FMH

Gespür für Politik – und Patienten

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2019.17916
Veröffentlichung: 05.06.2019
Schweiz Ärzteztg. 2019;100(2324):793

Jürg Schlup

Dr. med., Präsident der FMH

Als im Jahr 2005 die Stelle des Chefredaktors der Schweizerischen Ärztezeitung ausgeschrieben war, schien im Anforderungsprofil eigentlich nur Bruno Kesselis Name zu fehlen – ansonsten war der Match perfekt. Als berufstätiger Arzt kannte er den Alltag der Gesundheitsversorgung in Spital und Praxis. Die Herausforderungen, die unser Beruf mit sich bringt, waren ihm genauso vertraut wie die Diskussionen und Befindlichkeiten zu gesundheits- und standespolitischen Themen. Gleichzeitig verfügte er durch seine journalistische Ausbildung und Erfahrung über die Kompetenz, die es brauchte, um eine Zeitung wie die SÄZ weiterzuentwickeln und eine Redaktion professionell zu führen.

Diese doppelte Befähigung Bruno Kesselis als Arzt und Journalist ist der Schweizerischen Ärztezeitung – und damit der FMH mit allen ihren angeschlossenen Organisationen und Mitgliedern – fachlich enorm zugute­gekommen. Aber auch seine besonderen mensch­lichen Qualitäten scheinen mir – zumindest teilweise – durch seine persönliche Herausforderung geprägt zu sein, verschiedene Seiten miteinander vereinbaren zu ­müssen. So schätzen die Mitglieder des FMH-Zen­tralvorstands nicht nur die herzliche und gleichzeitig reflektierte Offenheit dieses breit aufgestellten und zugewandten Menschen. Ganz besonders schätzen auch alle sein Gespür für die Belange der ärztlichen Basis einer­seits und die Herausforderungen der Politik andererseits. Dieses Gespür hat ihn sicher durch die täg­lichen Gratwanderungen eines SÄZ-Chefredakteurs geführt und ihn befähigt, standespolitisch heiklen Situa­tionen immer adäquat zu begegnen.

Dass es Bruno Kesseli möglich war, der SÄZ eine Stimme zu geben und gleichzeitig pointiert unterschiedliche Meinungen in den Beiträgen zuzulassen, ist nicht zuletzt der klaren Struktur des Heftes zu verdanken, die er entwickelte. Er nahm eine transparente Unterteilung vor: Der erste Teil gibt die offizielle, auf Mehrheitsbeschlüssen beruhende Meinung der FMH wieder, der zweite Forumsteil ist hingegen journalistisch völlig frei. Damit konnte er die Funktion der SÄZ als standespolitisches Organ der FMH erhalten und gleichzeitig ihre Unabhängigkeit gewährleisten. Verbandspositionen und kritische Stimmen zu trennen und dennoch in einer Publikation zu integrieren hat sich als Erfolgsrezept für die SÄZ erwiesen, die so das ganze Spektrum der Ärzteschaft abbilden kann.

Die Art, wie Bruno in den letzten dreizehn Jahren die SÄZ führte und auch seine eigenen, immer spannenden und lesenswerten Beiträge zeichnen ihn als Journalisten aus. Dass er neben der Arbeit für die SÄZ seine ärztliche Tätigkeit immer beibehalten hat und nun wie­der in die Hausarztpraxis zurückkehren wird, zeigt aber auch, dass der Arztberuf für ihn mehr geblieben ist als eine Quelle nützlichen Hintergrundwissens. Und noch mehr: Diese Entscheidung zeigt, dass Bruno trotz zweier Talente kein Mensch für halbe Sachen ist. ­Obschon sowohl seine Redaktion als auch seine Praxis­gemein­schaft fanden, er würde beiden Seiten gerecht, nahm er seine eigenen hohen Ansprüche zum Massstab – und widmet sich nun voll und ganz seinen Patienten.

Lieber Bruno, wir danken Dir für Deinen langjährigen Einsatz und Deine Leistungen für die Ärztezeitung und für die Ärzteschaft. Die Zusammenarbeit mit Dir war immer sehr anregend und angenehm. Wir wissen um Dein sicheres Gespür dafür, wie sich die beste Balance finden lässt, und sind uns darum sicher, dass Du die für Dich beste Entscheidung getroffen hast! Im Namen des ganzen FMH-Zentralvorstands wünsche ich Dir alles Gute für Deinen weiteren Weg – und beglückwünsche Deine Patienten. Deine Rückkehr in die Hausarztpraxis ist für uns ein Verlust, für die Patienten jedoch ein Gewinn. Wir verlieren einen ausgezeichneten Chefredaktor der Ärztezeitung – doch die Schweiz gewinnt einen passionierten Hausarzt!

Verpassen Sie keinen Artikel!

close