Briefe / Mitteilungen

Genügend Schnauf haben beim «Return on Investment in Human Health»

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2018.06988
Veröffentlichung: 08.08.2018
Schweiz Ärzteztg. 2018;99(32):1019

Dr. oec. troph. Martin Hofmeister, D-München, Verbraucherzentrale Bayern e.V. – Referat Lebensmittel und Ernährung

Genügend Schnauf haben beim «Return on Investment in Human Health»

Die präventive Einladung von Frau Dr. Dratva zur diesjährigen Swiss Public Health Con­ference (7./8.11.2018, Universität Neuenburg) gilt es länderübergreifend zu unterstützen [1]. Seit vielen Jahrzehnten ist ja bekannt, dass die schwerwiegenden gesellschaftlichen, behördlichen, wirtschaftlichen und individuellen Bedienungsfehler des Biosystems Mensch (körperliche Inaktivität, Fehlernährung, ­emotional-soziale Fehlbeanspruchung sowie Schadstoffbelastung) durch Präventions­stra­tegien mit populationsrealistischen Implementierungsschritten im Alltagsleben verhü­tet oder günstig beeinflusst werden können. Wir wissen aber auch: «Präventiv­massnah­men müssen auf lange Frist angelegt werden, und man darf den Schnauf und die Geduld nicht verlieren.» Dieser Satz ist 40 Jahre alt und entstammt den Schlussbetrachtungen der interdisziplinären Tagung des ­Forum Davos 1978: Prävention und ihre ­Möglichkeiten. Bereits damals haben die Beteiligten konkrete Ansatzpunkte zur Förderung präventiven Handelns aufgezeigt: Beeinflussen des so­zia­len Gesundheitsverhaltens auf Gruppen­ebene initiieren; Massnahmen fürs Einführen einer sinnvollen Gesundheitserziehung in der Schule; Verbessern der Ernährungs­situation durch systematisches Ausbilden und Zusammenwirken von Ärzten, Ernährungswissenschaftlern, Hauswirtschaftslehrerinnen, Köchen, Konsumentenorganisa­tionen, Informationsspezialisten, Industrie etc.; Gestalten von Spass fördernden Bewegungsangeboten und Anforderungen an freizeit­attraktive Sportanlagen; Vorschläge für ökonomi­sche Steuerungsmechanismen im Stras­sen­verkehr und Genussmittelkonsum etc. Das Einsparpotential aktiver Präventivmedizin war schon damals dokumentiert, leider fliessen – stabil stagnierend – noch immer weniger als 3% der gesamten Gesundheitsausgaben der Schweiz in die Prävention und Gesundheitsförderung (2016 waren es 2,4%).

Bereits vor 10 Jahren hatte ich in dieser Zeitung betont, dass jeder in die Prävention und Gesundheitsförderung investierte Euro/Dollar/Franken dem Gesundheitswesen, den ­Betrieben und natürlich jedem einzelnen Menschen nicht nur langfristig, sondern auch mittel- und kurzfristig einen Return on Investment in Human Health (ROI) in Höhe ­eines Faktors von 2,3 bis 20,6 erbringt [2]. Fokussiert auf die gemeinsame Verantwortung von Staat und Wirtschaft, von Gesellschaft und Individuum möchte ich das aktuelle systematische Review von Masters et al. benennen: Der durchschnittliche ROI betrug für Public-­Health-Interventionen 14,3 (was einen Cash-Return von 1430% impliziert), für lokale Massnahmen lag der ROI bei 4,1 und für ­landesweite Interventionen sogar bei 27,2 [3]. Organisatoren und Teilnahmewilligen der Swiss Public Health Conference 2018 kann ich ein Querlesen der «alten» Grundsatzreferate und Arbeitsgruppenergebnisse des Forum Davos in der Vorgängerversion des International Journal of Public Health nur ans Herz legen [4].

1 Dratva J. Better Health Faster:
Die Sozialwissenschaften im Dienst der Gesundheit. Schweiz ­Ärzteztg. 2018;99(26–27):878–9.

2 Hofmeister M. Schadensverhütung ist billiger als Schadenvergütung. Schweiz Ärzteztg. 2008;89(30–31):1291–2.

3 Masters R, Anwar E, Collins B, Cookson R, Capewell S. Return on investment of public health interventions: a systematic review. J Epidemiol Community Health. 2017;71(8):827–34.

4 International Journal of Public Health. 1978;23(5–6). https://link.springer.com/journal/38/23/5/page/1.