Briefe / Mitteilungen

Auf dem Holzweg

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2018.06910
Veröffentlichung: 11.07.2018
Schweiz Ärzteztg. 2018;99(2829):929

Marcel I. Raas, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Winterthur

Auf dem Holzweg

Brief zu: Meili W. Es reicht! Schweiz Ärzteztg. 2018;99(25):828.

Sehr geehrter Herr Kollege Meili, mit Ihrer Replik auf Gachouds offenen Brief an die Präsidenten der Ärztegesellschaften [1] sind Sie auf dem Holzweg. Folgendes sollten Sie grundsätzlich überdenken:

1. Es braucht nicht mehr solche Stimmen, wie Gachoud es fordert. An der Spitze der Ärzteschaft brauchen wir tatkräftige und klar denkende Frauen und Männer, die handeln und nicht jammern sowie zu harten Verhandlungen fähig sind. Ich bin gespannt auf deren Antworten auf Gachouds offenen Brief.

2. Es droht uns kein Globalbudget, wenn wir uns den nicht durchdachten Tarifeingriffen und versagten Tarifrevisionen verweigern. Es droht ein vertragsloser Zustand, mit dem die Ärzteschaft Erfahrungen hat und letztlich ­Politikern und den Versicherungen Kopfzerbrechen bereitet. Wir arbeiten weiter, von mir aus auch klaglos, nur müssen wir wissen und klar einfordern, was uns unsere Arbeit wert ist.

3. Die grosse und lautstarke Minderheit der operativ tätigen Kollegen ist eben gross und damit keine Minderheit. Ich bezweifle, dass diese Kollegen jahrzehntelang von nicht näher benannten Privilegien profitiert haben. Wenn wir uns untereinander zerfleischen, dann lachen die Dritten: Politiker und Ver­sicherer.

4. Der Tarifeingriff von BR Berset ist nicht direkte Folge des in der Tarifanalyse kritisierten Verhaltens. Der Tarifeingriff ist v.a. illegales, autokratisch anmutendes, meist unreflektiertes Verhalten einer Politik, die substantiell das Gesundheitswesen nicht verstanden hat. Ausserdem ist BR Berset Träger einer Strategie, die eine Einheitskasse will. Das Anpacken der wirklichen Probleme, die in Gachouds Brief nicht einmal am Rand erwähnt werden, scheut Berset genau so wie alle anderen Gesundheitspolitiker.

5. Seit Anfang 2018 verdienen Psychiater nicht 3,7% weniger. Wir erzielen eine Umsatzeinbusse von 3,7%. Lernen Sie bitte zuerst Umsatz von Einkommen zu unterscheiden. Die Einkommensverminderung wird damit 7 bis 8% betragen.

6. Ärgerlich und ungerecht werden Sie vermutlich meine Kritik finden.

Wenn Sie Ihr Leiden als Ihren Beitrag gegen die sich ständig erhöhenden Krankenkassenprämien verstehen, dann haben Sie nicht ­verstanden, wie die Erhöhungen tatsächlich zustande gekommen sind. Darüber wurde in den letzten Monaten besonders auch in der SÄZ im Detail geschrieben und gut informiert. Bitte lesen Sie das nach.

1 Gachoud P. Offener Brief an die Präsidenten der Ärzte­gesellschaften. Schweiz Ärzteztg. 2018;99(23): 766–7.

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