Briefe / Mitteilungen

Replik

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2017.05599
Veröffentlichung: 26.04.2017
Schweiz Ärzteztg. 2017;98(17):529

Dr. med. Christoph Bosshard, Vizepräsident der FMH, Departementsverantwortlicher Daten, Demographie und Qualität DDQ

Replik

Sehr geehrter Herr Kollege

Ich danke Ihnen für Ihre Nachricht. Sie sprechen darin die nicht nur medizinischen, sondern generell gesellschaftlichen Herausforderungen der Teilzeit-Tätigkeit an. Dass sich unsere Gesellschaft in diversen Wandlungsprozessen befindet, ist eine Tatsache, welcher wir Ärztinnen und Ärzte uns nicht entziehen können. Volkswirtschaftlich betrachtet macht es durchaus Sinn, den hohen Ausbildungsstandard in der Schweiz zu nutzen. Damit daneben noch Zeit für soziale Aktivitäten, Partnerschaft und Familie bleibt, drängt sich eine Teilzeit-Tätigkeit fast auf. Wir erleben leider zur Genüge, was es für unsere Patientinnen und Patienten bedeutet, wenn familiäre Strukturen auf- und zerbrechen. Daraus resultiert letztlich eine Medikalisierung sozialer Probleme, was die Gesundheitskosten auch antreibt. Sie sprechen auch den wichtigen Bereich der Erfahrung am Patienten an. Nach Einführung des Arbeitsgesetzes hat der VSAO in einer Untersuchung aufzeigen können, dass die deutlich zugenommene Verdichtung im klinischen Alltag, auch verbunden mit deutlich verkürzten Hospitalisationszeiten, dazu führt, dass die gesehene Anzahl Patienten auch nach Einführung des Arbeitsgesetzes nicht abgenommen hat. Neueste Studien zeigen hier, dass nicht die Teilzeit, sondern die administrative Überlastung es ist, welche unsere Zeit an praktischer medizinischer Tätigkeit massiv einschränkt. Und trotzdem sind Ärztinnen und Ärzte ihrem Beruf sehr treu: Nur gerade etwa 3% verlassen im Laufe ihres Berufslebens die ärztliche Tätigkeit definitiv, wie die FMH zusammen mit dem VSAO letztes Jahr aufgezeigt hat.

Bringen wir die ärztliche Schaffenskraft also wieder zurück an den Ort, wo sie hingehört, nämlich zu unseren Patientinnen und Pa­tienten. Dies mittels Minimierung der administrativen Belastung und mittels Schaffung attraktiver Rahmenbedingungen, welche es Ärztinnen und Ärzten ermöglichen, ihre Tätigkeit möglichst hochprozentig auszuführen.

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