Briefe / Mitteilungen

Oralmedizin: Interdisziplinarität fördern

Rudolf Wartmann

DOI : https://doi.org/10.4414/saez.2018.06548
Veröffentlichung : 07.03.2018
Schweiz Ärzteztg. 2018;99(10):305-306

Oralmedizin: Interdisziplinarität fördern

In naher Zukunft wird sich der klassische zahnärztliche Beruf stark ändern, denn eine Vielzahl von Erkrankungen der Mundhöhle, des Kopf- und Halsbereiches sind zu diagnostizieren und zu therapieren. Vor allem gibt es immer wieder neue Erkenntnisse über Zusammenhänge oraler Erkrankungen mit dem allgemeinen Gesundheitszustand und Krankheitsbildern. Im Allgemeinen ist bekannt, dass parodontale Erkrankungen das Risiko für kardiovaskuläre Beschwerden erhöhen und einen Risikofaktor wie z.B. Rauchen und Diabetes darstellen. Das Wechselspiel von Dia­betes und Paradontitis ist geläufig. Die orale Medizin wird damit für den Zahnarzt in Zukunft ein Aufgabengebiet, das ihm zunehmend auch neue Chancen eröffnet. Nicht selten gehen Patienten öfter zum Zahnarzt als zum Hausarzt bzw. zu einem Spe­zialisten wie Kardiologen, Dermatologen oder Onkologen. Aber auch das Gegenteil kann zutreffen, nämlich dass Patienten seltener zum Zahnarzt gehen als zu ihrem Hausarzt.

Die Oralmedizin sollte deshalb auch in der allgemein-internistischen Medizin mehr Beachtung finden und einen höheren Stellenwert anstreben. Verstärkte Kooperationen mit den Zahnmedizinern in vernetzten Strukturen ­eröffnen grosse Chancen, dass sich die Oralmedizin zugunsten der Patienten entwickeln kann. Dies bedingt jedoch, dass sich diese Disziplin erkennbar in beiden Richtungen ent­wickelt, denn nur so wird sich die Oralmedizin durchsetzen.

Obwohl die Zusammenhänge zwischen Mund- und Allgemeingesundheit beiden Medizingruppen teilweise bekannt sind, gibt es selten interdisziplinäre Kontakte oder Konzepte. Folgende Aspekte sollen die Problematik verdeutlichen: Alte bzw. geriatrische Patienten stellen Zahnärzte vor Herausforderungen praktischer Art, etwa in Bezug auf Verständigung (Schwerhörigkeit, Denk- und Merkfähigkeit), Bewegung (Gangunsicherheit, Sehschwäche) und Durchführung der Behandlung (mus­kuloskelettale Erkrankungen, Schmerzen, Tremor). Zudem müssen Grunderkrankungen und Pharmakotherapie in den Behandlungskonzepten berücksichtigt werden. Dies berührt auch die momentane sowie mittelfristig zu erwartende Veränderung im sozialen Umfeld des Patienten (Übergang aus der Selbständigkeit in Pflegesituationen). Für Patienten in Pflegeheimen oder Hospizen gilt dies umso mehr. Daher ist häufig auch eine Rücksprache mit betreuenden Haus- und Fachärzten sowie Pflegenden und Angehörigen notwendig.

Gemeinsame und regional durchgeführte Fortbildungen oder interdisziplinäre Workshops und/oder Qualitätszirkel könnten einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der oralen Medizin beisteuern, ergänzt durch Fachartikel in medizinischen und zahnmedizinischen Medien.

Rudolf Wartmann, Wettingen

Kopfbild : © Romeo 1232 | dreamstime.com