Briefe / Mitteilungen

Klimaaktivisten besetzen Bankenzugänge

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2019.18069
Veröffentlichung: 14.08.2019
Schweiz Ärzteztg. 2019;100(33):1067-1068

Patrick Haemmerle, 
Dr. med., MPH, Kinder- und Jugendpsychiater und Psychotherapeut, Mitglied der «Grands-parents pour le climat», Fribourg

Klimaaktivisten besetzen ­Bankenzugänge

Eine Anzahl meist junger Menschen – mehrere davon noch minderjährig – besetzen Zugangswege zu den Grossbanken UBS und CS in Zürich und Basel. Sie wollen damit gegen die nach wie vor von diesen Banken praktizierten, nach heutigem Wissen skandalösen Investitionen in der Öl-, Gas- und Kohleförderung protestieren. Die in beiden Städten – auf Ersuchen dieser Geldinstitute – aufgefahrene Polizei verhaftet indessen nicht die Ver­antwortlichen dieser heutzutage obszönen ­Investitionen, sondern interveniert schnell und hart gegen die Überbringer dieser üblen Information. Während die offiziellen Stellungnahmen den Standpunkt vertreten, dass es um den Schutz von Eigentum ging, werden die angwandten polizeilichen und richterlichen Prozeduren nicht erwähnt. Diese sprengen, nach Ansicht vieler Kommentare, aber klar den gesetzlichen Rahmen und rücken dieses Vorgehen in die Nähe Trump’scher Gewalttätigkeit: wie dieser mit Migranten­kindern verfuhr, so auch die Staatsgewalt von Zürich. Die minderjährigen Manifestanten wurden, nach den mir vorliegenden Informationen, ohne Kontaktaufnahme mit den Eltern und ohne deren Möglichkeit, diese zu kontaktieren, in Haft genommen. Ein klarer Verstoss gegen die gesetzlichen Regelungen im Jugendstrafrecht, der hoffentlich noch geahndet werden wird.

Nebst diesen rechtlichen Aspekten sind die psychologischen nicht weniger dramatisch. Da wehren sich junge Menschen mit – zugegeben – zivilem Ungehorsam für ihre und unser aller Zukunft auf diesem Planeten und werden dafür bestraft! Wir wissen aber heute aufgrund umweltpsychologischer Untersuchungen, dass ein Unterdrücken dieser durchaus realitätsbasierten und keineswegs «paranoiden» makrosozialen Ängste (in den 80er Jahren sprachen wir vom «öko-nuklearen Deprivationssyndrom») höchst problematisch und potentiell pathogen sein kann: Bedrücktheit, «No-future-Stimmung», Depression und Suchtverhalten können die Folge davon sein. Krank macht also das Verschweigen und Unterdrücken von Ängsten und nicht das aktive Reagieren dagegen! Die Kriminalisierung und unrechtmässige Inhaftierung mit Traumatisierungspotential trägt bestimmt nicht zu ­einer Lösung des Notstandes bei! Verhalten wir uns diesbezüglich wirklich präventiv und engagieren auch wir Erwachsenen, Eltern und Grosseltern uns, um die Zukunft der kommenden Generationen zu sichern – und beschuldigen wir nicht die jungen Menschen, welche die besorgniserregenden Informationen herausschreien!

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