Horizonte

Buchbesprechungen

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2018.06948
Veröffentlichung: 10.10.2018
Schweiz Ärzteztg. 2018;99(41):1422-1423

Für das Wartezimmer

Guido Fritschi

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Ansichten & Einsichten

Die Sprache der Bilder

Fotos und Texte von Guido Fritschi. 
Mit Gedichten von Josef Frey.

Cavelti AG, Gossau (Druck); 2018.

64 Seiten. CHF 19

ISBN 978-3-033-06738-7

Internet-Bestellung: www.gbuch.ch

Wer muss sich nicht gelegentlich in einem ­Wartezimmer die Zeit vertreiben? Zerlesene Zei­tungen und Illustrierte gehören da zum Standardangebot – etwas Abwechslung wäre durchaus willkommen.

Der ehemalige Lehrer und Autor Guido Fritschi möchte mit seinem Büchlein «Ansichten & Einsichten – Die Sprache der Bilder» eine solche Alternative anbieten, die insbesondere auch für Wartezimmer in Arztpraxen gedacht ist. 64 Bild-Wort-Kombinationen sollen zum vertieften Betrachten und zu eigenen Inter­pretationen anregen. Die Abbildungen sind durchwegs in Schwarzweiss gehalten, was die Betrachterinnen und Betrachter zu einer intensiveren Auseinandersetzung mit Form und Symbolik der Fotos motivieren soll. Zudem ­soll das Spiel mit der Sprache in Fritschis Texten und in den Gedichten von Co-­Autor Josef Frey dazu beitragen, die Bilder aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und «die eine oder andere Botschaft im Alltag umzusetzen».

Auf der Website www.gbuch.ch sind einige Beispiele frei zugänglich, so dass Interessierte testen können, ob das Büchlein sie anspricht.

Dr. med. Bruno Kesseli

Medizinische Kuriositäten

Martina Frei

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Die Frau mit den 48½ Krankheiten

Neue unglaubliche Fallgeschichten aus der Medizin

Eichborn Verlag in der Bastei Lübbe AG; 2018. 319 Seiten. CHF 21.50

ISBN 978-3-8479-0652-0

In ihrem neusten Werk stellt die Ärztin und Wissenschaftsjournalistin Martina Frei Fallberichte aus der Welt medizinischer Kuriositäten vor, von denen wohl auch die meisten Medizinerinnen und Mediziner bislang noch nichts gehört haben. Beispiel gefällig? Ein junger Patient suchte aufgrund von Schluckbeschwerden seinen Arzt auf. Erst dank einer Computertomographie konnte die Ursache der Gesundheitsstörung gefunden werden: Neben seinem ersten Halswirbel steckte das Mundstück einer E-Zigarette. Dieses durchbohrte infolge einer Explosion der Batterie des elektronischen Glimmstängels die Rachenwand. Verletzungen infolge explodierender E-Zigaretten sind übrigens keine Seltenheit: In den USA landeten alleine im Jahr 2016 etwa 1000 «E-Raucher» auf einer Notfallstation, fast 30 Prozent mussten sogar stationär behandelt werden.

Solche Fallberichte und Daten, die in verschiedensten Fachzeitschriften publiziert wurden, trägt die Autorin in ihrem Buch thematisch geordnet zusammen und verbindet sie zu ­unterhaltsamen Kurzgeschichten. Deren Lektüre lässt einen meist lachen und staunen. Nur ab und zu wird es einem etwas flau in der Magengrube – dann nämlich, wenn man zum Beispiel erfährt, dass man sich mitten in Paris mit Cholera infizieren oder während einer Darmspiegelung explodieren kann.

Matthias Scholer

Personalisierte Pharmakotherapie

Hanns-Georg Klein, Ekkehard Haen

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Pharmakogenetik und Therapeutisches Drug Monitoring

Diagnostische Bausteine für die individua­lisierte Therapie

Berlin: Verlag Walter de Gruyter; 2018.

488 Seiten. CHF 191

ISBN 978-3-11-035290-0

Personalisierte Medizin als Versuch einer Maxi­mierung des therapeutischen Erfolgs ist in den letzten Jahren zunehmend Thema in medizinischer Klinik und Forschung.

Im klinischen Alltag bezieht sich dies vor allem auf eine massgeschneiderte Arzneimitteltherapie, welche sich an den individuellen Charakteristika der Patienten orientiert. Genetische Testungen bieten dabei vielversprechende Möglichkeiten zur gezielten Medi­kamentenauswahl und Dosisanpassung in der modernen Pharmakotherapie, wobei die Zweckmässigkeit und Risiken eines routinemässigen Einsatzes lebhaft diskutiert werden. Ein älteres Werkzeug für die Perso­nalisierung der Pharmakotherapie stellt die ­Quantifizierung und Interpretation von Medika­mentenkonzentrationen im Blut, das so­genannte Therapeutisches Drug Monitoring (TDM), dar.

Klein und Haen gelingt mit ihrem Buch eine umfassende Einführung in diese beiden Prinzipien sowie eine Darstellung des aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisstandes. Eine weitere Stärke des Buches ist die kritische Auseinandersetzung mit möglichen Chancen und potentiellen Risiken, u.a. aus volkswirtschaftlicher Perspektive, sowie ein kritischer Ausblick auf aktuelle und mögliche zukünftige Entwicklungen.

Die Beschränkungen dieses Werkes sind zugle­ich der Begrenzung unseres wissenschaftlichen Erkenntnisstandes geschuldet. Zudem ist der Spagat zwischen Theorie und Praxis nicht einfach zu überwinden und die klinische Relevanz bleibt häufig abstrakt. Dabei ist die Darstellung der besprochenen Befunde teilweise wenig übersichtlich, eine tabellarische Datenbeschreibung könnte v.a. für die praxisbezogenen Inhalte hilfreich sein.

