Briefe / Mitteilungen

Antwort auf den Leserbrief «Lungentransplantierte schütteln den Kopf»

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2019.17852
Veröffentlichung: 08.05.2019
Schweiz Ärzteztg. 2019;100(19):646

Elisabeth Schlatter, Dachsen

Antwort auf den Leserbrief «Lungentransplantierte schütteln den Kopf»

Brief zu: Padrutt P. Lungentransplantierte schütteln den Kopf. Schweiz Ärzteztg. 2019;100(16):581.

Sehr geehrte Damen und Herren der Patientengruppe

Ihre Sichtweise als Organempfänger, welche dank der heute geltenden Definition des Todeszeitpunktes weiterleben, ist vollkommen verständlich. Mir scheint jedoch, dass Sie beim Thema Organentnahme bei Menschen mit Hirnversagen nicht gut informiert sind. Auch stellen Sie Behauptungen in den Raum, die falsch sind: Sie schreiben, ÄPOL wolle Organspende radikal verbieten. ÄPOL unterstützt jedoch die Lebendspende von Organen. Sie führen ins Feld, dass die Frage des Hirntodes geregelt sei und dass selbst in Deutschland ein politischer Konsens bestehe, dass die ­Organspende gefördert werden müsse. Sie ­ignorieren die Tatsache, dass der Hirntod als Todeszeitpunkt auch von Wissenschaftlern und Ärzten seit jeher in Frage gestellt wird. Beim Hirnversagen sind zirka 3% des Körpers betroffen, 97% sind durchaus lebendig und die Organe erfüllen ihre Funktion. ÄPOL ist keine Horde von Radikalen, wie Sie es darstellen, sondern eine Gruppe von Personen, welch­e den Menschen im Stadium des Hirn­ver­sagens eine Stimme gibt. Halten Sie das wirklich für verwerflich?

Bitte versuchen Sie für einmal, die Sicht des Organempfängers und sein Glück über das geschenkte Leben zu verlassen, und setzen Sie sich ernsthaft mit folgenden Fragen auseinander: Wie tot oder lebendig ist ein Mensch im Stadium des Hirnversagens? Was genau passiert mit ihm vor und bei der Hirntoddia­gnose? Warum erhält ein als tot erklärter Mensch bei der Organentnahme eine Voll­narkose und Schmerzmittel? Eine Möglichkeit, sich zu informieren, gibt es hier: https://initiative-kao.de/

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