Briefe / Mitteilungen

BAG – Büro zum Ausverkauf des Gesundheitswesens

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2017.05792
Veröffentlichung: 27.06.2017
Schweiz Ärzteztg. 2017;98(2627):866

Dr. med. H.-R. Naef, Luzern

BAG – Büro zum Ausverkauf 
des Gesundheitswesens

Offener Brief zur Vernehmlassung «Änderung der Verordnung über die Festlegung und die Anpassung von Tarifstrukturen in der Krankenversicherung»

Sehr geehrter Herr Bundesrat Berset

Hiermit erhalten Sie fristgerecht meine Stellungnahme zur geplanten Verordnung.

Erlauben Sie mir vorab eine kurze Vorstellung meiner Person. Ich habe bereits mit dem ­verstorbenen Hans-Heinrich Brunner – ehemaliger Vizedirektor des BAG, noch vor ­Entstehung des TARMED – zusammen mit Krankenkassen-Vertretern und Software-Häusern – an einer Homologisierung der ­kantonalen Krankenkassentarife gearbeitet. Anschliessend war ich als Vertreter der Schweizerischen Ophthalmologischen Gesellschaft für nicht invasive Positionen an der Ausarbeitung des TARMED beteiligt. Parallel dazu war ich rund 20 Jahre Vertreter der ­regionalen ­Augenärzte in der kantonalen ­Ärztegesellschaft und dabei zusätzlich an die 15 Jahre Mitglied der Paritätischen Vertrauenskommission mit den Krankenkassen. ­Zuletzt habe ich nochmals während rund 4 Jahren an der Revision des TARMED mit­gearbeitet. Somit fühle ich mich kompetent genug, alles, was den Tarif angeht, selbst ­unter die Lupe nehmen zu können.

Sie haben mittlerweile von diversen Ärzten von der Front und aus Artikeln und Zusendungen der Ärzteorganisationen viele sach­liche Argumente kennengelernt, die gegen ­Ihren Entwurf sprechen, ihn eigentlich ziemlich auseinandernehmen.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Ihr BAG gegen sachlich-freundlich vorgebrachte Argumente der Ärzte immun ist.

Ich versuche deshalb hier, Ihnen und Ihrem Team leicht verständlich aufzuzeigen, weshalb Ihr BAG in absehbarer Zeit umbenannt wird in «Büro zum Ausverkauf des Gesundheitswesens».

Ausser: Sie, Herr Bundesrat, nehmen Ihre Aufgabe als Verantwortlicher des Departementes wahr und vollziehen die Endkontrolle der ­deletären Ausgeburt Ihres Bürolistenteams, indem Sie die Notbremse ziehen.

Reden wir nicht davon, dass Ihr BAG die Produktivitäten der Operationssäle-1 unrealistisch falsch und für die Praktiker tödlich erhöht.

Reden wir von der irrsinnigen Idee Ihres Büro­teams, die quantitative Dignität auf 1 zurückzusetzen, um damit «sinnvoll» Geld zu sparen.

Darf ich davon ausgehen,

– dass Ihr BAG aus Mitarbeitenden in unterschiedlichen Lohnklassen besteht? Je länger dabei, desto höher, und je mehr aus­gebildet – also höher qualifiziert –, desto höher?

– dass bei Ihnen niemand weiss, dass von Ärzten unterschiedlich qualifizierte Leistungen erbracht werden, die ganz wesentlich unterschiedliche Ausbildungsdauern erfordern?

– dass eine simple Wundversorgung gleich qualifizierend ist wie eine Herz- oder Hirn-OP?

– dass eine Brillenbestimmung gleich wie die Reparatur einer Netzhautablösung zu bewerten ist?

– dass somit alle in Ihrem Büro für den Ausverkauf des Gesundheitswesens der Überzeugung sind, dass alle (!) Ärzte die gleiche Ausbildung haben?

Haben Sie vergessen, mitzuteilen, dass in ­einer der Sitzungen des BAG versichert worden ist, alle Ihre Mitarbeiter auf das Lohn­niveau eines Sachbearbeiters (sagen wir mit 3 Jahren Berufserfahrung; die EU-Ärzte lassen grüssen) zurückzusetzen und Sie als Bundesrat auf das Niveau eines durchschnittlichen Gemeindevorstehers?

Finden Sie diese Gedanken verrückt? Dann ziehen Sie die Notbremse!

Die qualitative Dignität ebenso wie die quantitative sind logisch und widerspiegeln die tägliche Realität in jedem Betrieb.

Wenn Sie nicht wollen, dass viele Praxis-OPs, die unwidersprochen günstiger arbeiten als jeder Spital-OP (egal ob ambulant oder stationär), wegen Ihrer Produktivitätsvorgaben eingehen, dann ziehen Sie die Notbremse!

In der Hoffnung, dass meine Darlegungen einfach genug waren und ein Umdenken in Ihrer Umgebung auslösen können, grüsst freundlich

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