Organisationen der Ärzteschaft

Schweizerische Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie

Luc-Ciompi-Preis 2017

Kaspar Aebi

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2017.06147
Veröffentlichung: 06.12.2017
Schweiz Ärzteztg. 2017;98(49):1637

Die Schweizerische Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (SGPP) hat an ihrem Jahreskongress Dr. Gemma Modinos mit dem Luc-Ciompi-Preis ausgezeichnet. Der vom Psychiater und Autor Luc Ciompi gestiftete Preis zielt auf heraus­ragende wissenschaftliche Arbeiten zu den Wechselwirkungen zwischen Emotion und Kognition und deren Bedeutung für das Verständnis der Schizophrenie.

Luc Ciompi ist nicht nur Begründer des Konzepts der Affektlogik, der Lehre von den Wechselwirkungen zwischen Fühlen und Denken, er war auch an der Entwicklung des Vulnerabilitäts-Stress-Modells beteiligt, mittels dessen die multifaktoriellen Ursachen und Verläufe der Schizophrenie besser verstanden werden können. Von 1977 bis 1994 arbeitete der heute 88-jährige Forscher als Professor für Psychiatrie und ärztlicher Direktor der Sozialpsychiatrischen Universitätsklinik Bern. Während dieser Zeit gründete er auch die Wohngemeinschaft Soteria Bern, in welcher Menschen mit akut psychotischen Störungen primär durch mitmenschliche Begleitung und Zuwendung in einer entspannenden Umgebung behandelt werden. Das fast sechzigjährige Schaffen von Luc Ciompi ist geprägt von einem integrativ psycho-sozio-biologischen Verständnis von psychischen Störungen. Seine wissenschaftliche Neugier motivierte den Vorkämpfer der integrativen Psychiatrie dazu, einen Preis für wertvolle wissenschaftliche Arbeiten zum Zusammenwirken von Emotion und Ko­gnition und deren Bedeutung für die moderne Schizophreniebehandlung zu stiften.

«Der 2017 zum zweiten Mal verliehene Preis wird für Arbeiten verliehen, welche dazu beitragen, das Psy­chose­verständnis der Affektlogik entweder zu verifizieren oder zu falsifizieren», sagt Stifter Luc Ciompi.

Forschung über die zugrunde liegenden Triggerfaktoren bei Schizophrenie

Die Arbeiten der Luc-Ciompi-Preisträgerin 2017 zielen genau auf diesen Ansatz: Dr. Gemma Modinos’ Studien dienen dem Verständnis der neuronalen Mecha­nismen der Emotion und Stressreaktion in frühen ­Stadien der Schizophrenie. «Mein wissenschaftliches Herz schlägt für diese Interaktion zwischen dem, was Mensche­n fühlen, denken, und wie sie dann handeln», sagte die Forscherin anlässlich der Preisverleihung. Ihre Projekte basieren auf einer Kombination von bildgebenden Verfahren und verhaltensbasierten sowie psychophysischen Experimenten. Sie möchte so verstehen, wie man präventiv oder therapeutisch in diese Mechanismen eingreifen kann, um die Entwicklung der Psychose zu verhindern oder zu verzögern. Modinos interessierte schon immer «die Frage, wie das ­Gehirn das Phänomen der psychotischen Symptome erschaffen kann». Modinos absolvierte einen Bachelor of Science in Psychologie und einen Master of Science in Angewandten Neurowissenschaften und promovierte in Neuroscience. Seit 2010 arbeitet sie am Institut für Psychiatrie, Psychologie und Neurowissenschaften am King’s College in London über die Neurobiologie der Psychose. Die 36-jährige Forscherin und Lehrerin hat über 30 neuropsychologische Publikationen veröffentlicht und erhielt bereits mehrere andere Forschungspreise. Ihre für den Luc-Ciompi-Preis eingereichte Arbeit ist methodologisch ausserordentlich differenziert und raffiniert. Sie weist nach, dass Menschen, die nach objektiven klinischen und neurobiologischen Kriterien vermehrt schizophreniegefährdet sind, sich durch eine emotionale Übererregbarkeit und entsprechende Überaktivierung bestimmter cortico-limbischer Hirnstrukturen auszeichnen. Zudem fand sie interessante, aber zum Teil widersprüchliche Korrelationen zum zerebralen Glutamatstoffwechsel – einem wichtigen Neurotransmitter. «Mein Ziel ist es, eine Subgruppe zu identifizieren, die dann frühzeitig therapiert werden kann», sagt Gemma Modinos. Ihre Untersuchung stützt der Preisjury zufolge drei Grundthesen der Affektlogik: die ständigen engen Wechselwirkungen zwischen Emotion und Kognition, die zen­trale Wichtigkeit von Emotionen in der Schizophrenie und die Implikationen dieses Befundes für die Genese, Früherkennung und Prophylaxe der Krankheit.

Kaspar Aebi

Dr., Präsident am Jahreskongress der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie

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