Briefe / Mitteilungen

Welche Verantwortung für welche unsere Freiheit?

Jörg Fritschi

DOI : https://doi.org/10.4414/saez.2018.06681
Veröffentlichung : 18.04.2018
Schweiz Ärzteztg. 2018;99(16):509

Welche Verantwortung für welche unsere Freiheit?

Brief zu: Maassen MM. Globalbudget ante portas – die Schweiz blockiert sich selbst. 
Schweiz Ärztezeitung. 2018;99(12):399–402.

Der Artikel verwirrt. «Wir haben eine Verantwortung für unsere Freiheit», so endet er und lässt den Leser ins Leere fallen. Was heisst 
das nun konkret? Welche Freiheit ist da gemeint? «Einheit ist gefordert», steht im Artikel. Einheit mit wem? Und «… gemeinsamen Tarif vorlegen …». Gemeinsam mit wem?

Leider finden sich im ganzen Artikel keine konstruktiven Hinweise, wie mit den stets steigenden Gesundheitskosten umzugehen ist. Das Gesundheitswesen ist infolge der Solidarität der Gesunden mit den Kranken kein üblicher Markt, wo sich Angebot und Nachfrage selber regeln. Und wer krank ist, hat oft keine Kraft, verschiedene Angebote zu vergleichen. Also braucht es Regulatoren! Wer übernimmt diese Funktion? Politik? Versicherer? Ökonomen? Versicherte? Patienten? Investoren? Die Ärzteschaft wird dabei kaum erwähnt. Warum wohl? Eine der wesentlichsten, vertrauensbildenden Fragen kann oft nur durch Ärztinnen und Ärzte beantwortet werden: «Welche Massnahmen im Gesundheitswesen dürfen wir alle mit ruhigem Gewissen weglassen, ohne uns gesundheitlich zu schaden?» Mit der Ablehnung der ManagedCare-Vorlage im Juni 2012 hat sich die Ärzteschaft selber aus dieser Rolle zurückgezogen. Die Frage wird bis heute nur ansatzweise gestellt, und die (wenigen) Antworten sind kaum ­kommuniziert. (Immerhin ist «smarter me­dicine» ein zaghafter Hoffnungsschimmer.) Was Wunder also, wenn die nicht-ärztlichen Beteiligten im Gesundheitswesen Ersatz­lö­sungen aus ihrer Optik vorschlagen! Die Ärzteschaft hat angesichts der immensen Ent­wicklungen im Gesundheitswesen neben der fachlichen zunehmend auch eine ökonomische Mit-Verantwortung. Wenn wir Ärztinnen und Ärzte uns dieser Zusammenarbeit verschliessen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn eins zu eins umgesetzte Globalbudgets gefordert werden trotz der bekannten Nebenwirkung der Unterversorgung. Ist das eine Antwort zur eingangs gestellten Frage: «Welche Verantwortung für welche unsere Freiheit?»?

Dr. med. Jörg Fritschi, Obernau

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