universitaire vaudois (CHUV)

Diamond Open AccessMit einem Impact Factor von 4,2 verfügt das Swiss Medical Weekly (SMW) über eine wissenschaftliche Ausstrahlung. Die Zeitschrift folgt dem Diamond-Open-Access-Modell, dessen Ziel es ist, wissenschaftliche Inhalte ohne Kosten für Autorenschaft und Leserinnen und Leser zu veröffentlichen. Dadurch wird die hohe Qualität der Artikel garantiert.

Das im Jahr 2002 formulierte Ziel der «Budapest Open Access Initiative» war der unbeschränkte Zugang zur gesamten wissenschaftlichen Zeitschriftenliteratur [1]. Auch wenn dieser Ansatz inzwischen allgemein akzeptiert ist, birgt Open Access (OA) auch ein Risiko. Für Verlage kann daraus ein Geschäftsmodell entstehen, das manchmal auch als «Datenkapitalismus» bezeichnet wird [2].

Beim «author pays»-Publikationsmodell werden die Publikationskosten von den Leserinnen und Lesern zu den Autoren der Artikel verschoben. Dies kann die Unabhängigkeit der redaktionellen Entscheidungen gefährden, denn je mehr Artikel zur Publikation angenommen werden, desto höher sind die Einnahmen der Zeitschrift. Dies hat sich bereits in der exponentiellen Zunahme der Zahl der sogenannten «predatory journals» in den letzten Jahren gezeigt.

Redaktionelle Freiheit sicherstellen

Diamond Open Access (Synonyme: Platinum Open Access oder Public Service Open Access) ist hingegen definiert als wissenschaftliche Publikationsform ohne Kosten für Autorenschaft und Leserinnen und Leser. Der Aufwand wird aus institutionellen Mitteln, durch Gönner und Förderer oder andere Zuwendungen finanziert. Mit Diamond OA werden Anreize zur Publikation von Artikeln von teilweise fragwürdiger Qualität ausgeschlossen [3].

Diamond OA ist ein Engagement aus dem akademischen Umfeld. Im März 2021 zeigte die «Open Access Diamond Journals Study» [4] zum ersten Mal die quantitative Bedeutung dieses Bereichs und seinen Einfluss auf die Qualität der Publikationen auf. In den circa 29 000 Diamond-Zeitschriften werden 8-9% der wissenschaftlichen Artikel und 45% der Open-Access-Artikel veröffentlicht [5]. Die meisten erfüllen die höchsten Anforderungen an wissenschaftliche Qualitätskontrolle, doch kämpfen viele mit operativen, aber auch finanziellen Herausforderungen, um ihre langfristige Überlebensfähigkeit zu sichern. Tatsächlich ist eine Diamond-Publikation nur mit grossem Engagement der Partner möglich. Im Frühjahr 2022 wurde der «Action Plan for Diamond Open Access» publiziert, dessen Ziel es ist, ein nachhaltiges, von der Gemeinschaft getragenes Diamond-OA-System für wissenschaftliche Kommunikation weiterzuentwickeln und auszubauen [5].

Mitglieder des Trägervereins SMW

In chronologischer Reihenfolge: Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften, Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte, Universitätsspital Basel, GZO Spital Wetzikon, Università della Svizzera Italiana, Solothurner Spitäler, Hôpital Fribourgeois, Universitäre Altersmedizin Felix Platter, Kantonsspital Baselland, Spital Zollikerberg, «Penta Plus» (Kantonsspital Baden, Spitalzentrum Biel, Kantonsspital Graubünden, Spital Simmental Thun-Saanenland, Kantonsspital Winterthur), Schweizerische Gesellschaft für Intensivmedizin, Schweizerische Gesellschaft für Kardiologie, Bibliothèque Universitaire de Médecine du CHUV, Schweizerische Gesellschaft für Notfall- und Rettungsmedizin, Zuger Kantonsspital, Kantonsspital Aarau, Kantonsspitäler Münsterlingen und Frauenfeld (Spital Thurgau), Schweizer Paraplegiker-Zentrum / Schweizer Paraplegiker-Forschung, Spitalregion Luzern-Nidwalden, Kantonsspital Obwalden, Stadtspital Waid und Triemli / Stiftung für wissenschaftliche Forschung am Stadtspital Triemli, Schweizerische Gesellschaft für Infektiologie, Bundesamt für Gesundheit, Hôpital du Jura, Schweizerische Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin, Hôpital du Valais, Schweizerische Gesellschaft für Rheumatologie.

National und international bekannt

Das 1871 gegründete Swiss Medical Weekly (frühere Titel: Correspondenz-Blatt für Schweizer Aerzte und Schweizerische Medizinische Wochenschrift) ist aufgrund von verschiedenen Originalpublikationen, in denen Meilensteine der Entwicklung der Forschung in der Schweiz beschrieben wurden, Teil unserer Wissenschaftsgeschichte [6]. Es wird monatlich von rund 130 000 Leserinnen und Lesern konsulitert. Seine wissenschaftliche Bedeutung wurde kürzlich von der internationalen Gemeinschaft mit einem Impact Factor von 4,2 honoriert.

