FMH

Engagement der ambulanten Ärzteschaft ermöglicht hohe Transparenz

Der Bund und die FMH kommen auf das gleiche Resultat

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2018.17264
Veröffentlichung: 24.10.2018
Schweiz Ärzteztg. 2018;99(43):1480-1481

Esther Kraft

Abteilungsleiterin DDQ

An der Erhebung «MAS 2015» (für Medical Ambulatory Structure) haben knapp 7000 Arztpraxen und ambulante Zentren Angaben über ihre ­Tätigkeit, Umsatz und Betriebsergebnis gemacht. Die Rücklaufquote betrug insgesamt gegen 75%. Der Abgleich der MAS-2015-Ergebnisse mit ärzteeigenen Daten zeigt vergleichbare Ergebnisse trotz unterschiedlicher Datenquellen. Das durchschnittliche Ergebnis aus Praxis- und anderen Tätigkeiten beträgt 155 000 CHF, wobei 89% der Praxistätigkeit prämienfinanziert sind.

Ausgangslage

Am 20. März 2018 publizierte das Bundesamt für Statistik BFS die Analyse der Teilnahmezahlen und der Grundgesamtheit aller Ärzte für die erste Erhebung «Strukturdaten der Arztpraxen und ambulanten Zen­tren (MAS) [1]. Rund drei Viertel der angeschriebenen Arztpraxen und ambulanten Zentren lieferten Angaben zu ihrer Situation. Fast 7000 Arztpraxen und ambulante Zentren, und damit die Hälfte der zur bereinigten Grundgesamtheit gehörenden Unternehmen, haben den Fragebogen ausgefüllt und Daten geliefert [1]. Darauf basierend war es dem BFS weiter möglich, am 10. April 2018 die ersten Ergebnisse aus der Erhebung MAS 2015 zu publizieren [2]. Die Erhebung der Daten zu statistischen Zwecken für MAS 2015 erfolgte auf der Basis von Artikel 23 des Krankenversicherungsgesetzes KVG und in Anwendung des Bundesstatistikgesetzes (BStatG).

Somit kann die erste Erhebung als Erfolg betrachtet werden. Gemäss dem BFS war eine wichtige «Voraussetzung für die Teilnahme der Ärzteschaft an der Er­hebung MAS 2015, dass die FMH als wichtigste Berufs­organisation sowie ihre Partner (Ärztekasse und NewIndex) die Datenlieferung zu statistischen Zwecken unterstützten. Schnittstellen zu den bestehenden Datensammlungen der Ärztekasse (RoKo), der New­Index, der FMH und des MedReg vereinfachten den ­Unternehmen die Datenerfassung. Einerseits konnten dadurch mit wenigen Klicks bestehende Daten importiert, andererseits eine hohe Datenqualität gewährleistet werden» [1].

Analyse der Daten durch die FMH

Die Ergebnisse aus der Erhebung MAS 2015 sind für die FMH und die Ärzteschaft von zentraler Bedeutung und Interesse. Auf Grundlage des Bundesstatistikgesetzes und der Verordnung über die Durchführung von statistischen Erhebungen des Bundes sowie des Datenschutzgesetzes machte die FMH von der Möglichkeit Gebrauch, die Daten der Erhebung MAS 2015 mit einer klaren Zweckformulierung betreffend Forschung, Planung und Statistik beim BFS zu beantragen.

Der Abgleich der Ergebnisse aus der MAS-2015-Erhebung mit den ärzteeigenen Daten hinsichtlich Qualität, Aussagekraft und Interpretation soll eine trans­parente und faktenbasierte Diskussion auf Basis einer validierten Datengrundlage ermöglichen.

Abgleich der Ärztezahlen und der Finanzdaten

In einer ersten Analysephase wurden die Ergebnisse zur Anzahl berufstätiger Ärzte und deren Arbeitspensum aus der MAS-2015-Erhebung und der FMH-Ärzte­statistik verglichen. In einem zweiten Schritt wurden die Finanzdaten aus der MAS-Erhebung den verfügbaren Daten aus der Rollenden Kostenstudie (RoKo) gegenübergestellt.

Das BFS weist in seiner Publikation für das Jahr 2015 17 599 praxisambulant berufstätige Ärztinnen und Ärzte aus. Diese entsprechen 14 044 Vollzeitäquivalenten. Die FMH-Ärztestatistik wies für das gleiche Jahr 18 858 praxisambulant berufstätige Ärztinnen und Ärzte entsprechend 15 046 Vollzeitäquivalenten aus (vgl. Tab. 1).

