FMH

Wind of Change

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2019.17849
Veröffentlichung: 08.05.2019
Schweiz Ärzteztg. 2019;100(19):633

Michel Matter

Dr., Vizepräsident der FMH, Departementsverantwortlicher Dienstleistungen und Berufsentwicklung

1990 komponierte Klaus Meine, Leadsänger der deut­schen Hardrockband Scorpions, den Song Wind of Chan­ge als Ausdruck der politischen Umbrüche Anfang der 90er Jahre. Der gleichen Ära entstammt auch die Generation der Millennials, die gerne mit überkommenen Vorstellungen der Vergangenheit bricht. Diese Generation stellt vieles in Frage und bringt Eta­bliertes ins Wanken. Sie verlangt starke moralische und ethische Überzeugungen und kümmert sich um ihr Umfeld, sei es privat, beruflich oder global.

Das Gesundheitswesen ist eine Domäne der Frauen, und doch ist in diesem Umfeld Sexismus eine Realität. Auf Druck der Millennials-Generation, die freie Meinungsäusserung und Transparenz ein­fordert, steht diese Realität nun immer stärker in der Debatte. Auch an den Spitälern und medizinischen Zentren geht diese Entwicklung nicht vorbei. Zu lange wurde Sexismus toleriert oder unter den Teppich gekehrt. Damit muss Schluss sein. Es kann bei uns keinen Platz für Sexismus, Rassismus oder Respekt­losigkeit gegenüber unseren Mitmenschen geben. Sexistische Bemerkungen, taxierende Blicke oder ­unangemessene Berührungen müssen nicht nur verboten sein, sondern auch angeprangert werden. Dies gilt für den Umgang unter Kollegen und Angehörigen des Gesundheitswesens ebenso wie für den Umgang mit den Patientinnen und Patienten. ­Verstehen wir uns nicht falsch: Die überwiegende Mehrheit des Per­sonals und der Patienten verhält sich korrekt und einwandfrei. Aber ganz gleich, ob man Hooliganismus, Rassismus oder Sexismus betrachtet: Einige Menschen überschreiten die rote Linie. Dies kann nicht toleriert werden. Wir müssen den Mut haben, «Stopp!» zu sagen.

Vermehrt schildern Angehörige des Gesundheits­wesens, unabhängig von ihrer individuellen Tätigkeit, dass sie leiden. Ursächlich sind ein Sinnverlust der ­Medizinal- und paramedizinischen Berufe und eine mangelnde Anerkennung, eine zu hohe Verwaltungsbelastung, aber auch fehlende Achtung vor der ge­leisteten Arbeit. Sexismus fügt diesem Leiden weiteres Leid hinzu. Daher ist eine enge Zusammenarbeit ­zwischen der SWIMSA, dem VSAO, H+ und der FMH ­un­erlässlich, um eine Charta zu erarbeiten, die allen ­Ärztinnen und Ärzten, allen Angehörigen des Gesundheitswesens, aber auch allen Patientinnen und Patienten ausgehändigt wird, die in eine medizinische Einrichtung kommen.

In Lausanne wurde vor einem Jahr von Medizinstudierenden das Kollektiv CLASH (Collectif de Lutte contre les Attitudes Sexistes en milieu Hospitalier) gegründet, um das Bewusstsein für die Problematik von Sexismus und Belästigung im Spitalumfeld zu schärfen und darüber aufzuklären. Die Sendung Vacarme von RTS hat dem Sexismus im Spital kürzlich eine Themenwoche gewidmet (Sexisme à l’hôpital, une maladie chronique?) und dabei eindrucksvolle Erfahrungs­berichte präsentiert. Unser Kollege Martin Winckler, Autor des Romans Doktor Bruno Sachs, wiederum hat gerade ein neues Buch mit dem Titel L’Ecole des soi­gnantes veröffentlicht, das ein Spital der Zukunft beschreibt, in dem ohne Diskriminierung und voller Wohlwollen behandelt wird.

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