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Briefe / Mitteilungen

Geeintes Auftreten der Ärzteschaft ist gefragt!

Daniel Mahler

DOI: https://doi.emh.ch/10.4414/saez.2018.06440
Veröffentlichung: 07.02.2018
Schweizerische Ärztezeitung | Bulletin des médecins suisses | Bollettino dei medici svizzeri | 2018;99:06

Geeintes Auftreten der Ärzteschaft ist gefragt!

Brief zu: Igual M. Offener Brief an Bundesrat Berset. Schweiz Ärztezeitung. 2018;99(3):52–3.

Ich danke Ihnen, Herr Kollege Igual, für 
den sehr gut formulierten Brief, der viele der aktuellen Probleme im Gesundheitswesen anspricht. Leider haben wir die katastrophale Situation auch dem Egoismus der verschiedenen standespolitischen Gruppierungen (Sicherung der eigenen Pfründe) und dem scheinbaren Desinteresse vieler Ärztinnen und Ärzte im Einzelnen (Unwissen, Zeitmangel, Ängste?) zu verdanken, so dass ein geeintes Auftreten der Ärzteschaft verunmöglicht wird. Zusätzlich gibt es Kollegen aus den eigenen Reihen, welche über Jahre vom System profitiert haben und nun nach Pensionierung Breitseiten gegen den eigenen Stand abfeuern. Für mich als «Spezialist» ist es auch fahrlässig, dass die Hausärzte gegen den aktuellen TARMED-Eingriff keine eindeutige Position bezogen haben, da auch sie bzw. ihre Patientinnen und Patienten durch die Einschränkung der Minutagen bei der Konsultation und der ärztlichen Leistung in Abwesenheit ganz erheblich ein­geschränkt wurden. Der Grund hierfür ist wahrscheinlich darin zu suchen, dass die Hausarztmedizin durch die Politik in den letzten Jahren verdientermassen finanziell bessergestellt wurde (Hausarztzuschlag 2014, höhere Taxpunkte für die Zeitleistungen 2018) und die entsprechenden Verbände nun nach dem Motto «Wes Brot ich ess, des Lied ich sing!» handeln. Bemerkend möchte ich noch meine Zukunftsvision einbringen: Wie bereits von den Krankenkassen im Sinne ­einer self-fulfilling prophecy erwähnt, wird dieser Tarifeingriff zu keinen Einsparungen führen, sondern sogar gegenteilige Anreize auslösen. Das ökonomische Denken des einzelnen Arztes wird auf eine ungesunde Art und Weise angeregt, denn er ist nun gezwungen, jede früher als «Service» geltende Leistung in allen Einzelheiten zu verrechnen. Vielleicht hat Herr Berset in seinem Regulierungswahn (Stichwort: Umwandlung von Handlungsleistungen in Zeitleistungen) übersehen, dass eine ambulante Arztpraxis mit der Verrechnung von reinen Zeitleistungen nach TARMED gar nicht betrieben werden kann.

Dr. med. Daniel Mahler, Luzern

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