access_time veröffentlicht 17.09.2018

«Medizin statt Bürokratie!» - konstruktiv und konkret

lic. phil. hist. Marcel Marti, Leiter Politik und Kommunikation / stv. Geschäftsführer VSAO, Bern

Organisationen

«Medizin statt Bürokratie!» - konstruktiv und konkret

17.09.2018

Mehr Zeit am Krankenbett dank weniger Bürokratie.


Das Wichtigste in Kürze:

  • Assistenz- und OberärztInnen verbringen rund zwei Drittel ihrer Zeit mit administrativen Arbeiten.
  • Vor einem Jahr lancierte der VSAO deshalb die Kampagne «Medizin statt Bürokratie». 
  • Beim Start ging es darum, die Spitäler und Kliniken für das Problem zu sensibilisieren - nun stehen die Lösungen im Zentrum.
  • Eine neue Webseite und eine Broschüre zeigen, wie sich die Büroarbeit der Ärzte reduzieren lässt – mit positiven Folgen für die Patienten und Finanzen.
     

Herr Marti, die VSAO-Kampagne «Medizin statt Bürokratie» läuft seit Sommer 2017. Zeit für eine Zwischenbilanz. Welche Ziele wurden erreicht, in welchen Bereichen blieben die Bemühungen der VSAO hinter den Erwartungen?

Die Kampagne gibt zu reden. Ein Beispiel ist unser Leiterspiel zu den bürokratischen Hürden für Ärzte auf dem Weg ans Krankenbett. Es polarisiert - entweder findet man es toll oder verfehlt. Damit ist das Hauptziel der ersten Welle erreicht: Man nimmt unser Anliegen und den Verband wahr. Dass es für Veränderungen mehr braucht, ist klar. Daher rücken wir bei der zweiten Kampagnenwelle Lösungen aus der Praxis ins Rampenlicht.

Welche bürokratischen Aufgaben bieten sich für eine Delegation an andere Spitalmitarbeitende an?

Viele. Beispiele sind der administrative Austausch mit Krankenkassen/Versicherungen und die Codierung von Leistungen. Auch das Einholen externer Informationen (Laborbefunde, Vorberichte etc.) oder die Organisation der Nachbehandlung (Spitex-Planung, Mahlzeitendienst, Heimanmeldung) sind zeitraubend - und eigentlich nicht Sache der Ärzte.

Können Sie uns ein Beispiel nennen, wie eine stationäre Institution den Anteil der Bürokratie abbauen konnte?

Im Kantonsspital Jura hat man kürzlich das Sekretariat der Abteilung Innere Medizin reorganisiert. Es übernimmt nun versuchsweise zusätzliche Aufgaben. Etwa beim Diktieren: Eine Mitarbeiterin prüft die auf Band gesprochenen Krankenberichte. Bei Bedarf ruft sie die Hausärztin der Patienten an, um Zusatzinformationen einzuholen. So werden den jungen Ärzten Bürden abgenommen - und für das Team im Sekretariat die Aufgaben interessanter.

Zeigen sich durch solche Massnahmen bereits positive Effekte?

Ja - auch wenn bis jetzt noch keine Zahlen vorliegen. Aber die Rückmeldungen der betroffenen Mitarbeitenden, seien es Ärzte oder solche aus anderen Bereichen, bestätigen den Spitälern, dass die Veränderungen auf Anklang stossen und zu sichtbaren Verbesserungen führen.

Welche Ziele hat sich der VSAO für die zweite Welle der Kampagne gesetzt?

Wir zeigen anhand von konkreten Beispielen aus der Praxis, dass «Medizin statt Bürokratie!» möglich ist. Oft haben schon vermeintlich kleine und simple Änderungen eine grosse Wirkung. Ziel ist es, die guten Beispiele zu sammeln, bekannt zu machen und ihre Verbreitung zu fördern. Deshalb stehen wir in Kontakt mit FMH, VLSS, SGAIM und H+, gehen zu den Parlamentariern und rühren über unsere neue Themen-Webseite nach Kräften die Werbetrommel.

Weiterführende Links:

Marti M. «Medizin statt Bürokratie». Schweiz Ärzteztg.2018;99(34)

Webseite VSAO: www.medizin-statt-bürokratie.ch

Wenger N et al. Allocation of Internal Medicine Resident Time in a Swiss Hospital: A Time and Motion Study of Day and Evening Shifts. Annals of Internal Medicine. 2017 

lic. phil. hist. Marcel Marti

Leiter Politik und Kommunikation / stv. Geschäftsführer VSAO, Bern

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