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Briefe / Mitteilungen

Spitalbauten und Spitalfinanzen

Christian Rothermundt

DOI: https://doi.emh.ch/10.4414/saez.2017.06266
Veröffentlichung: 06.12.2017
Schweizerische Ärztezeitung | Bulletin des médecins suisses | Bollettino dei medici svizzeri | 2017;98:49

Spitalbauten und Spitalfinanzen

Mit einem Ja-Stimmen-Anteil von 89,7 Prozent der Zürcher Stimmberechtigten war im November 2007 der Triemli Bettenhaus-Neubau mit einem Kostenvoranschlag von CHF 290 Millionen angenommen worden (NZZ 26.11.2007). Mit Beschluss vom 31. August 2011 (STRB 1062/2011) legte der Zürcher Stadtrat fest, die Vermögenswerte und Immobilien auf die beiden Stadtspitäler Waid und Triemli zu übertragen. Dies hatte zur Folge, dass nicht mehr der Kanton, sondern das Triemli Spital selber den Neubau finanzieren musste.
Im Kanton St. Gallen hat sich Ähnliches zugetragen: Im November 2014 hiess das sankt-gallische Stimmvolk sechs Spitalvorlagen mit einem Volumen für Neubauten von knapp einer Milliarde Franken gut (NZZ 30.11.2014). Kurz darauf übergab der Kanton seine Spi­talimmobilien an die vier Spitalverbunde (St. Galler Tagblatt 29. Dezember 2016). Auch hier muss das Kantonsspital St. Gallen nun, nach einem Investitionsrückstau von Jahrzehnten, die Baukosten selber stemmen. Die daraus resultierende klamme Finanzsituation führt zu Einstellungs- und Beförderungsstopps beim Spitalpersonal.

Wirtschaften die öffentlichen Spitäler wirklich so schlecht? Das Kantonsspital St. Gallen konnte 2016 eine EBITDA- (Abkürzung für Englisch: earnings before interest, taxes, depreciation and amortization) Marge von 6.0 ausweisen, die Hirslanden Zürich hingegen ist mit einer EBITDA-Marge von gut 30 Prozent äusserst rentabel. Und das, obwohl das Lohn­niveau im privaten Sektor weit über dem öffentlichen liegt (Löhne der Schweizer Ärzte klaffen auseinander, NZZ 31.10.2017), was zu einer regen Abwanderung von qualifiziertem Personal führt (NZZ 7.6.2013). Ist das Problem nicht viel mehr, dass es bereits zu einer tiefen Spaltung im Gesundheitssystem gekommen ist: mit aus dem Boden schiessenden Kliniken, die einen Grossteil der privatversicherten Patienten betreuen, idealerweise bei elektiven Eingriffen – und öffentlichen Spitälern, denen natürlich genau diese Privatversicherten zur Quersubventionierung fehlen und die aufgrund ihres Mangels an Finanzmitteln auf dem Gesundheitsmarkt deutlich träger agieren? Hier drängt sich die Frage auf, ob im Gesundheitssektor diese Form von privatem/­öffentlichem Wettbewerb sinnvoll ist und ob er gesellschaftlich und politisch gewünscht ist. Ich meine nein – die Betreuung von Kranken ist kein wirklich freier Markt und sollte es auch nicht werden.

Dr. med. Christian Rothermundt, Basel

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