Das Swiss Medical Weekly (SMW) folgt dem Open-Access-Modell seit den ersten OA-Erklärungen und Initiativen. Die Zeitschrift wird von der Non-Profit-Organisation «Trägerverein Swiss Medical Weekly» herausgegeben, deren Ziel es ist, die Publikation nach dem Diamond-Modell zu ermöglichen und weiterzuentwickeln. Die Unterstützung der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften ist eine Garantie für die wissenschaftliche Qualität des Projekts. Die Unterstützung der FMH unterstreicht die Bedeutung des Projekts für die Schweizer Ärzteschaft. Das Engagement von Universitäts- und anderen führenden Spitälern sowie von medizinischen Fachgesellschaften unterstreicht die Richtigkeit der Strategie.

Die wissenschaftliche Qualität der im SMW publizierten Artikel ist das vorrangige Ziel der Redaktion. Der wissenschaftliche Anspruch setzt auf die Qualität der eingereichten Artikel und des Reviewing-Prozesses, der von rund 30 Redaktorinnen und Redaktoren verantwortet wird. Jeder Artikel wird auf Kosten der Zeitschrift einem methodologischen Reviewing unterzogen und an mehrere externe Expertinnen und Experten zur Begutachtung weitergeleitet. Jährlich werden 600-800 Artikel eingereicht. Die Annahmequote liegt bei circa 29%. Im Jahr 2021 wurden 1600 Reviewer gebeten, die eingereichten Artikel zu kommentieren. Die Zeit zwischen der Einreichung und der Weiterleitung der Reviewer-Kommentare an die Autorinnen und Autoren beträgt im Durchschnitt 20 Tage.

Qualität der Gutachten

Das SMW veröffentlicht Artikel aus allen Bereichen der Medizin. Chefredaktor für die Grundlagenforschung ist Prof. Adriano Aguzzi; in der klinischen Medizin wurde Prof. Manuel Battegay, der sich künftig neuen Aufgaben im SMW-Trägerverein widmen wird, kürzlich von Prof. Gérard Waeber abgelöst.

Die Ambitionen des SMW bestehen darin, eine strenge, auf Qualität basierende Redaktionsarbeit anzustreben und die Ansprüche der verschiedenen medizinischen Fachgesellschaften zu erfüllen. Dies wird nur möglich sein, wenn die Qualität der Forschung in der Schweizer Universitätslandschaft gefördert wird. Wir wollen sicherstellen, dass die Qualität der Gutachten hervorragend und relevant ist. Selbst im Falle einer Ablehnung des Artikels müssen die Rückmeldungen der Reviewer für die Autorinnen und Autoren von Nutzen sein. Wir wünschen uns, dass das SMW den Qualitätsansprüchen der verschiedenen Fachgesellschaften unseres Landes gerecht wird und von den Fachgesellschaften, der FMH und dem Schweizerischen Nationalfonds als unverzichtbarer wissenschaftlicher Partner gesehen wird.

Wir möchten allen Redaktorinnen und Redaktoren und dem Vorstand des Trägervereins (die gesamte Liste finden Sie auf unserer Website [7]) für ihr bemerkenswertes Engagement und den Mitgliedern des Trägervereins für ihre Unterstützung und ihr Vertrauen sehr herzlich danken.

Das Wichtigste in Kürze

Die medizinische Fachzeitschrift Swiss Medical Weekly (SMW) wird monatlich von rund 130 000 Leserinnen und Lesern gelesen. Ihre wissenschaftliche Bedeutung wurde kürzlich von der internationalen Gemeinschaft mit einem Impact Factor von 4,2 honoriert.

Das SMW folgt dem Diamond Open Access-Modell, bei dem die Kosten aus institutionellen Mitteln, durch Gönner und Förderer oder andere Zuwendungen gedeckt werden.

Die wissenschaftliche Qualität der Artikel wird durch einen Review-Prozess garantiert. Von den 600–800 eingereichten Artikeln pro Jahr werden circa 29% angenommen.

Korrespondenz

Gerard.Waeber[at]chuv.ch

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Das Swiss Medical Weekly folgt dem Open-Access-Modell seit den ersten Open-Access-Erklärungen und -Initiativen.

© Phil / Unsplash

Literatur

1 Budapest Open Access Initiative, 2002. www.budapestopenaccessinitiative.org/read/german-translation/

2 Hagner M. Open Access, data capitalism and academic publishing. Swiss Med Wkly. 2018;148:w14600. doi:10.4414/smw.2018.14600.

3 Aguzzi A. ‘Broken access’ publishing corrodes quality. Nature. 2019;570(7760):139. doi: 10.1038/d41586-019-01787-2.

4 Bosman J, Frantsvåg JE, Kramer B, Langlais PC, Proudman V. OA Diamond Journals Study. Part 1: Findings (Report). doi:10.5281/zenodo.4558704.

5 Ancion Z, Borrell-Damián L, Mounier P, Rooryck J, Saenen B. (2022). Action Plan for Diamond Open Access. doi:10.5281/zenodo.6282403.

6 SMW most cited articles: smw.ch/about-us → Metrics

7 SMW academic editors: smw.ch/about-us → Editorial Board

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