Dr. med. Georgios Schoretsanitis

Ernährungsfragen aus dem Praxisalltag

Beatrice Conrad Frey, Hugo Saner

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Ist essen gesund?

Dichtung und Wahrheit – leicht verdaulich

Herausgeber: Saner; 2017.

123 Seiten. CHF 29.80

ISBN 978-3-033-06511-6

Das Autorenduo besteht aus einer Ernährungsberaterin und einem Arzt, welche sich ideal ergänzten. Hugo Saner ist Kardiologe mit speziellem Interesse an Ernährung in der Prävention. Beatrice Conrad Frey ist seit über 30 Jahren im Beruf tätig und war viele Jahre Präsidentin des Schweizerischen Verbandes der Ernährungs­berater/innen.

Die Einleitung ist dem Thema gewidmet, wie eine Aussage oder Behauptung wissenschaftlich beurteilt werden kann. Erklärt werden verschiedene Studientypen mit ihren Stärken und Beschränkungen. In den vier Kapiteln Grundnahrungsmittel, Ernährungsmuster, Lebensmittel – Mittel zum Leben – und Trends werden dann jeweils Aussagen wissenschaftlich beurteilt. Die Fragen sind aus dem Praxisalltag gegriffen: Braucht der Mensch Milch? Gibt es gute Zuckeralternativen? Proteine sind gut für die Muskeln; je mehr, desto besser, oder? Sind Fische und Meeresfrüchte gesund? Die Stellungahme auf die jeweiligen Fragen ist in einfach verständlicher Art auf 1–2 Seiten formuliert und wird mit Kurzzusammenfassungen von Studien auf ½–1 Seite ergänzt. Lesende werden befähigt, selbst Entscheidungen aufgrund von Fakten treffen zu können.

Zu empfehlen ist dieses Buch eigentlich allen, welche sich für praktische Fragen der Ernährung im Alltag interessieren. Diese Fragen werden auch Ärzten immer wieder gestellt und kompetente verständliche Antworten dar­auf sind gefragt.

Der Titel passt wirklich sehr gut: Die rhetorische Frage greift das Problem Verunsicherung trotz der vielen verfügbaren Informationen präzise auf. Leicht verdaulich, und das Anliegen der Autoren – dass wir mit Genuss und Freude essen sollen – trifft auch auf das Lesen dieses Buches zu.

Dass das Buch ausschliesslich in gedruckter Form vorliegt, ist leider ein Wermutstropfen – wenn auch der einzige. Wer liest denn in der heutigen Zeit noch Bücher? Mein grösstes ­Anliegen wäre es, die Ernährungsfragen als YouTube-Videos umgesetzt zu sehen.

Dr. clin. nutr. Caroline Kiss, Basel

Medizin verständlich

Silva Keberle (Hrsg.)

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Meine Gesundheit

Der Gesundheitsratgeber für die ganze Familie

Basel: Eskamedia AG; 3. Auflage 2018.

629 Seiten. CHF 39.80

ISBN 978-3-033-06583-3

Online-Bestellung: www.meine-gesundheit.ch

Ein «Gesundheitsratgeber für die ganze Familie» richtet sich selbstredend nicht an Ärztinnen und Ärzte, zumindest nicht primär. Aber Ärztinnen und Ärzte werden von ihren Patientinnen und Patienten öfters nach nützlichen medizinischen Ratgebern und Handbüchern gefragt – und hier kann «Meine Gesundheit» ins Spiel kommen.

Silva Keberle, bestens vernetzte Internistin und vielen Fachleuten durch ihr langjähriges standespolitische Engagement bekannt, ist medizinpublizistisch seit Jahrzehnten an vorderster Front tätig. Sie hat unter anderem die Kommunikationsagentur Eskamedia AG gegrün­det und aufgebaut, deren Tätigkeitsschwerpunkte in Medizin, Gesundheit und Prävention liegen. «Wir machen Medizin verständlich», lautet der Leitspruch des Unternehmens, und dieser Grundgedanke prägt auch «Meine Gesundheit». Gut strukturiert, knapp, verständlich und mit hilfreichen Illustrationen wird Laien medizinisches Wissen in beeindruckender Breite vermittelt.

Die Hauptkapitel sind farbcodiert, was den ­Zugang zur gewünschten Information er­leichtert. Um den umfangreichen Kernteil mit «Krankheiten von A bis Z» gruppieren sich Ratschläge zu gesunder Lebensweise und Prävention («Gesund leben»), Arzneimitteln sowie eine Vielzahl nützlicher Informationen wie Kontakt- und Internetadressen, ein Glossar oder Beschreibungen ärztlicher Spezialgebiete. Auch die Komplementärmedizin, die für breite Bevölkerungskreise einen wichtigen Stellenwert hat, wird in einem eigenen Kapitel abgehandelt. Möglichkeiten und Grenzen von Selbstbehandlungen werden seriös erläutert, und schon ganz zu Beginn des Buchs werden der Leserschaft klare Leitlinien vermittelt, in welchen Fällen eine Arztkonsultation dringend angezeigt ist.

Insgesamt ein erfrischendes, gut gemachtes Buch, das man auch als Fachperson gerne durchblättert.

Dr. med. Bruno Kesseli

Korrespondenzadresse

bkesseli[at]emh.ch

mscholer[at]emh.ch

george.schor[at]gmail.com

caroline.kiss[at]diets-hin.ch

bkesseli[at]emh.ch

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