Briefe / Mitteilungen

Der Bericht hat mich sehr verwundert

Marc Fouradoulas

DOI : https://doi.org/10.4414/saez.2018.06915
Veröffentlichung : 11.07.2018
Schweiz Ärzteztg. 2018;99(2829):930-931

Der Bericht hat mich sehr verwundert

Brief zu: Oggier W. Psoriasis gehört thematisiert!
Schweiz Ärzteztg. 2018;99(17):559–61.

Der Bericht des Ökonomen W. Oggier über die Behandlung und Versorgung von Psoriasis hat mich sehr verwundert. Neuerdings geben Ökonomen auch in der SÄZ die Richtung vor, und das in ganz schön direktiver Art und Weise. Der Versorgungsforschung sei gedankt. Offensichtlich hat ein Pharma-gesponserter Psoriasis-Workshop die Realität der Psoriasis-Behandlung in der Schweiz offenbart. Dabei genügen arbiträre Fakten wie «zukünftige Hausärzte erhalten nur eine Stunde Ausbildung in Psoriasis» (wahrscheinlich sind Medizinstudenten gemeint), um auf eine Bildungslücke zu schliessen. Auch sollte die Diagnostik schnell erfolgen und Guidelines beachtet werden. Ausserdem wünscht man sich Entstigmatisierung durch Edukation, mehr Interdisziplinarität und sogar eine Tarifanpas­sung. Sämtliches Gesundheitspersonal sollte dabei einbezogen und moderne Informations- und Kommunikationsmittel eingesetzt werden.→

Man mag sich wundern, was hinter diesem imperativen Aufruf steckt. Die Probleme sind ja nichts Neues und scheitern wie üblich an der klassischen Anreizproblematik unseres Gesundheitswesens. Was sich nach einer gut gemeinten planwirtschaftlichen Top-down- Strategie anhört, mag ganz im Interesse des Sponsors stecken. Schliesslich hat der Sponsor des Workshops Eli Lilly 2016 sein neues Biologikum für Psoriasis («Taltz») auf den Markt gebracht, für 1485 CHF pro Fertigspritze!

Chronisch entzündliche Erkrankungen sind komplex und in der Regel multifaktoriell bedingt, klassisch biopsychosozial eben. Faktoren wie Lebensstil, Psyche und Stressverarbeitung spielen dabei mit. Auch für Psoriasis ist dies dokumentiert. Interessanterweise können Patienten genau hier selbst etwas be­wirken. Leider wird dies im Artikel nicht the­matisiert. Aber wieso Selbstmanagement fördern, wenn doch Immunsuppressiva von der OKP finanziert werden?

Dr. med. Marc Fouradoulas, Zürich

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