Tabelle 1: Anzahl Ärzte im praxisambulanten Sektor 2015 (Arztpraxen, Praxiszentren).
 MAS 2015FMH-Ärztestatistik 2015 ­(ambulanter Sektor)Delta
Berufstätige Ärztinnen und Ärzte im praxisambulanten Sektor17 599 18 128 3,0%
Vollzeitäquivalente14 044 15 0467,1%
Arbeitspensum 
(Halbtage pro Woche)7,6 8,3 9,2%
Pensum Männer 
(Halbtage pro Woche)8,1 8,9 9,9%
Pensum Frauen 
(Halbtage pro Woche)7,6 6,9 -9,2%

Bei den Finanzdaten für das Jahr 2015 weist das BFS für als Einzelunternehmen organisierte Arztpraxen einen Gesamtumsatz von durchschnittlich 545 000 Franken aus. Der durchschnittliche Gesamtaufwand dieser Praxe­n lag bei 390 000 Franken. Entsprechend ergibt dies einen Kostensatz (Aufwand/Umsatz) von durchschnittlich 72%. Das Betriebsergebnis für die Einzelpraxen betrug im Jahr 2015 somit 155 000 Franken. Im Vergleich dazu zeigen sich auf Basis der Daten der Rollenden Kostenstudie (RoKo) ein Kostensatz (Aufwand/Umsatz) von 70% und ein Betriebsergebnis von rund 167 000 Franken.

Bei den Daten der MAS-2015-Erhebung in Tabelle 2 ist zu beachten, dass die Ärztinnen und Ärzte bei den Einzelunternehmen nicht als Arbeitnehmende gelten. Entsprechend wird das Einkommen der Ärztinnen und Ärzte nicht unter dem Personalaufwand ausgewiesen.

Tabelle 2: Aufwand und Umsatz Einzelunternehmen MAS 2015 und RoKo.
  MAS 2015RoKoDelta
Umsatz544 806556 9802,2%
 Davon aus Praxistätigkeit93%92% 
Davon ärztliche Tätigkeit ausserhalb der Praxisund ohne Bezug zur Praxistätigkeit6%7% 
Andere Umsätze1%1% 
Aufwand390 392389 421–0,1%
 Davon Personalaufwand33%31% 
Davon Sachaufwand med. Tätigkeit29%  
Davon Versicherungsleistungen15%14% 
Sonstiger Aufwand23%  
Betriebsergebnis154 414167 5598,1%
Kostensatz72%70% 

Gemäss MAS-2015-Daten wird der Umsatz aus Praxistätigkeit (also 93% des Gesamtumsatzes) zu 89% aus der obligatorischen Krankenversicherung generiert. Bei einem durchschnittlichen Betriebsergebnis von 155 000 Franken verdient der Praxisinhaber folglich 137 950 Franken aus OKP-Prämiengeldern.

Fazit

Erfreulicherweise zeigen die unabhängigen Erhebungen des Bundes und der Ärzteschaft vergleichbare Ergebnisse betreffend die Anzahl Ärztinnen und Ärzte und deren Arbeitspensum sowie betreffend Finanz­daten. Die vorliegenden Daten bieten somit eine gute Grundlage für eine faktenbasierte und transparente Diskussion in Hinblick auf Ärztezahlen und die finanziellen Rahmenbedingungen der freipraktizierenden Ärzteschaft.

An dieser Stelle gilt unser Dank den Arztpraxen und praxisambulanten Zentren sowie allen Ärztinnen und Ärzten. Dank ihrer Transparenz und Datenbekanntgabe an das BFS sowie an die ärzteeignen Organisationen haben sie diese Ergebnisse erst ermöglicht.

Korrespondenzadresse

Korrespondenz:
FMH
Abteilung DDQ
Elfenstrasse 18
CH-3000 Bern 15
Tel. 031 359 11 11
ddq[at]fmh.ch

Literatur

1 Erste Erhebung «Strukturdaten der Arztpraxen und ambulanten Zentren» (MAS 2015): Analyse von Teilnahme und Grundgesamtheit, Bundesamt für Statistik BFS, 20.3.2018; https://www.bfs.­admin.ch/bfs/de/home/statistiken/gesundheit/erhebungen/sdapaz.assetdetail.4842232.html

2 Statistik der Arztpraxen und ambulanten Zentren (MAS), Bundesamt für Statistik BFS, 10.4.2018; https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/gesundheit/gesundheitswesen/artzpraxen.­assetdetail.4924760.html

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