Editorial

Positives aus der Psychiatrie

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2023.21427
Veröffentlichung: 18.01.2023
Schweiz Ärzteztg. 2023;103(03):3

Magdalena Mühlemann

Was haben Psychiatrie und Volkswirtschaft miteinander zu tun? «Eine niederschwellige und frühzeitige Inanspruchnahme psychiatrischer Behandlungen vermeidet hohe volkswirtschaftliche Folgekosten», sagt Fulvia Rota, Präsidentin der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie. Sie äussert sich damit zur neuen Zulassungsregulierung von ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzten durch die Kantone, die bis Ende Juni 2023 umgesetzt werden soll. Im Gegensatz zu anderen Fachrichtungen geht es in der Psychiatrie weniger darum, das Angebot zu begrenzen, sondern vielmehr sicherzustellen, dass es auch in der Peripherie verfügbar ist. Das Dossier von Eva Mell und Julia Rippstein finden Sie ab Seite 12.

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Magdalena Mühlemann

Leiterin Content Wissenschaft, Fort- und Weiterbildung

magdalena.muehlemann[at]emh.ch

Die Zulassungsregulierung war übrigens auch eines der Themen in der Ärztekammer vom 27. Oktober 2022. Die FMH ruft die angeschlossenen Organisationen dazu auf, ihre Fragen, Anliegen und Rückmeldungen im Zusammenhang mit der Umsetzung zu melden. Das grosse Ärztekammerprotokoll von Katharina Meister mit sämtlichen Traktanden und Beschlüssen finden Sie ab Seite 25.

Aber zurück zur Psychiatrie: Wussten Sie, dass bis zur Hälfte aller Patientinnen und Patienten, die eine antidepressive Medikation erhalten, nicht auf diese Therapie ansprechen? Die Behandlung einer therapieresistenten Depression ist aufwendig und führt häufig nicht zur Remission, schreiben Golo Kronenberg et al. in ihrem Übersichtsartikel im Swiss Medical Forum ab Seite 44. Professionelles Erwartungsmanagement ist daher wichtig. Ist die Depression einmal als «schwierig zu behandeln» eingestuft, steht die Verbesserung der Lebensqualität im Vordergrund. Das neuartige Antidepressivum Esketamin markiert einen qualitativen Sprung in der Therapie. Eine «add-on»-Behandlung mit Esketamin kann die Prognose der therapieresistenten Depression verbessern.

Verbesserung dürfen sich auch Betroffene von Post-COVID-19-Fatigue (mit und ohne Depressionssymptome) erhoffen, also Personen, die mehr als 12 Wochen nach einer durchgemachten Infektion noch immer an chronischer Müdigkeit leiden. Repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS) könnte Linderung bringen. Bei der rTMS handelt es sich um ein nichtinvasives Verfahren, durch das Hirnareale in ihrer Aktivität gesteigert oder gebremst werden. Ihm widmen sich der Kommentar von Johann Wenzel Schicho (Seite 51) und der Fallbericht von Olivier Seemann und Bernd Krämer ab Seite 52. Bei einer 60-jährigen Patientin haben sich die Fatigue-Symptome mit einer Kombinationstherapie von High- und Low-Intensivity-rTMS deutlich gemildert – womit sich der Kreis zur Volkswirtschaft wieder schliesst.

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